Full text: Mengs und Velázquez – Die Prinzessin von Neapel (29)

ANSICHTSSACHE #29 SEITE 17 
https://doi.org/10.60477/1vmj-6v35 
Bestand und Bearbeitungsmerkmale 
Die relativ große und schwere Tafel aus Nussbaumholz 
besteht aus vier unterschiedlich breiten, horizontal ver- 
laufenden Brettern, die stumpf miteinander verleimt 
wurden. Alle vier Seitenränder wurden mit einer 
eingefrästen 0,7 bis 1 cm tiefen Stufe versehen. An diese 
fertige Holztafel mit abgetreppten Rändern wurde wohl 
vor der Bemalung die Stufe am unteren Bildrand mit einer 
gegenläufig gestuften schmalen Leiste ausgeglichen – ver- 
mutlich um eine bessere Auflagefläche für die schwere 
Holztafel zu schaffen 
(Abb. 1).1 
Von der Rückseite aus 
sind im Bereich dieser Stufe beidseitig drei Löcher in 
unterschiedlichen Abständen gebohrt, die entweder zur 
Montage einer Nutleiste während der Ausführung der 
Malerei, für einen temporären Rahmen oder zur Montage 
der Holztafel in eine Wandvertäfelung gedient haben 
könnten. Das Format und die eingefräste Stufe sind ori- 
ginal, wie sichtbare Tropfspuren von Grundierung und 
Malschicht an den Seitenrändern belegen (Abb. 2a, b, c). 
An der Rückseite ist ein originaler, grobkörniger Schut- 
zanstrich in mattem Hellbraun aufgebracht. Im Streiflicht 
sind deutlich die Hobel- und Bearbeitungsspuren erkenn- 
bar (Abb. 3). Im Allgemeinen befindet sich die Tafel in 
einem guten und stabilen Zustand, die Fugen sind stel- 
lenweise partiell leicht geöffnet. Zwischen dem zweiten 
und dritten Brett ist die im Zuge einer früheren Inter- 
vention neuverleimte Fuge mit vier Schwalbenschwänzen 
überbrückt. Ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt wurde 
die Verleimung der Fuge an der Unterkante mit acht 
Nägeln verstärkt (vgl. Abb. 1). 
Eine helle Leim-Kreide-Grundierung ist die Basis der 
ölgebundenen Malschicht. Von der Unterzeichnung sind 
nur im Gesicht und an den Händen einige feine, sparsam 
ausgeführte Linien sichtbar (Abb. 4a, b, c). Der Farbauf- 
trag variiert je nach dargestelltem Gegenstand und ist in 
Ingrid Hopfner 
Aus der Sicht der 
Restauratorin 
Abb. 1 
Röntgenaufnahme: Fugenkartierung mit 
Bearbeitungsmerkmalen, Veränderungen und 
Schäden. Die Röntgenaufnahme zeigt die Verteilung 
der mit Bleiweiß ausgemischten Malschichten. Sie 
gibt Aufschluss über Konstruktion und Qualität 
des Bildträgers sowie den Erhaltungszustand der 
originalen Malerei. 
den hellen, mit Bleiweiß ausgemischten Partien relativ 
pastos, etwa im Kleid, bei den Stickereien oder der Bro- 
sche (Abb. 5a, b). Vereinzelt sind Partien nass in nass 
ausgeführt. Neben den pastosen Bereichen zeigt beson- 
ders der Hintergrund einen glatten, flächigen Farbauftrag, 
jedoch mit feinkörniger Oberfläche. Neben dem minuti- 
ösen Farbauftrag im Gesicht und in den hellen Spitzen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.