Full text : Band 17/18 (=109/110)

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deten, hätten das Relief mit dem Wildschwein und den Altar des „Divus Augustus“

schwerlich übersehen und unerwähnt

gelassen31.
Von Interesse ist in diesem Zusammenhang ein frühes Dokument vom Juni 1530,

das sich auf die Pacht zweier Grundstücke durch Onofrio Conti

bezieht32.

Eines davon

 befand sich bei der Torre dei Conti, dem alten Geschlechterturm der Conti in

der Nähe der Kaiserforen. Die räumliche Nähe ist möglicherweise Indiz eines familiären

 Verbundes. Das zweite von Onofrio gepachtete Grundstück lag „apud domum

Illustrissimi domini de Penestrine“. Letzteres müsste also ein Haus der Familie Colonna

 gewesen sein, zu deren Feudalbesitz Palestrina damals gehörte. Es ließe sich

also auch vermuten, dass die Reliefs einst von den Colonna nach Rom gebracht

wurden und bei der Auflösung ihrer Sammlung am Ende des 15. Jahrhunderts oder

später in den Besitz der Conti

übergingen33.

Belege dafür gibt es bislang aber nicht.

Nur annähernd zu bestimmen ist auch die Lage der Weingärten Mario Contis, in denen,

 seinem Testament von 1572 zufolge, die Skulpturen aufgestellt waren. Die bereits

 erwähnte Vigna bei San Giovanni in Laterano kommt als Aufstellungsort kaum

in Betracht, denn die Umgebung des Laterans war um die Mitte des 16. Jahrhunderts

kein bevorzugter Ort für die Einrichtung eines Skulpturengartens. Wahrscheinlich

standen die besten Stücke der Sammlung Conti in einem anderen Garten, der auf dem

Quirinal in der Nähe der in den Diokletiansthermen eingerichteten Kirche Santa Maria

 degli Angeli gelegen war (Abb. 6). Mario und seine Brüder erwarben das Grundstück

 am 23. Januar 1564 von Jacopo und Gabriele della

Porta34.

Dieser Vorgang hing

gewiss mit der unter Pius IV. ab Oktober 1560 erfolgten Neuanlage der nach ihm benannten

 Via Pia

zusammen35.

Nach dem Erwerb der Vigna kam es wegen der Begrenzung

 des Grundstücks zu Auseinandersetzungen mit den benachbarten Mönchen von

Santa Maria degli

Angeli36.

Wie späteren Dokumenten zu entnehmen ist, verfügte

Contis Garten über ein Haupt- und ein Nebengebäude, war von Seiten der Via Pia

aus zugänglich und grenzte rückwärtig an die weitläufigen Grundstücke des Konvents37.



Wahrscheinlich lag er nicht weit von Santa Susanna entfernt in jenem Areal,

auf dem unter Sixtus V. der Mosesbrunnen (die Fontana dell’Acqua Felice) errichtet

wurde38.
Anders als beim Lateran gab es in der Umgebung der Diokletiansthermen seit dem

frühen Cinquecento diverse Antikengärten, die wie die Sammlung Carpi zu den bekanntesten

 der Stadt

gehörten39.

Mario Contis Skulpturensammlung hatte dort also

ein illustres Umfeld. Sicherlich sollte auch sein Garten nicht nur dem otium genügen,

31 Zur archäologischen Erkundung Palestrinas im 15. und 16. Jahrhundert siehe Fausto Zevi, Proposta

per un’interpretazione dei rilievi Grimani, in: Prospettiva 7, 1976, 38–41, sowie insbesondere Merz
2001 (zit. Anm. 18), 47–53 und 62–68.
32 Siehe ASR, Collegio dei Notai Capitolini, vol. 520 (2. Teil), fol. 60.
33 Zur Antikensammlung der Colonna siehe Kathleen Wren Christian, Empire without End. Antiquities

Collections in Renaissance Rome, c. 1350–1527, New Haven 2010, 313–315.
34 Siehe ASR, Notai del Tribunale delle Acque e Strade, vol. 3 (III), fol. 9, 10. Der erwähnte Giacomo

della Porta ist mit dem Architekten gleichen Namens nicht identisch. Am 25. Januar 1564 erfolgte eine
 Vermessung des Grundstücks durch Matteo Romano und Bartolomeo Gritto; Zeugen waren Agapito
 und Giulio Conti.
35 Zur topographischen Situation siehe Claudia Conforti, Via Pia: Rus in Urbe, in: Paragone 82, 2008,

21–31, sowie Federico Bellini, Michelangelo, la strada e la Porta Pia, in: Studi romani 59, 2011, 74–
109, hier: 77 f. (Aufstellung der Eigner von Grundstücken entlang der Via Pia, aber ohne Hinweis auf
die Vigna der Della Porta oder Conti).
36 Die Dokumente zur concordia zwischen den Conti und den Mönchen von Santa Maria degli Angeli

datieren vom 10. Juli 1564 und vom 12. September 1565 (siehe ASR, Collegio dei Notai Capitolini,
vol. 1522, fol. 436v–438, sowie vol. 1523, fol. 804v–805v [ebenfalls in vol. 1516, fol. 9–11]).
37 Eine Beschreibung, die beim Verkauf der Vigna im Herbst 1573 erstellt wurde, lautet: „vinea cum domo,

 vasca et tribus alijs aedificijs […] petiarum quinque cum dimidia […] intra moenia Alme Urbis in
via Pia nuncupata propre ipsas termas diocletianas […] a duobus lateribus sunt vinee et bona dicti monasterij
 Sancte Marie de Angelis et ante et ab alio latere vie publice.“ ASR, Ospedale di San Giacomo,
vol. 40, fol. 108–115, hier: fol. 111v. Zum Verkauf der Vigna siehe Anm. 58.
38 Siehe Nicoletta Cardano, Guide rionali di Roma. Rione XVIII, Castro Pretorio, Bd. 3, Rom 2000, 32 f.
39 Zur Vigna Carpi siehe Christian Hülsen, Römische Antikengärten des XVI. Jahrhunderts, Heidelberg

1917, 43–84, sowie Elena Svalduz, Abitare e vivere nella capitale: Alberto e Rodolfo Pio da Carpi a
Roma, in: Manuela Rossi (Hg.), Alberto III e Rodolfo Pio da Carpi. Collezionisti e mecenati, Udine
2004, 30–48.
            
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