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deten, hätten das Relief mit dem Wildschwein und den Altar des „Divus Augustus“
schwerlich übersehen und unerwähnt
gelassen31.
Von Interesse ist in diesem Zusammenhang ein frühes Dokument vom Juni 1530,
das sich auf die Pacht zweier Grundstücke durch Onofrio Conti
bezieht32.
Eines davon
befand sich bei der Torre dei Conti, dem alten Geschlechterturm der Conti in
der Nähe der Kaiserforen. Die räumliche Nähe ist möglicherweise Indiz eines familiären
Verbundes. Das zweite von Onofrio gepachtete Grundstück lag „apud domum
Illustrissimi domini de Penestrine“. Letzteres müsste also ein Haus der Familie Colonna
gewesen sein, zu deren Feudalbesitz Palestrina damals gehörte. Es ließe sich
also auch vermuten, dass die Reliefs einst von den Colonna nach Rom gebracht
wurden und bei der Auflösung ihrer Sammlung am Ende des 15. Jahrhunderts oder
später in den Besitz der Conti
übergingen33.
Belege dafür gibt es bislang aber nicht.
Nur annähernd zu bestimmen ist auch die Lage der Weingärten Mario Contis, in denen,
seinem Testament von 1572 zufolge, die Skulpturen aufgestellt waren. Die bereits
erwähnte Vigna bei San Giovanni in Laterano kommt als Aufstellungsort kaum
in Betracht, denn die Umgebung des Laterans war um die Mitte des 16. Jahrhunderts
kein bevorzugter Ort für die Einrichtung eines Skulpturengartens. Wahrscheinlich
standen die besten Stücke der Sammlung Conti in einem anderen Garten, der auf dem
Quirinal in der Nähe der in den Diokletiansthermen eingerichteten Kirche Santa Maria
degli Angeli gelegen war (Abb. 6). Mario und seine Brüder erwarben das Grundstück
am 23. Januar 1564 von Jacopo und Gabriele della
Porta34.
Dieser Vorgang hing
gewiss mit der unter Pius IV. ab Oktober 1560 erfolgten Neuanlage der nach ihm benannten
Via Pia
zusammen35.
Nach dem Erwerb der Vigna kam es wegen der Begrenzung
des Grundstücks zu Auseinandersetzungen mit den benachbarten Mönchen von
Santa Maria degli
Angeli36.
Wie späteren Dokumenten zu entnehmen ist, verfügte
Contis Garten über ein Haupt- und ein Nebengebäude, war von Seiten der Via Pia
aus zugänglich und grenzte rückwärtig an die weitläufigen Grundstücke des Konvents37.
Wahrscheinlich lag er nicht weit von Santa Susanna entfernt in jenem Areal,
auf dem unter Sixtus V. der Mosesbrunnen (die Fontana dell’Acqua Felice) errichtet
wurde38.
Anders als beim Lateran gab es in der Umgebung der Diokletiansthermen seit dem
frühen Cinquecento diverse Antikengärten, die wie die Sammlung Carpi zu den bekanntesten
der Stadt
gehörten39.
Mario Contis Skulpturensammlung hatte dort also
ein illustres Umfeld. Sicherlich sollte auch sein Garten nicht nur dem otium genügen,
31 Zur archäologischen Erkundung Palestrinas im 15. und 16. Jahrhundert siehe Fausto Zevi, Proposta
per un’interpretazione dei rilievi Grimani, in: Prospettiva 7, 1976, 38–41, sowie insbesondere Merz
2001 (zit. Anm. 18), 47–53 und 62–68.
32 Siehe ASR, Collegio dei Notai Capitolini, vol. 520 (2. Teil), fol. 60.
33 Zur Antikensammlung der Colonna siehe Kathleen Wren Christian, Empire without End. Antiquities
Collections in Renaissance Rome, c. 1350–1527, New Haven 2010, 313–315.
34 Siehe ASR, Notai del Tribunale delle Acque e Strade, vol. 3 (III), fol. 9, 10. Der erwähnte Giacomo
della Porta ist mit dem Architekten gleichen Namens nicht identisch. Am 25. Januar 1564 erfolgte eine
Vermessung des Grundstücks durch Matteo Romano und Bartolomeo Gritto; Zeugen waren Agapito
und Giulio Conti.
35 Zur topographischen Situation siehe Claudia Conforti, Via Pia: Rus in Urbe, in: Paragone 82, 2008,
21–31, sowie Federico Bellini, Michelangelo, la strada e la Porta Pia, in: Studi romani 59, 2011, 74–
109, hier: 77 f. (Aufstellung der Eigner von Grundstücken entlang der Via Pia, aber ohne Hinweis auf
die Vigna der Della Porta oder Conti).
36 Die Dokumente zur concordia zwischen den Conti und den Mönchen von Santa Maria degli Angeli
datieren vom 10. Juli 1564 und vom 12. September 1565 (siehe ASR, Collegio dei Notai Capitolini,
vol. 1522, fol. 436v–438, sowie vol. 1523, fol. 804v–805v [ebenfalls in vol. 1516, fol. 9–11]).
37 Eine Beschreibung, die beim Verkauf der Vigna im Herbst 1573 erstellt wurde, lautet: „vinea cum domo,
vasca et tribus alijs aedificijs […] petiarum quinque cum dimidia […] intra moenia Alme Urbis in
via Pia nuncupata propre ipsas termas diocletianas […] a duobus lateribus sunt vinee et bona dicti monasterij
Sancte Marie de Angelis et ante et ab alio latere vie publice.“ ASR, Ospedale di San Giacomo,
vol. 40, fol. 108–115, hier: fol. 111v. Zum Verkauf der Vigna siehe Anm. 58.
38 Siehe Nicoletta Cardano, Guide rionali di Roma. Rione XVIII, Castro Pretorio, Bd. 3, Rom 2000, 32 f.
39 Zur Vigna Carpi siehe Christian Hülsen, Römische Antikengärten des XVI. Jahrhunderts, Heidelberg
1917, 43–84, sowie Elena Svalduz, Abitare e vivere nella capitale: Alberto e Rodolfo Pio da Carpi a
Roma, in: Manuela Rossi (Hg.), Alberto III e Rodolfo Pio da Carpi. Collezionisti e mecenati, Udine
2004, 30–48.