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Mario Conti zehn Jahre zuvor, am 4. April 1562, aufgesetzt
hatte24.
In dieser früheren
Fassung ist noch keine Rede von seinen Skulpturen, was freilich nicht ausschließt,
dass er damals bereits einige besaß.
Soweit es sich bislang anhand verschiedener Archivalien ermitteln ließ, hatte Mario
wenigstens drei Brüder, Pietro, Onofrio und Bernardino, sowie zwei Schwestern namens
Graziosa und
Ippolita25.
In Ippolitas Testament vom 8. Januar 1532 wird der
Namen des Vaters
genannt26.
Er hieß Giuliano Conti, aber weitere Nachweise zu
seiner Person waren nicht beizubringen. Gleichwohl ist es keine reine Spekulation
zu vermuten, dass er aus Valmontone stammte, einer kleinen Ortschaft, die nicht
weit von Palestrina entfernt liegt und damals Feudalbesitz der Familie Conti
war27.
Eine legitime Abstammung aus der Adelslinie ist zwar ausgeschlossen, da die Söhne
Bernardino und Onofrio nachweislich bürgerlichen Standes
waren28,
möglicherweise
war Giuliano aber ein illegitimer Sprössling der Adelsfamilie Conti, vielleicht
sogar des Herrn von Valmontone, Pietro Paolo Conti, der um 1505
verstarb29.
Die
bislang bekannte Genealogie könnte unvollständig
sein30.
Der familiäre Hintergrund
bietet so immerhin eine mögliche Erklärung, wie die beiden Reliefs aus Palestrina
einst in den Besitz der Conti gelangt waren.
Das Problem der Überführung der Skulpturen nach Rom bleibt vorerst aber ungeklärt.
Im Schrifttum über die römischen Antikensammlungen des frühen 16. Jahrhunderts
findet sich, soweit bekannt, keine Notiz zu den Reliefs. Wenn sie jemals
zur Ausstattung des erwähnten macellum gehört hatten, so müssten sie deutlich vor
dem Renaissancezeitalter entnommen worden sein, denn es erscheint wenig plausibel,
dass die Fundstelle bis zum 16. Jahrhundert noch zugänglich war und erst in
der Folge verschüttet wurde. Archäologisch interessierte Architekten und Gelehrte
wie Pirro Ligorio und Piero Vettori, die Palestrinas antike Stätten gründlich erkun-24
Siehe ASR, Collegio dei Notai Capitolini, vol. 502, fol. 217, 220.
25 Im Schrifttum zur Familie Conti ist keines der Geschwister erwähnt. Siehe Felice Contelori, Genealogia
familiae Comitum Romanorum, qua cum primariis nobilitatis Romanae Principibus Affinitates
indicantur, Rom 1650; Marco Dionigi, Genealogia di casa Conti, Parma 1663; Giuseppe Cascioli, Memorie
storiche di Poli con molte notizie inedite della celebre famiglia Conti di Guadagnolo, San Gregorio
da Sassola [u. a.], Rom 1896; Lucia Calzona, Il Palazzo Sforza Conti di Segni, in: Claudia Cieri
Via (Hg.), Lo specchio dei Principi. Il sistema decorativo delle dimore storiche nel territorio romano,
Rom 2007, 83–101. Zur Geschichte der Familie bis zum 14. Jahrhundert siehe Marc Dykmans S. J.,
D’Innocent III à Boniface VIII. Histoire des Conti et des Annibaldi, in: Bulletin de l’Institut Historique
belge de Rome 45, 1975, 19–211. Zur Antikensammlung der Herzöge von Poli im 18. Jahrhundert
siehe Anna Maria Riccomini, Artisti neoclassici a Roma. Studi dall’antico dalle collezioni Late,
Conti, Varese, Nari e altre raccolte minori, in: Rivista dell’Istituto Nazionale di Archeologia e Storia
dell’Arte 59, 2004, 281–298, hier: 288–290.
26 Siehe ASR, Collegio dei Notai Capitolini, vol. 751, fol. 260. Zu ihren Erben bestimmte Ippolita ihre
Brüder, ohne sie namentlich zu nennen. Dass sie die Schwester von Mario, Bernardino und Onofrio
war, belegt ein Dokument zu Ippolitas Nachlass vom 9. Februar 1554; siehe ASR, Collegio dei Notai
Capitolini, vol. 971, fol. 438.
27 Im römischen Census des Jahres 1527 ist ein „Juliano de Valmontone“ (leider ohne Angabe des Familiennamens)
als Vorstand eines Haushalts von sieben Personen bei San Martino ai Monti verzeichnet;
siehe Egmont Lee, Descriptio Urbis. The Roman census of 1527, Rom 1985, 35, Nr. 240. In der Nachbarschaft
wohnte eine Familie aus Palestrina; ebenda, Nr. 237.
28 Onofrio Conti war spätestens seit 1530 mit Margherita Barisciani verheiratet. Aus der Ehe gingen der
Sohn Giuliano und die Töchter Porzia und Tarquinia hervor. In den Jahren 1541 und 1549 bekleidete
Onofrio ein öffentliches Amt als Bezirksvorsteher des Rione Colonna. Er verstarb zwischen Juli 1570
und April 1572. Letztmalig ist er am 30. Juni 1570 dokumentiert, als er zusammen mit Bernardino für
Mario bürgte, der an diesem Tag einen Kredit aufnahmen (siehe ASR, Notai dell’Auditore Camerae,
vol. 2264, fol. 707–708). Der wohl jüngere Bruder Bernardino war von 1540 bis 1578 in Rom als Notar
tätig. Als Hausnotar der römischen Familie Giustini war er 1557 in einen Kriminalfall verwickelt
(siehe Thomas V. Cohen, Love and Death in Renaissance Italy, Chicago – London 2004, 79–106,
passim).
29 Aus Contis Ehe mit Giulia Sforza ging die um 1488 geborene Tochter Maria hervor, die ihren Vetter
Giovanni Conti heiratete. Im Testament der Giulia Sforza vom 8. November 1509 findet sich kein Hinweis
auf ein Stiefkind, was aber nicht verwundern muss; siehe ASR, Collegio dei Notai Capitolini,
vol. 1732, fol. 116, 121 [Kopie in: ASR, Archivio Santacroce, vol. 1063, unpaginiert]. Gleiches gilt für
die Testamente der Maria Conti; siehe ASR, Collegio dei Notai Capitolini, vol. 1287, fol. 131, 138
(5. Juni 1551); vol. 1288, fol. 632, 657 (29. Juni 1555); sowie vol. 1521, fol. 757–762 (7. Dezember
1563). Ein Testament des Pietro Paolo Conti war bislang nicht zu ermitteln.
30 Siehe Gabriele De Bianchi, Storia di Valmontone, Valmontone 1981, 344 f., sowie Christoph Weber,
Genealogien zur Papstgeschichte, Bd. 1, Stuttgart 1999, 264.