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Paulus Rainer
werker und Künstler aufgeteilt und die daraus hervorgehenden Objekte
sind in Stil und technischer Ausführung zu heterogen. Ein und dasselbe
Glied in diesem Entstehungsprozess konnte, wie beschrieben, von mehreren
Handwerkern kopiert, gegossene Statuetten konnten von verschiedenen
Goldschmieden verfeinert werden. Aus diesem Grunde wird ein
genaueres Studium der nun bekannten Fälschungen, die von Weininger
veranlasst wurden, unbedingt notwendig sein, um anhand von Details
dieser Fälschungen auf weitere Falsifikate bzw. auch auf Originale schließen
zu können.
Schlussbemerkung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Salomon Weiniger ein betrügerischer,
äußerst umtriebiger und überaus erfolgreicher Händler war, der
sich die Zeitumstände zunutze zu machen wusste, um aus dem Nachbilden
historischer Kunstgegenstände reichen Gewinn zu ziehen. Das stets
wachsende Verlangen des aufstrebenden Bürgertums wie auch der prosperierenden
Kunstgewerbemuseen nach epochalen Kunstwerken bildete
die Grundlage dafür, dass sich ein Fälscherwesen in diesem Umfang entwickeln
konnte. Dabei war es Weininger möglich, auf eine große Zahl
handwerklich sehr guter, an historischen Stilen und Techniken geschulter
Handwerker und Künstler zurückzugreifen, die für ihn Imitationen herausragender
Kunstwerke anfertigten - sie taten dies vielleicht teilweise
auch, ohne den wahren Verwendungszweck dieser Imitate zu kennen.
Weininger arbeitete zudem mit Kunsthändlern in Paris und London zusammen
und konnte so seine Falsifikate ebenso wie die Originale in diesen
großbürgerlichen Zentren vertreiben. Die Rolle der Händler — allen
voran Emanuel und Murray Marks sowie Henry Durlacher in London
und Oppenheim Freres in Paris - bei den Geschäftsvorgängen Weiningers
bedarf noch weiterer Untersuchungen. Bemerkenswert ist in diesem
Zusammenhang auch, dass sich das Zeichnungskonvolut von Reinhold
Vasters, dem wohl bekanntesten Fälscher historischer Goldschmiedearbeiten,
ausgerechnet im Besitz Murray Marks befunden hat, bevor es
1919 in das Victoria and Albert Museum in London gelangte (Inv.-Nrn.
E 2570-1919 bis E 3649-1919) 167 .
Erstaunlicherweise blieben die hier besprochenen Fälschungen in der
Geistlichen Schatzkammer zu Lebzeiten Weiningers unentdeckt. Zumindest
der verantwortliche Hof- und Burgpfarrer bzw. jene Person, die dem
Antiquitätenhändler Zugang zu den Objekten verschaffte, hätte spätestens
mit der Verurteilung Weiningers Verdacht schöpfen und eine Bestandsrevision
vornehmen müssen - vorausgesetzt natürlich, dass man an
Aufklärung interessiert war. Augenscheinlich bestand dieses Interesse aber
nicht, und als Salomon Weininger am 21. November 1879 in der Strafanstalt
Stein (NÖ) an Wassersucht verstarb, geriet er ebenso wie auch
seine Produktion bald in Vergessenheit. Heute erinnert nur ein schlichter
Grabstein am Wiener Zentralfriedhof 168 an diesen findigen Händler,
dessen betrügerische Umtriebe die Kunstgeschichte wohl auch noch in
Zukunft beschäftigen werden.
Vgl. dazu: Miriam Krautwurst, Reinhold Vasters. Ein
niederrheinischer Goldschmied des 19. Jahrhunderts in
der Tradition alter Meister. Sein Zeichenkonvolut im
Victoria & Albert Museum, London, phil. Diss. Universität
Trier 2003.
Wiener Zentralfriedhof, Tor 1, Gruppe 6, Reihe 4,
Grab 32. Freundliche Mitteilung von Wolf-Erich