Full text : Band 10 (102)

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Paulus  Rainer
werker  und  Künstler  aufgeteilt  und  die  daraus  hervorgehenden  Objekte
sind  in  Stil  und  technischer  Ausführung  zu  heterogen.  Ein  und  dasselbe
Glied  in  diesem  Entstehungsprozess  konnte,  wie  beschrieben,  von  mehreren ­
  Handwerkern  kopiert,  gegossene  Statuetten  konnten  von  verschiedenen ­
  Goldschmieden  verfeinert  werden.  Aus  diesem  Grunde  wird  ein
genaueres  Studium  der  nun  bekannten  Fälschungen,  die  von  Weininger
veranlasst  wurden,  unbedingt  notwendig  sein,  um  anhand  von  Details
dieser  Fälschungen  auf  weitere  Falsifikate  bzw.  auch  auf  Originale  schließen ­
  zu  können.

Schlussbemerkung
Zusammenfassend  lässt  sich  sagen,  dass  Salomon  Weiniger  ein  betrügerischer, ­
  äußerst  umtriebiger  und  überaus  erfolgreicher  Händler  war,  der
sich  die  Zeitumstände  zunutze  zu  machen  wusste,  um  aus  dem  Nachbilden ­
  historischer  Kunstgegenstände  reichen  Gewinn  zu  ziehen.  Das  stets
wachsende  Verlangen  des  aufstrebenden  Bürgertums  wie  auch  der  prosperierenden ­
  Kunstgewerbemuseen  nach  epochalen  Kunstwerken  bildete
die  Grundlage  dafür,  dass  sich  ein  Fälscherwesen  in  diesem  Umfang  entwickeln ­
  konnte.  Dabei  war  es  Weininger  möglich,  auf  eine  große  Zahl
handwerklich  sehr  guter,  an  historischen  Stilen  und  Techniken  geschulter
Handwerker  und  Künstler  zurückzugreifen,  die  für  ihn  Imitationen  herausragender ­
  Kunstwerke  anfertigten  -  sie  taten  dies  vielleicht  teilweise
auch,  ohne  den  wahren  Verwendungszweck  dieser  Imitate  zu  kennen.
Weininger  arbeitete  zudem  mit  Kunsthändlern  in  Paris  und  London  zusammen ­
  und  konnte  so  seine  Falsifikate  ebenso  wie  die  Originale  in  diesen ­
  großbürgerlichen  Zentren  vertreiben.  Die  Rolle  der  Händler  —  allen
voran  Emanuel  und  Murray  Marks  sowie  Henry  Durlacher  in  London
und  Oppenheim  Freres  in  Paris  -  bei  den  Geschäftsvorgängen  Weiningers
bedarf  noch  weiterer  Untersuchungen.  Bemerkenswert  ist  in  diesem
Zusammenhang  auch,  dass  sich  das  Zeichnungskonvolut  von  Reinhold
Vasters,  dem  wohl  bekanntesten  Fälscher  historischer  Goldschmiedearbeiten, ­
  ausgerechnet  im  Besitz  Murray  Marks  befunden  hat,  bevor  es
1919  in  das  Victoria  and  Albert  Museum  in  London  gelangte  (Inv.-Nrn.
E  2570-1919  bis  E  3649-1919) 167 .
Erstaunlicherweise  blieben  die  hier  besprochenen  Fälschungen  in  der
Geistlichen  Schatzkammer  zu  Lebzeiten  Weiningers  unentdeckt.  Zumindest ­
  der  verantwortliche  Hof-  und  Burgpfarrer  bzw.  jene  Person,  die  dem
Antiquitätenhändler  Zugang  zu  den  Objekten  verschaffte,  hätte  spätestens ­
  mit  der  Verurteilung  Weiningers  Verdacht  schöpfen  und  eine  Bestandsrevision ­
  vornehmen  müssen  -  vorausgesetzt  natürlich,  dass  man  an
Aufklärung  interessiert  war.  Augenscheinlich  bestand  dieses  Interesse  aber
nicht,  und  als  Salomon  Weininger  am  21.  November  1879  in  der  Strafanstalt ­
  Stein  (NÖ)  an  Wassersucht  verstarb,  geriet  er  ebenso  wie  auch
seine  Produktion  bald  in  Vergessenheit.  Heute  erinnert  nur  ein  schlichter
Grabstein  am  Wiener  Zentralfriedhof 168  an  diesen  findigen  Händler,
dessen  betrügerische  Umtriebe  die  Kunstgeschichte  wohl  auch  noch  in
Zukunft  beschäftigen  werden.

Vgl.  dazu:  Miriam  Krautwurst,  Reinhold  Vasters.  Ein
niederrheinischer  Goldschmied  des  19.  Jahrhunderts  in
der  Tradition  alter  Meister.  Sein  Zeichenkonvolut  im
Victoria  &  Albert  Museum,  London,  phil.  Diss.  Universität ­
  Trier  2003.
Wiener  Zentralfriedhof,  Tor  1,  Gruppe  6,  Reihe  4,
Grab  32.  Freundliche  Mitteilung  von  Wolf-Erich
            
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