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„Es IST IMMER DIESELBE MELANGE“
Zwei Ostensorien
Auf dem Foto des MAK (Abb. 36) flankieren zwei tabernakelförmige
Schmuckanhänger, die eigentümlicherweise auf gedrechselten Ebenholzfüßen
stehen, das Pacificale der Geistliche Schatzkammer. Auch bei ihnen
handelt es sich um zwei Originale, deren Kopien sich heute in der
Geistlichen Schatzkammer befinden und auf Weininger zurückgehen
(Inv.-Nrn. D 189 und D 190, Abb. 37 und 38). Insgesamt orientieren
sich die Kopien zwar stark an den Originalen, doch lassen sie deren Eleganz
gänzlich vermissen. Sie unterscheiden sich, soweit man dies anhand
des Schwarz-Weiß-Fotos beurteilen kann, vor allem in den Details, so
den Ständern, dem Beschlag und den Schmuckanhängern, geringfügig
von den Originalen. Die originalen Anhänger dürften um 1600 in Süddeutschland
entstanden sein. Vor allem die gelängten Köpfe der Engel
und deren manieristische Drehung bei Inv.-Nr. D 189 (Abb. 37) erinnern
an die Figuren des Hausaltärchens Fierzog Albrechts V. in der Schatzkammer
der Münchner Residenz.
Im Bereich des Ornamentstiches kennt man vergleichbare Schmuckvorlagen
vor allem vom Flamen Hans Collaert, aber auch von dem in
Deutschland tätigen Daniel Mignot oder von Virgil Solis. Ein ähnlicher
Anhänger mit Schmerzensmann aus der Zeit um 1600 befindet sich im
Kunstgewerbemuseum Berlin 163 . Verwandte Anhänger gibt es ferner im
British Museum, doch handelt es sich hierbei zum großen Teil ebenfalls
um Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert 164 . Die dunkle, stumpfe Farbigkeit
der kopierten Schmuckteile wie auch deren Spannungslosigkeit lässt sich
am ehesten mit dem Sockel des Reliquiars mit der Inventarnummer D 22
vergleichen, auf welchem die Figur des hl. Petrus mit dem übergroßen
„Kastenschlüssel“ steht (Abb. 12). Deshalb kann auch für die zwei Ostensorien
wiederum eine Autorschaft Karl Kuthmayers vorgeschlagen werden.
Auf eine Zuweisung der Emaillierung an einen bestimmten Künstler
sei hier verzichtet, doch scheiden Karl Bender und Simon Grünwald
wohl aus, weil die Qualität zu gering ist. Diese beiden Meister kommen
hingegen, wie oben bereits angedeutet, für die Emaillierung des Figurenschmucks
am Dornenreliquiar in Frage, die deutlich besser ist als jene der
beiden Anhänger.
Statuette „Maria Immaculata“
163 Inv.-Nr. F 772. Der Anhänger wurde 1934 aus der
Sammlung Figdor, Wien, erworben und soll aus dem
Stift Rein bei Graz stammen.
164 Vgl. Tait 1986 (zit. Anm. 105), 103-119.
165 Ausstellungskatalog Ausstellung kirchlicher Kunstgegenstände
vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart,
Wien 1887, 88, Kat.-Nr. 795.
Im Zusammenhang mit dem Dornenreliquiar sei noch auf ein letztes,
technisch hoch stehendes Objekt der Geistlichen Schatzkammer hingewiesen.
Es handelt sich um eine en ronde bosse emaillierte Goldstatuette
der Maria Immaculata (Inv.-Nr. D 194, Abb. 39). Das Original ist bereits
im Inventar der kaiserlichen geheimen kleinen Schatzkammer von 1731
nachweisbar, wo es folgendermaßen beschrieben wird: „Immaculata conceptio,
umb und umb mit einem schein, auf einem posamentl, alles von
gold und geschmelzt, in einem rothsammeten fueteral.“
Die Goldstatuette galt zunächst als Arbeit des 17. Jahrhunderts und war
als solche auch 1887 bei der Ausstellung kirchlicher Gegenstände im k. k.
Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (heute MAK) zu
sehen 165 . In die Sammlungsführer der Geistlichen Schatzkammer war sie
aber aus gutem Grund nie aufgenommen worden. Hackenbroch publizierte
die Statuette 1986 schließlich als Fälschung aus der Werkstatt Wei-