Full text : Band 10 (102)

85

Abb.  32:  Reliquienkassette.  Fälschung  aus  dem
Umkreis  von  Salomon  Weininger.  Wien,  zwischen
1863  und  1874.  Wien,  Kunsthistorisches  Museum,
Geistliche  Schatzkammer,  Inv.-Nr.  D  51.

Abb.  33:  Kassette  mit  der  Darstellung  der
Vier  Jahreszeiten.  Mailand,  um  1560.  London,
The  Wallace  Collection,  Inv.-Nr.  IA  37.

154  Die  Hand,  die  heute  mit  dem  Handrücken  nach
oben  zeigt,  wurde  wohl  falsch  montiert.  Es  ist  anzunehmen, ­
  dass  der  Engel  ursprünglich  mit  dem  rechten ­
  Zeigefinger  zum  Himmel  deutete.
155  Vgl.  dazu:  Bildführer  1987  (zit.  Anm.  113),  198  f.,
Nr.  202  (Helmut  Trnek).
156  Inv.-Nr.  2375.
15/  Auktionskatalog  Property  from  the  Jack  and  Belle  Linsky
  Collection,  Sotheby’s,  New  York,  21.  Mai  1985,
Lot  123.

„Es  IST  IMMER  DIESELBE  MELANGE“
läge  und  in  der  Themadk  mit  Inv.-Nr.  D  51  überein,  während  es  sich  in
allen  Details  von  letzterem  unterscheidet.  Das  Original  ist  aus  Bergkristallplatten ­
  zusammengesetzt,  in  welche  die  Tierkreiszeichen  und  die  Vier
Jahreszeiten  in  Gestalt  von  Einzelfiguren  vor  Landschaftshintergründen
eingeschnitten  sind.  Die  Glasplatten  der  Fälschung  zeigen  zwar  dasselbe
Thema,  weisen  aber  vollkommen  unterschiedlich  gestaltete,  mehrfigurige
Szenen  auf.  Auch  in  der  Ornamentierung  unterscheiden  sich  die  beiden
Kassetten  zur  Gänze,  sodass  es  eigentlich  verwundert,  dass  diese  plumpe
Fälschung  dem  Hofburgpfarrer  offenbar  nicht  verdächtig  vorkam.
Das  Original  der  Kassette  wurde  1874  von  Sir  Richard  Wallace  erworben.
Dieser  fungierte  1873  als  Vertreter  Großbritanniens  bei  der  Wiener  Weltausstellung. ­
  Wallace  kaufte  die  Kassette  über  den  Londoner  Antiquitätenhändler ­
  Durlacher,  den  wir  ja  bereits  als  Kompagnon  von  Murray
Marks  beim  Verkauf  des  Altares  an  Alphonse  de  Rothschild  kennen
gelernt  haben.  Dieser  Altar  hätte  ja,  wie  oben  besprochen,  ursprünglich
zusammen  mit  einem  zweiten  an  Sir  Richard  Wallace  verkauft  werden
sollen.  Es  bestätigt  sich  hier  also  der  Verdacht,  dass  Weiningers  „Vertriebsnetz“ ­
  durch  seine  Zusammenarbeit  mit  Murray  Marks  und  Henry  Durlacher ­
  bereits  vor  dem  Verkauf  der  Altäre  bis  nach  London  gereicht
hat.

Verkündigungsgruppe
Ein  weiteres  Stück  -  es  befindet  sich  heute  im  Fitzwilliam  Museum  in
Cambridge  (Inv.-Nr.  M/P.22-1938,  Abb.  34)  -  wurde  von  John  F.  Hayward
  als  originale  Vorlage  für  eine  Kopie  der  Geistlichen  Schatzkammer
erkannt.  Es  handelt  sich  um  eine  kleine  Verkündigungsgruppe  in  email  en
ronde  bosse.  Die  Szene  spielt  sich  auf  einem  mit  einem  niedrigen  Flechtzaun ­
  begrenzten  Rasenstück  (hortus  conclusus)  ab.  Von  rechts  betritt  der
Erzengel  Gabriel  mit  erhobenem  rechtem  Arm  die  Bühne 154 ,  in  der  Linken ­
  hatte  er  ehemals  wohl  eine  Lilie.  Maria  kniet  links  hinter  einem  Pult
und  nimmt  erschrocken  die  Arme  hoch,  in  der  Absicht,  die  Erscheinung
abzuwehren.  Für  diese  Gruppe  kann  eine  Entstehung  um  die  Mitte  des
15.  Jahrhunderts  im  burgundisch-niederländischen  Raum  vorgeschlagen
werden.  Die  Gemeinsamkeiten  mit  einer  burgundisch-niederländischen
Brosche  in  der  Weltlichen  Schatzkammer,  die  um  1430/40  datiert  wird
(Inv.-Nr.  KK  130) 155 ,  sind  augenfällig.
Die  Version  der  Geistlichen  Schatzkammer  (Inv.-Nr.  D  191,  Abb.  35)
erhebt  sich  auf  einem  Sockel  aus  Nussholz.  Dieser  ist  an  seiner  Vorderseite ­
  mit  teilweise  bemalten  Rosetten  und  mit  an  Davidsterne  erinnernden ­
  Ornamenten  beschlagen.  Die  Bodenplatte  besteht  aus  vergoldetem
Silber  und  ist  ebenso  wie  die  Statuetten  bemalt  und  nicht  emailliert.
Neben  der  Wiener  Kopie  haben  sich  zumindest  noch  zwei  weitere  Varianten ­
  erhalten.  Eine  befindet  sich  in  der  Fundacion  Läzaro  Galdiano  in
Madrid 156 ,  eine  zweite,  ehemals  in  der  Jack  and  Belle  Linsky  Collection,
wurde  1985  in  New  York  auktioniert 157 .  Keine  der  bekannten  Versionen
dürfte  allerdings  mit  dem  originalen  Sockel  versehen  sein.  Dieser  wird  im
Inventar  der  Geistlichen  Schatzkammer  von  1758  als  „fues  von  ebenholz
mit  goldenen  auszierungen“  beschrieben.  Das  Exemplar  im  Fitzwilliam
Museum  steht  auf  einem  Steinsockel  und  besitzt  keinerlei  Beschläge.
Für  jenes  in  Madrid  wurde  ein  eigentümlich  wirkender  Bergkristallfuß
angefertigt  und  die  gesamte  Szenerie  wurde  mit  einer  Bergkristallglocke
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.