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Paulus Rainer
das Kunsthistorische Museum, das Kreuz aus der Sammlung Olsen und
in der Folge auch den Fuß vom Victoria and Albert Museum zurückzukaufen.
So befindet sich heute das Original des Anjoukreuzes wieder
in der Geistlichen Schatzkammer in Wien (.Abb. 20), während die von
Weininger veranlasste Fälschung in Budapest (Ungarisches Nationalmuseum,
Inv.-Nr. 1934.414, Abb. 21 und 22) aufbewahrt wird.
Die Monstranz der Franzensburg
Neben dem Original des Reliquienkreuzes König Ludwigs des Großen
von Ungarn befanden sich in der Sammlung Oie Olsen noch zwei weitere
originale Objekte, die sich mit Fälschungen aus der Geistlichen Schatzkammer
in Verbindung bringen lassen: eine Turmmonstranz aus vergoldetem
Silber (Abb. 23) 134 und eine Reliquienkassette aus Elfenbein
(Abb. 25). Der heutige Verbleib beider Gegenstände ist ungewiss. Die originale
Turmmonstranz befand sich ehemals in der Sakristei der Kapelle
der Franzensburg, einer im Auftrag von Kaiser Franz II. (I.) um 1800 errichteten
neugotischen Ritterburg im Schlosspark von Laxenburg (NÖ).
Es war wohl bereits die Kopie, die von dort im Jahre 1880 an die Geistliche
Schatzkammer überstellt wurde. Eine Turmmonstranz ist (ohne
weitere Angaben zur Authentizität) ab der Revision von 1884 in den
Inventaren nachweisbar 135 . Wir müssen also davon ausgehen, dass Weininger
den Austausch von Original und Kopie noch in der Franzensburg
vorgenommen hat, weshalb auch der Bestand der in der Franzensburg
ehemals vorhandenen Gegenstände in Flinblick auf mögliche Fälschungen
zu untersuchen wäre.
Das Original, eine getriebene Monstranz aus vergoldetem Silber, wird
im Katalog der Sammlung Oie Olsen als Antwerpener Arbeit der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts beschrieben' 16 . Der Abbildung in diesem
Katalog nach zu urteilen stimmt die Kopie der Geistlichen Schatzkammer
(Inv.-Nr. B 6, Abb. 24) weitgehend mit dem Original überein. Die augenfälligsten
Unterschiede sind zum einen bei den verwendeten Materialien
festzustellen - die Kopie besteht aus vergoldeter Bronze, das Original aus
vergoldetem Silber -, aber auch gestalterischer Natur. So ist der Schaubehälter
bei der Kopie als runde Kapsel mit Lunula gebildet, während das
Original einen Glaszylinder aufweist und wohl als Reliquien- und nicht
als Hostienmonstranz konzipiert war. Auch fehlen bei der Kopie die beiden
Glöckchen an den seitlichen Voluten sowie die Taube des Heiligen
Geistes, die am Foto des Originals zu erkennen ist. Wie die Monstranz
in die Sammlung Olsen gelangte, ist derzeit ebenso unbekannt wie der
Verbleib des Originals.
Zwei Reliquienkästchen aus Elfenbein
Ähnlich verhält es sich mit dem Reliquienkästchen aus Elfenbein (Abb. 25),
das im Katalog der Sammlung Olsen als „Vermutlich Süddeutsch, Augsburg
oder München, um 1660“ beschrieben wird 13/ . Diese Lokalisierung
ist wohl richtig, die Datierung ist hingegen um 1600 anzusetzen. Die
ovale Elfenbeinschachtel weist einen reichen Goldemailbesatz auf, der
den Deckel trägt; dieser wird von einem emaillierten Lorbeerkranz geschmückt,
in dessen Zentrum sich eine Renaissancekamee mit der Dar-134
Für diesen Hinweis bedanke ich mich bei Franz
Kirchweger.
135 Vgl. dazu das Inventarium Uiber die in der k. k. Franzensburg
befindlichen Antiquitäten, Mobilien, Armaturs
Stücke und Artillerie Gut, 1824, pag. 133 (unter
der Rubrik „Sacristey“), Marktarchiv Laxenburg, und
das Inventar der Geistlichen Schatzkammer von
1867 (mit Ergänzungen bis 1884), pag. 43, Nr. 303.
136 Schmitz 1924 (zit. Anm. 132), 47, Nr. 298, Taf. 38.
13 3 Schmitz 1924 (zit. Anm. 132), 47, Nr. 98, Taf. 88.