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Paulus Rainer
(Olomouc), an der Schwetz lehrte. Ab 1855 waren beide schließlich an
der Universität in Wien tätig, Schwetz als Dekan der katholisch-theologischen
Fakultät (ab 1849) und Dudik als Privatdozent für historisches
Quellenstudium. Nichts liegt also näher als die Vermutung, dass Dudik
für Weininger auch den Kontakt zur Hofburgpfarre herstellte - wenngleich
sich dies im Aktenbestand der Geistlichen Schatzkammer nicht
nachweisen lässt.
Reliquiar mit einem fatimidischen Bergkristall
So konnte Weininger wohl auch an jenes Ostensorium gelangen, dessen
Original sich seit 1886 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
befindet (Inv.-Nr. KG 695, Abb. I6) m . Im Inventar der Geistlichen
Schatzkammer aus dem Jahr 1758 ist dieses Werk folgendermaßen beschrieben:
„Eine ovale crystallen monstranzen, stehend auf einen silbervergolden
fues, in welchen sechs in silber gefaste stuck lapislazuli, in der
mitte ein crystallenes täferl, worinnen unbekannte mit perlen und seiden
laubwerk gezierte reliquien, in der höhe ein toppeltes silbervergoldes
creuz. NB. In den ovalen crystall seind etwelche unbekannte wort eingestochen.“
Bei diesen in den Bergkristallring eingeschnittenen „unbekannte
[n] wort“ handelt es sich um den Namen des Fatimidenkalifen
al-Zahir (reg. 1021-1036). Aus dieser Inschrift ergibt sich auch die
Datierung des großen Bergkristallreifs, der ursprünglich als Kehlbehang
eines Reitzeuges (Wuntschuk) gedient hatte. Er wurde wohl in Venedig
um die Mitte des 14. Jahrhunderts mit einer vergoldeten Silbermontierung
zu einem Reliquiar ergänzt.
Das heute in der Geistlichen Schatzkammer aufbewahrte Ostensorium
(Inv.-Nr. D 103, Abb. 17) weist im Gegensatz zu dem in den Inventaren
beschriebenen Original anstelle des Bergkristallringes einen in Form gepressten
Glasring auf, die Montierung besteht größtenteils aus vergoldetem
Kupfer. Lediglich das bekrönende Kreuz und der rechteckige
Reliquienbehälter sind aus Silber gefertigt und vergoldet. Von den im
Inventar beschriebenen „sechs in silber gefaste stuck lapislazuli“ fehlt jede
Spur. Diese sind aber auf einer partiell kolorierten Zeichnung erkennbar,
die sich im Wiener MAK erhalten hat (Inv.-Nr. K. I. 1465, Abb. 18). Sie
wurde von Alexander Augustin Wilemans vor 1867 120 nach dem Original
angefertigt und zeigt einen genauen Aufriss des Ostensoriums, Querschnitte
durch den Bergkristallring und den Nodus, eine Projektion des
Fußes sowie die Rückseite des bekrönenden Kreuzes. Man kann dieser
Zeichnung entnehmen, dass die Lapislazuliplatten in der Tat ursprünglich
den architektonisch geformten Nodus geziert haben und durch die
hier angebrachten Spitzbogenfenster sichtbar waren. Bei der Fälschung
der Geistlichen Schatzkammer sind die Fenster an dieser Stelle jeweils
mit einem versilberten Kupferplättchen mit Kreuzschraffur hinterlegt,
das Nürnberger Original weist an dieser Stelle blaue Emailplättchen
auf 121 .
Anhand der Zeichnung Wilemans können wir auch nachweisen, dass die
Anfertigung der Kopie des Ostensoriums nach dem Prinzip des „Weininger=Styls“
vor sich ging, der „Melange aus Neuem und Altem“, wie diese
Methode im Gerichtsprozess von 1877 bezeichnet wurde (s. o.). So sind
beide Objekte, das Nürnberger wie auch das Wiener Stück, Pasticci aus
originalen und nachgebildeten Teilen. Beim Nürnberger Stück gehören
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Abb. 15: Statuette des hl. Paulus. Fälschung
aus dem Umkreis von Salomon Weininger.
Wien, zwischen 1863 und 1876. The Art Institute
of Chicago, Gift oft Mary linn B. Alsdorf,
Inv.-Nr. 1992.551.
119 Vgl. dazu: Jutta Zander-Seidel - Daniel Hess - Frank
Matthias Kammei - Ralf Schürer u.a., Mittelalter.
Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert
(Die Schausammlungen des Germanischen
Nationalmuseums Bd. 2), Nürnberg 2007, 14, 330-•
332, 429, Nr. 431 (hier auch weitere Literatur).