Full text : Band 10 (102)

55

„Es  IST  IMMER  DIESELBE  MELANGE“

100  Weixlgärtner  1929  (zit.  Anm.  10),  8f.,  Anm.  2.
101  Brief  von  Arpad  Weixlgärtner  an  Erich  Viktor  Strohmer,
  Göteborg,  22.  April  1953,  Wien,  Kunsthistorisches ­
  Museum,  Kunstkammer.
102  Vgl.  dazu  etwa  den  Führer  durch  die  Geistliche
Schatzkammer  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses,  Wien
1913,  80,  Nr.  243.
103  Joseph  Destree,  The  Reliquiary  ofthe  Holy  Thorn  in
the  Waddeson  Bequest  at  the  British  Museum,  in:  The
Connoisseur  LXXXIX,  Nr.  315,  November  1927,
138-143.
104  Vgl.  dazu  das  Inventar  der  Geistlichen  Schatzkammer ­
  von  1887  bis  1901  (Rechnungsdepartement),
pag.  23;  Wien,  Kunsthistorisches  Museum,  Kunstkammer. ­

105  Zum  Original  siehe:  Eikelmann  1984/1995  (zit.
Anm.  31),  192-210;  Hugh  Tait,  Catalogue  of  the
Waddeson  Bequest  in  the  British  Museum.  I.  The
Jewels,  London  1986,  26-46  (hier  weitere  Literaturangaben); ­
  die  Dissertation  Eikelmanns  ist  bei  Tait
nicht  berücksichtigt.

merkt  worden  wären,  falls  es  sich  dabei  um  restauratorische  Maßnahmen
gehandelt  hätte.  Dem  ist  aber  nicht  so,  bei  den  fraglichen  Objekten
fehlen  solche  Anmerkungen  vollkommen.
Den  ersten  konkreten  Hinweis  auf  eine  Vertauschung  von  Objekten  der
Geistlichen  Schatzkammer  mit  Fälschungen  erhalten  wir  erst,  nachdem
der  Bestand  der  Geistlichen  Schatzkammer  1921  der  Sammlung  für
Plastik  und  Kunstgewerbe  (heute  Kunstkammer)  des  Kunsthistorischen
Museums  angegliedert  wurde.  Im  Führer  durch  die  Geistliche  Schatzkammer, ­
  der  1929  von  Arpad  Weixlgärtner  neu  bearbeitet  wurde,  bemerkt
dieser  in  einer  Fußnote,  dass  „Zwei  besonders  kostbare  Stücke  des  späteren ­
  Mittelalters  [...]  leider  dank  der  skrupellosen  Geschicklichkeit  eines
betrügerischen  Juweliers,  dem  sie  zur  Restaurierung  übergeben  wurden
und  der  die  Gutgläubigkeit  und  Unerfahrenheit  des  Burgpfarrers  erfolgreich ­
  auszunützen  wußte,  aus  der  Geistlichen  Schatzkammer  verschwunden ­
  [sind].  Bei  jener  Restaurierung  wurden  den  echten  Stücken  Fälschungen ­
  unterschoben,  die  bis  vor  kurzem  ausgestellt  waren.  [...]  Die
Originale  befinden  sich  derzeit  in  längst  verjährtem  und  daher  unanfechtbarem ­
  Besitz  des  Germanischen  und  des  Britischen  Museums  (Waddeson ­
  Bequest).“ 100  Später  benannte  Weixlgärtner  diesen  „Juwelier“  in
einem  Brief  als  Salomon  Weininger 101 .
Bei  den  beiden  angesprochenen  Objekten  handelt  es  sich  um  ein  Reliquiar
  mit  einem  Dorn  der  Krone  Christi  (Inv.-Nr.  D  129,  Abb.  10  und
Abb.  11)  und  ein  Reliquienostensorium  mit  einem  fatimidischen  Bergkristallreif ­
  (Inv.-Nr.  D  103,  Abb.  17).  Museumsintern  bestanden  die  Zweifel ­
  an  der  Echtheit  dieser  beiden  Stücke  freilich  schon  länger.  Auf  der
Karteikarte  zum  Dornenreliquiar,  die  im  Zuge  der  Übertragung  des
Bestandes  an  das  Kunsthistorische  Museum  angefertigt  wurde,  wird  das
Objekt  bereits  richtig  in  das  19.  Jahrhundert  datiert.  Selbst  der  Führer
durch  die  Geistliche  Schatzkammer  aus  dem  Jahr  1909  ordnet  das  Reliquiar
  in  das  19.  Jahrhundert,  allerdings  in  dessen  erste  Hälfte,  ein.  In  den
darauf  folgenden  Sammlungsführern  wird  diese  Datierung  gegen  die
zweideutige  Formulierung  „In  Art  der  spätheren  Gothik“ 102  ausgetauscht.
Erstmals  mit  Abbildungen  und  dezidiert  als  Fälschung  veröffentlicht
wurde  das  Dornenreliquiar  der  Geistlichen  Schatzkammer  1927  von
Joseph  Destree,  der  in  seinem  Beitrag  überdies  den  Zusammenhang  mit
dem  Original  im  British  Museum  herstellt 103 .
Zum  Ostensorium  mit  dem  fatimidischen  Bergkristall  wurde  schon  im
Inventar  der  Geistlichen  Schatzkammer  von  1867  mit  Bleistift  die  Vermutung ­
  vermerkt,  es  könne  sich  um  eine  „Copie“  handeln.  Wann  diese
Anmerkung  angebracht  wurde,  ist  nicht  mehr  feststellbar,  da  die  einzelnen ­
  Inventare  über  längere  Zeiträume  verwendet  wurden.  Bei  den  Inventuren ­
  von  1888  wurde  jedoch  bereits  auf  ein  vergleichbares  Stück  in
Nürnberg  hingewiesen 104 .

Das  Dornenreliquiar
Das  Dornenreliquiar,  dessen  Original  aus  der  Geistlichen  Schatzkammer
entfremdet  wurde  und  sich  heute  im  British  Museum  befindet  (Waddesdon
  Bequest  67,  Abb.  9),  muss  in  der  Tat  als  eines  der  bemerkenswertesten ­
  Werke  Pariser  Goldschmiedekunst  der  Zeit  um  1400  angesehen  werden ­
 105 .  Renate  Eikelmann  vermutete  im  Autor  des  Reliquiars  Rennequin
de  Harlem,  einen  in  Paris  tätigen  Goldschmied  niederländischer  Ab-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.