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„Es IST IMMER DIESELBE MELANGE“
Die Altärchen waren wohl nach Art der figurenreichen süddeutschen
Hausaltäre gebildet und könnten etwa von dem entsprechenden Objekt
aus dem Besitz Albrechts V. in der Schatzkammer der Münchner Residenz
oder auch von den Reliquienaltärchen aus den Mailänder bzw.
Prager Miseroni-Werkstätten der Geistlichen Schatzkammer in Wien
(Inv.-Nrn. Kap 221 und Kap 222) inspiriert gewesen sein. Wie diese wiesen
Weiningers Altäre einen Ebenholzaufbau auf, sie waren mit emaillierten
Nischenfiguren geschmückt und mit dominanten Säulen versehen.
Die beiden im Prozess auftretenden Sachverständigen Eduard Freiherr
von Sacken und Albert Hg bezeichnen den größeren der beiden Altäre
als „stylloses Potpourri mit Anlehnung an den rudolphinischen Styl“ 89
(Sacken) bzw. als ,,jene[r] Gattung Renaissance [angehörig], welche die
rudolfmische genannt wird und hauptsächlich in Italien und in München
zum Ausdrucke gebracht wurde“ 90 (Ilg).
Der Ebenholzaufbau des größeren Altars stammt von Johann Eder (s. o.).
Auf ihm waren offenbar nach dem Vorbild der Daun’schen Kette angefertigte
Perlen, Edelsteine sowie weiß und blau emaillierte Rosetten appliziert.
In einer Nische fanden die gegossenen und emaillierten Goldstatuetten
der Apostel Johannes und Paulus Platz. Dazu kam die Figur des
hl. Apostels Petrus mit einem Schlüssel als Attribut; sie wurde von allen
Sachverständigen als unzweifelhaft neu eingestuft, weil dieser Gegenstand
„drei Viertel der Größe des Petrus einnimmt und die Form eines Kastenschlüssels“
11 hatte. Die Nische des Altares wurde von gedrehten Bergkristallsäulen
flankiert und konnte offenbar durch Altarflügel verschlossen
werden. Auch diese waren emailliert - zumindest wiesen sie weißes Email
auf, das aufgrund seines grell-weißen Farbtones als neu erkannt wurde.
Nach oben hin wurde der Altar von zwei emaillierten Engeln, der Mutter
Gottes und einer Vase abgeschlossen.
Zum kleineren Altar erhalten wir weit weniger Informationen. Klar ist
nur, dass es sich auch hierbei um ein Flügelaltärchen aus Ebenholz mit
Emailappliken und Kristallsäulen gehandelt hat; der Figurenschmuck
bestand aus zwei Engeln und wurde durch eine Vase ergänzt. Das Altarblatt
stellte eine nicht näher definierte religiöse Szene dar; wir wissen aber,
dass es in Metall getrieben war.
Die Vielfalt der hier vorgestellten Goldschmiedearbeiten zeigt deutlich,
dass die von Weininger initiierten Fälschungen in Hinblick auf die Technik
der Arbeiten, deren stilistische Ausprägung und deren Thematik sehr
unterschiedlich sind. Dazu kommen noch weitere Objekte, die nicht
Gegenstand der Verhandlung waren, bei denen es sich aber nachweislich
um Fälschungen aus dem Umfeld Salomon Weiningers handelt.
Identifizierte Fälschungen Weiningers
89 Gerichtsberichterstattung in: Wiener Abendpost,
Beilage zur Wiener Zeitung, 24. Februar 1877, 3.
Gerichtsberichterstattung in: Wiener Zeitung,
25. Februar 1877.
Gerichtsberichterstattung in: Neue Freie Presse,
25. Februar 1877, 7.
Nachdem Salomon Weininger im Februar 1877 zu zusätzlichen zwei Jahren
schweren Kerkers verurteilt worden war, stellte sich von Seiten des
Erbenvertreters Viktor von Raindl offenbar die Frage, ob sich die Tätigkeit
Weiningers auf die im Prozess angesprochenen Falsifikate beschränkt
hatte oder ob sich im Museum im Palais Modena noch weitere Fälschungen
befinden könnten. Aus diesem Grunde wurde Weininger am Vormittag
des 7. März in das Palais Modena gebracht und ersucht, „die Museums=Gegenstände
genau zu besichtigen, und alles das, was etwa noch
falsch sei, auszuscheiden. Wirklich entdeckte Weininger einige Objecte, die