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„Es IST IMMER DIESELBE MELANGE“
führt. Die Geschworenen schenkten dem Glauben. Betrachtet man jedoch
Leopolds späteren professionellen Werdegang, so erweist sich dieser
Sachverhalt als äußerst fraglich. 1883 erhielt Leopold Weininger nämlich
die Gewerbeberechtigung als Gold-, Silber und Juwelenarbeiter 76 , und
da der Gewerbeverleihung in Wien üblicherweise eine Gesellenzeit von
zumindest sechs bis zehn Jahren vorausgeht, muss man eigentlich annehmen,
dass Leopold bereits in dem für die Fälschungen in Frage kommenden
Zeitraum als Geselle bei einem Goldschmied arbeitete. Dies wird im
Prozess mit Absicht verschwiegen^ 7 . Im Jahre 1892 erhielt Leopold Weininger
schließlich die Gewerbeberechtigung als Juwelier sowie als Goldund
Silberschmied; bezeichnenderweise war auch er nun, wie Grünwald,
auf „Email- und Antik-Imitation“ spezialisiert 78 .
Ähnliches gilt für Nathan Weininger, über dessen Biographie wenig
bekannt ist, der aber offensichtlich ein Bruder des Salomon war 79 . Die
Gewerbeberechtigung als Goldarbeiter erlangte er zwar erst 1880 80 , doch
bedeutet dies, dass er zumindest bereits ab 1874 als Geselle arbeitete.
Auch firmierte er im Wiener Adressenverzeichnis „Lehmann“ bereits ab
1876 als „Gold- u. Silberscheider“ 81 . Somit kann eine Beteiligung dieser
beiden Kunsthandwerker am Werkstattbetrieb Salomon Weiningers zwar
vorderhand nicht belegt werden, doch soll zumindest die Möglichkeit
einer derartigen Mitarbeit nicht unerwähnt bleiben.
/6 Schmuttermeier 2005 (zit. Anm. 62).
Vielleicht ist dies als Entgegenkommen der Staatsanwaltschaft
im Zusammenhang mit etwaigen geleisteten
Aussagen zu interpretieren.
78 Schmuttermeier 2005 (zit. Anm. 62).
79 Hruschka 1978 (zit. Anm. 12), Bd. 2, 352.
80 Schmuttermeier 2005 (zit. Anm. 62).
8 ' Lehmann 1859ff. (zit. Anm. 16).
Die Estensische Rüstkammer wurde unter Erzherzog
Franz Ferdinand von Österreich-Este auf Schloss Konopischt
(Konopiste) verlegt; vgl. dazu Letosnikova
1970 (zit. Anm. 39).
83 Den Prozessakten zufolge handelt es sich um Ludwigs
Schwester. Ein sehr eng verwandtes Stück befindet
sich im Metropolitan Museum in New York,
Inv.-Nr. 17.190.1287a—c. Hier wird auch eineTabatiere
aufbewahrt, in die eine dem Wiener Stück vergleichbare
Miniatur Sicards mit dem Porträt Ludwigs
XVI. eingelassen ist (Inv.-Nr. 17.190.1156).
Die Fälschungen
Die im Prozess genannten Goldschmiedearbeiten
Rüstungsteile, ganze Rüstungen und Waffen machen zahlenmäßig den
größten Anteil der Objekte aus, mit denen sich die Prozessteilnehmer auseinandersetzten.
Dennoch sollen diese Gegenstände - die Originale sind
größtenteils im Bestand der Rüstkammer von Schloss Konopischt (Konopiste)
zu suchen - nicht den Schwerpunkt unserer Überlegungen bilden
82 . Im Mittelpunkt der hier besprochenen Fälschungen stehen vielmehr
die Goldschmiedearbeiten, da sie vor allem in Hinblick auf weitere
in Museen und Privatsammlungen vorhandene und bisher teilweise unerkannt
gebliebene Arbeiten aus dem Umkreis Weiningers aufschlussreich
sind.
Die vergleichsweise wenigen Goldschmiedearbeiten aus dem Museum im
Palais Modena, die während der Verhandlungen in Betracht gezogen wurden,
gelangten großteils mit der Überstellung der Estensischen Sammlung
1922 in das Wiener Kunsthistorische Museum. So befindet sich das
Original eines der im Prozess angesprochenen „goldene [n] Souvenir [s]
(Porte-cartes)“ in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums
(Inv.-Nr. KK 8269, Abb. 4); die hochovalen Miniaturen, die an Vorderund
Rückseite eingelassen sind, tragen die Signatur von Louis Marie
Sicard und zeigen die Porträts von König Ludwig XVI. von Frankreich
und dessen Gemahlin Marie Antoinette 83 . Im Prozess hatte Weininger
angegeben, dass sich im Carnet de Bai ehemals zwei Kinderporträts der
herzoglich modenesischen Familie befunden hätten, die er von Simon
Grünwald durch die nun vorhandenen Miniaturen ersetzen habe lassen.
Am Carnet de Bai sind allerdings keinerlei Spuren einer solchen Manipulation
feststellbar; es muss daher offen gelassen werden, ob dieser Aus-