Full text : Band 10 (102)

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Paulus  Rainer
„Zwei  Altäre  im  Style  und  Geschmake  der  2.  Hälfte
DES  16.  UND  DES  ANFANGES  DES  YJ.  JaHRHUNDERTES“
An  Alphonse  de  Rothschild  in  Paris  hatte  Weininger  über  Vermittlung
von  Emanuel  Marks  einen  der  beiden  Hausaltäre  verkauft,  die  Auslöser
für  die  Anzeige  Murray  Marks  gegen  Weininger  waren.  Dieser  Verkaufsversuch ­
  hatte  sich  bereits  über  einige  Jahre  hingezogen.  Emanuel  Marks
hatte  zuerst  1874  Bestandteile  der  Altärchen,  nämlich  eine  Vase,  einen
Seitenflügel  und  einen  Engel,  bei  Weininger  in  Wien  gesehen  und  erfahren, ­
  dass  diese  Stücke  aus  dem  Besitz  einer  alten  Familie  stammten;  Weininger ­
  gab  an,  vorerst  nur  diese  Bestandteile  erhalten  zu  haben,  da  er  den
kompletten  Kaufpreis  nicht  auf  einmal  begleichen  habe  können.  Er  hoffe
aber,  bald  den  ganzen  Altar  zu  bekommen,  und  würde  Marks  den  Vorzug
beim  Kauf  geben.  Dieser  bat  sich  zunächst  die  vorhandenen  Bestandteile
aus,  um  sie  in  London  seinen  Söhnen  zeigen  zu  können.  Im  Jahr  1875
kam  nun  Leopold  Weininger  mit  beiden  Altären  nach  London  und  bot
sie  Marks  um  30.000  Pfund  zum  Verkauf  an.  Im  März  dieses  Jahres
teilte  Marks  Leopold  Weininger  mit,  er  sei  nun  in  der  Lage,  die  Altäre  für
25.000  Pfund  an  Sir  Richard  Wallace  zu  verkaufen.  Dieser  Verkauf  war
allerdings  an  die  Bedingung  geknüpft,  dass  die  Altäre  zuvor  in  London
auf  ihre  Echtheit  untersucht  würden  und  die  Provenienz  der  Altäre
geklärt  werden  könne.
Weininger  ließ  nun  von  Moritz  Graf  Grundemann,  den  er  seit  seiner
Kindheit  kannte,  einen  mit  26.  Mai  1875  datierten  Brief  aufsetzen.  In
diesem  Schreiben  bestätigte  der  Graf,  dass  sich  die  beiden  Altäre  seit  dem
Jahre  1629  im  Besitz  seiner  Familie  befunden  hätten.  Darüber  hinaus  veranlasste
  Weininger  Grundemann,  dessen  Vetter,  dem  in  London  lebenden
Herzog  von  Teck,  zwei  weitere  Briefe  zu  schreiben,  damit  dieser  im  Falle
einer  Nachfrage  Marks  die  Angaben  Grundemanns  bestätigen  könne.  Die
erfundene  Provenienz  wurde  also  von  mehreren  Seiten  beglaubigt.  Eine
Untersuchung  der  Altärchen  durch  einen  Goldschmied  ergab  allerdings,
dass  einige  Teile  daran  lediglich  aus  vergoldetem  Silber  und  nicht  aus
Gold  bestanden.  Offenbar  reichte  dies  für  Richard  Wallace  aus,  von
einem  Ankauf  Abstand  zu  nehmen.  Marks  musste  umdisponieren  und
kaufte  die  Altäre  schließlich  gemeinsam  mit  dem  Kunsthändler  Henry
Durlacher  um  den  revidierten  Preis  von  20.000  Pfund  selbst  an.
Vor  Abschluss  des  Geschäftes  veranlasste  Durlacher  aber  noch  eine
weitere  Begutachtung  durch  den  Kustos  des  British  Museum,  August
W.  Franks.  Als  dieser  bei  den  Altären  lediglich  einige  restauratorische
Maßnahmen  feststellte,  im  Übrigen  aber  in  Hinblick  auf  ihre  Authentizität ­
  keine  Bedenken  hatte,  vermittelte  Durlacher  den  Weiterverkauf  an
Alphonse  de  Rothschild  in  Paris.  Dieser  besaß  den  Altar  einige  Monate,
bis  Nathaniel  de  Rothschild  ihn  in  Paris  besuchte.  Als  er  den  Altar  sah,
machte  er  Alphonse  darauf  aufmerksam,  dass  es  sich  beim  Altar  um  eine
Fälschung  handeln  müsse,  da  er  ihn  bereits  in  Wien  bei  Weininger  gesehen ­
  hatte.  Daraufhin  mussten  Durlacher  und  Marks  die  Altäre  zurücknehmen ­
  und  Alphonse  de  Rothschild  den  Kaufpreis  erstatten.  Zuvor
schickte  Emanuel  Marks  noch  seinen  Sohn  Murray  nach  Wien,  um  vor
Ort  zu  versuchen,  die  Echtheit  der  Altäre  doch  noch  zu  klären.  Zunächst
hätte  ihn  Weininger  beinahe  von  der  Echtheit  der  Altäre  überzeugen  können; ­
  als  Murray  Marks  aber  Nathaniel  de  Rothschild  besuchte  und  dieser
ihm  „mittheilte,  dass  Weininger  sich  professionell  mit  Fälschungen  von
Antiquitäten  beschäftige  u.  ihm  rieth  wegen  der  Altäre  ohneweiters  die
            
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