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Die Viole da gamba von Antonio Ciciliano
Anhang
Übertragung der Originaldokumente zur Reparatur der Streichinstrumente
der Estensischen Sammlung
Österreichisches Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Hofkammerarchiv, Nachlass
Erzherzog Franz Ferdinand, Karton 84 (Kunst), Prot. Nr. 618
Brief von Wilhelm Friedrich Freiherr von Nepalleck an Karl Freiherr
von Rumerskirch vom 8.3.1910
[228r]
Hochwohlgeborener Freiherr!
Zufolge der mir gütigst erteilten Erlaubnis die Musik-Instrumenten-Sammlung
Seiner k[aiserlichen], und k[öniglichen]. Hoheit des durchlauchtigsten
Herrn Erzherzogs Franz Ferdinand anzusehen, war ich so frei
mich durch Baurat Holzellan [hs. korrigiert: Holzeland] dem Kustos
Frank vorzustellen um die Sammlung zu besichtigen. - Ich war begeistert
und entzückt über die kostbaren und seltenen, prächtigen Instrumente,
erkannte ihre besondere Rarität und freute mich, daß in Wien eine so einzig
dastehende Sammlung sich befindet, die wie ich oft und oft gelesen
habe, auch in ausländischen Werken erwähnt wird. -
Aber als alter Violinspieler und langjähriger Geigenkenner sah ich aber
auch zu meinem größten Leidwesen, daß sich die Instrumente ohne Ausnahme
in einem desolaten Zustande befinden. - Der sehr verständige
Herr Kustos Frank that was er konnte für die Erhaltung der Instrumente,
aber da muß eine [228v] fachkundige Hand heran, ein erstklassiger Geigenmacher
und Reparateur, denn es handelt sich hier nicht allein darum,
daß die Instrumente gereinigt, besaitet und nur beiläufig für das Auge des
Beschauers hergerichtet werden um exponiert werden zu können, sondern
es handelt sich um viel Wichtigeres. Sämmtliche Instrumente, mit
ganz wenigen Ausnahmen, gehen langsam dem sicheren Verfall entgegen,
denn in nahezu allen arbeitet sichtbar der Holzwurm und sind einzelne
von den kostbarsten Instrumenten schon so weit zerstört, daß sie in ganz
kurzer Zeit auseinander fallen müssen, unreparierbar und unrettbar verloren
sind für immer, was ein unersetzlicher Verlust wegen ihrer Kostbarkeit
und Seltenheit wäre.
Die beste und sorgfältigste Aufbewahrung nützt jetzt nichts mehr, die
Zerstörung geht ruhig weiter und nur eine kunstgeübte Hand kann hier
helfen. Aus den kranken Instrumenten, die sich den Wurm nur durch seinerzeitig
unzweckmäßige Aufbewahrung geholt haben, muß zuerst der
Holzwurm lebend entfernt werden und dann erst kann an die weitere
Instandsetzung geschritten werden, um sie für die Zukunft zu erhalten.
[229r] Daß die Instrumente durch die Saitenlosigkeit auch sehr gelitten
haben, da sie keine Spannung hatten, daher sich der Corpus bei manchen
verzogen hat, und Sprünge im Holze entstanden sind, ist ja auch ein großer
Schaden, aber im Verhältnis zum Holzwurm eine Kleinigkeit.
Ich bitte Herrn Baron inständigst, aus purem Interesse an diesen Kostbarkeiten,
Seine kaiserliche Hoheit zu bewegen die Restaurierung der
Instrumente gnädigst zu bewilligen, da jeder Tag jetzt wichtig ist.