159
Helm und Schwert des Georg Kastriota, genannt Skanderberg
nach dem Sieg Sultan Selims I. über die Mamluken 1517, also rund
50 Jahre nach dem Tod Georg Kastriotas, nach Istanbul ins Topkapi
Sarayi gebracht. Das so genannte Schwert Osmans entstand erst im
18. Jahrhundert, geht aber auf ältere Vorbilder zurück. Es wurde zur
Schwertgürtung in der Thronbesteigungszeremonie des osmanischen
Sultans benutzt.
Wollte man vielleicht im Italien des 16. Jahrhunderts Erzherzog Ferdinand
II. ein Krönungsschwert beschaffen, das mit den Gebräuchen des
Osmanischen Reiches verbunden war? Dass Georg Kastriota ein mit solchen
Anspielungen versehenes Schwert bei der Krönung zum christlichen
König von Albanien benutzt hätte, darf bezweifelt werden. Die Propaganda
um die mögliche Krönung Skanderbegs bezog sich auf den antiken
Helden Alexander, weshalb es doch sehr verwunderlich wäre, wenn man
sich eines Gegenstandes bedient hätte, der eher an den großen Gegner
Kastriotas, den osmanischen Sultan, erinnert hätte. Ende des 16. Jahrhunderts
war dieser propagandistische Zusammenhang hingegen wohl
nicht mehr so klar. Aus den Erfahrungen der italienischen Gesandten am
osmanischen Hof wusste man in Italien, wie ein zeremonielles Krönungsschwert
im Osmanischen Reich, zu dem damals auch Albanien gehörte,
auszusehen hatte. Sollte sich der mögliche Fälscher dieses Wissens bedient
haben?
Sowohl das Schwert als auch der Helm dürften ein Fabrikat des späten
16. Jahrhunderts sein, wobei nicht auszuschließen ist, dass der Ziegenkopf
tatsächlich Georg Kastriota gehört hat. Der Händler, der zugleich
auch ein Fälscher war, versuchte wohl, mit voneinander unabhängigen
Teilen, die zeitlich und örtlich aus dem weiteren und näheren Umfeld
des Albanerfürsten stammen könnten, ein dem albanischen Helden zuordenbares
Pasticcio zu produzieren, das dann Ferdinand II. als Original
aus dem Besitz des von ihm geschätzten Türkensiegers verkauft wurde.
SuMMARY
Helmet and Sword of George Kastriota, byname Skanderbeg
In the Collection of Arms and Armour of the Kunsthistorisches Museum
are two objects that have been attributed since the I6 th Century to the
Albanian hero George Kastriota. It is still an open question to what extent
the attribution is correct or whether it must be revised, at least in part.
Both objects are mentioned for the first time in the Ambras inventory
of 1593, 120 years after the death of the Albanian hero. The objects
named in the inventory were acquired by Ferdinand II in Italy, possibly
jfi Urbino, presumably with the mediation of Italian relatives ol the archduke.
Nevertheless, between the acquisition and the death of Skanderbeg
more than 120 years had passed, and it remains an open question whether
the objects the archduke Ferdinand bought for his heroic armoury
(Heldenrüstkammer) really came from the possession of the Albanian hero,
George Kastriota. When one closely examines the helmet with the inventory
number A 127 and the sword with the inventory number A 550,
some inconsistencies are noticeable. The sword and the helmet may have
been made in the late l6 th Century instead of the late 15 th Century, but one
part of the helmet, the goat head, was clearly made in the late 15 th Century
and could have belonged to George Kastriota.