Full text : Band 10 (102)

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Helm  und  Schwert  des  Georg  Kastriota,  genannt  Skanderberg
nach  dem  Sieg  Sultan  Selims  I.  über  die  Mamluken  1517,  also  rund
50  Jahre  nach  dem  Tod  Georg  Kastriotas,  nach  Istanbul  ins  Topkapi
Sarayi  gebracht.  Das  so  genannte  Schwert  Osmans  entstand  erst  im
18.  Jahrhundert,  geht  aber  auf  ältere  Vorbilder  zurück.  Es  wurde  zur
Schwertgürtung  in  der  Thronbesteigungszeremonie  des  osmanischen
Sultans  benutzt.
Wollte  man  vielleicht  im  Italien  des  16.  Jahrhunderts  Erzherzog  Ferdinand ­
  II.  ein  Krönungsschwert  beschaffen,  das  mit  den  Gebräuchen  des
Osmanischen  Reiches  verbunden  war?  Dass  Georg  Kastriota  ein  mit  solchen ­
  Anspielungen  versehenes  Schwert  bei  der  Krönung  zum  christlichen
König  von  Albanien  benutzt  hätte,  darf  bezweifelt  werden.  Die  Propaganda ­
  um  die  mögliche  Krönung  Skanderbegs  bezog  sich  auf  den  antiken
Helden  Alexander,  weshalb  es  doch  sehr  verwunderlich  wäre,  wenn  man
sich  eines  Gegenstandes  bedient  hätte,  der  eher  an  den  großen  Gegner
Kastriotas,  den  osmanischen  Sultan,  erinnert  hätte.  Ende  des  16.  Jahrhunderts ­
  war  dieser  propagandistische  Zusammenhang  hingegen  wohl
nicht  mehr  so  klar.  Aus  den  Erfahrungen  der  italienischen  Gesandten  am
osmanischen  Hof  wusste  man  in  Italien,  wie  ein  zeremonielles  Krönungsschwert ­
  im  Osmanischen  Reich,  zu  dem  damals  auch  Albanien  gehörte,
auszusehen  hatte.  Sollte  sich  der  mögliche  Fälscher  dieses  Wissens  bedient
haben?
Sowohl  das  Schwert  als  auch  der  Helm  dürften  ein  Fabrikat  des  späten
16.  Jahrhunderts  sein,  wobei  nicht  auszuschließen  ist,  dass  der  Ziegenkopf ­
  tatsächlich  Georg  Kastriota  gehört  hat.  Der  Händler,  der  zugleich
auch  ein  Fälscher  war,  versuchte  wohl,  mit  voneinander  unabhängigen
Teilen,  die  zeitlich  und  örtlich  aus  dem  weiteren  und  näheren  Umfeld
des  Albanerfürsten  stammen  könnten,  ein  dem  albanischen  Helden  zuordenbares ­
  Pasticcio  zu  produzieren,  das  dann  Ferdinand  II.  als  Original
aus  dem  Besitz  des  von  ihm  geschätzten  Türkensiegers  verkauft  wurde.

SuMMARY
Helmet  and  Sword  of  George  Kastriota,  byname  Skanderbeg
In  the  Collection  of  Arms  and  Armour  of  the  Kunsthistorisches  Museum
are  two  objects  that  have  been  attributed  since  the  I6 th  Century  to  the
Albanian  hero  George  Kastriota.  It  is  still  an  open  question  to  what  extent
the  attribution  is  correct  or  whether  it  must  be  revised,  at  least  in  part.
Both  objects  are  mentioned  for  the  first  time  in  the  Ambras  inventory
of  1593,  120  years  after  the  death  of  the  Albanian  hero.  The  objects
named  in  the  inventory  were  acquired  by  Ferdinand  II  in  Italy,  possibly
jfi  Urbino,  presumably  with  the  mediation  of  Italian  relatives  ol  the  archduke.
  Nevertheless,  between  the  acquisition  and  the  death  of  Skanderbeg
more  than  120  years  had  passed,  and  it  remains  an  open  question  whether ­
  the  objects  the  archduke  Ferdinand  bought  for  his  heroic  armoury
(Heldenrüstkammer)  really  came  from  the  possession  of  the  Albanian  hero,
George  Kastriota.  When  one  closely  examines  the  helmet  with  the  inventory ­
  number  A  127  and  the  sword  with  the  inventory  number  A  550,
some  inconsistencies  are  noticeable.  The  sword  and  the  helmet  may  have
been  made  in  the  late  l6 th  Century  instead  of  the  late  15 th  Century,  but  one
part  of  the  helmet,  the  goat  head,  was  clearly  made  in  the  late  15 th  Century ­
  and  could  have  belonged  to  George  Kastriota.
            
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