Full text : Band 10 (102)

Matthias  Pfaffenbichler

Helm  und  Schwert  des  Georg  Kastriota,
genannt  Skanderbeg

1  Alfons  Lhotsky,  Festschrift  des  kunsthistorischen  Museums ­
  zur  Feier  des  fünfzigjährigen  Bestandes.  Zweiter
Teil.  Die  Geschichte  der  Sammlungen.  Erste  Hälfte.
Von  den  Anfängen  bis  zum  Tode  Kaiser  Karls  VI.  1740,
Wien  1945,  197.
2  Heinrich  Zimmermann  (Hg.),  Nachlaß-Inventar
Erzherzog  Ferdinands  II.  von  15%,  in:  Jahrbuch  der
kunsthistorischen  Sammlungen  des  des  Allerhöchsten ­
  Kaiserhauses  7,  1888,  CCXXII,  Reg.  5556.
3  Jakob  Schrenck  von  Notzing,  Die  Heldenrüstkammer,
hg.  von  Bruno  Thomas,  Osnabrück  1981,  Taf.  18.

Abb.  1:  Helm  des  Georg  Kastriota,  genannt  Skanderbeg. ­
  Wien,  Kunsthistorisches  Museum,  HofjagdundRüstkammer,
  Inv.-Nr.  A  127.

In  der  Hofjagd-  und  Rüstkammer  des  Kunsthistorischen  Museums  befinden ­
  sich  ein  Helm  (Abb.  1)  und  ein  Schwert  (Abb.  4  und  5),  die  seit  dem
16.  Jahrhundert  dem  albanischen  Helden  Georg  Kastriota,  genannt
Skanderbeg  (um  1403-1468),  zugeschrieben  werden.  Es  stellt  sich  die
Frage,  inwieweit  diese  Zuschreibung  korrekt  ist  oder  ob  sie  zumindest
in  Teilen  revidiert  werden  muss.  Die  beiden  Objekte  werden  erstmals
120  Jahre  nach  dem  Tod  des  albanischen  Helden  im  Ambraser  Inventar
von  1593  als  „Georgen  Scanderbegg  Helmlin  vnnd  zway  Schwerter“  erwähnt ­
 1 ;  im  Inventar  von  1596  sind  sie  mit  folgenden  Worten  dokumentiert: ­
  „Georg  Schcanderbeeg.  /  Ain  weszß  helbmlin,  mit  vergulten  raiffen,
darauf  ain  vergulter  gais  khopf,  mit  seinen  hörnern,  und  zwai  Schwerter.
Daz  aine  in  ainer  lidern  schaiden,  welches  vonwegen  seiner  schwere  und,
das  man  die  masen  von  dem  bluet  noch  daran  sicht,  für  das  recht  geschickht
  worden  und  gehalten  würdt,  dzs  ander  in  ainer  sammeten
schaidn,  hat  man  auch  under  des  Schcanderbeges  namen  verehrt.“-Kurz
  darauf  wurden  der  Helm  und  das  Schwert  als  Stücke  des  Georg  Kastriota ­
  zusammen  mit  seinem  ganzfigurigen  Porträt  im  Armamentarium
Heroicum  publiziert  (Abb.  2).  Dieses  mit  Kupferstichen  illustrierte  Bildinventar ­
  wurde  von  Jakob  Schrenck  von  Notzing,  dem  Sekretär  Erzherzog ­
  Ferdinands  II.,  1601  in  einer  lateinischen  und  1603  in  einer  deutschen ­
  Ausgabe  veröffentlicht.  Neben  den  einzelnen  Objekten  wird  dabei
jeweils  die  Vita  des  Besitzers  angeführt.  In  unserem  Fall  beginnt  sie  mit
den  Worten:  „Georg  Castriota  genannt  Scanderbeg  Fürst  in  Albania“’.
Wer  war  Georg  Kastriota  und  warum  wurde  er  in  die  Heldenrüstkammer
Erzherzog  Ferdinands  von  Tirol  aufgenommen?
Georg  Kastriota  (Abb.  3)  wurde  um  1403  geboren.  Seine  Familie  zählte
zum  albanischen  Kleinadel  und  hatte  Besitzungen  im  Matital.  Sein  Vater
Ivan  Kastriota  musste  die  Oberhoheit  des  osmanischen  Sultans  Bayezid  I.
anerkennen,  beendete  dieses  Vasallenverhältnis  jedoch  nach  der  Schlacht
bei  Ankara  (1402).  Er  erweiterte  seine  Herrschaft  bis  zur  Adria  und  suchte ­
  Anlehnung  bei  den  Venezianern,  musste  aber  1410  auf  osmanischen
Druck  erneut  die  türkische  Oberhoheit  anerkennen  und  seinen  Sohn  als
Geisel  an  den  osmanischen  Hof  in  Adrianopel  schicken,  wo  dieser  nach
1423  die  Stellung  eines  Pagen  einnahm  und  eine  militärische  Ausbildung
erhielt.  Georg  Kastriota  trat  zum  Islam  über  und  nahm  den  Namen
Iskender  (Alexander)  an.  Als  hoher  osmanischer  Offizier  hatte  er  in  den
30er  Jahren  des  15.  Jahrhunderts  verschiedene  Verwaltungsposten  im  türkischen ­
  Albanien  inne.
Anlässlich  der  erfolgreichen  Offensive  der  ungarischen  Armee  unter
Johann  Hunyadi  desertierte  Skanderbeg  im  November  1443  mit  seinen
albanischen  Truppen  und  bemächtigte  sich  der  albanischen  Festung
Kruja.  Diese  Eroberung  war  der  Beginn  eines  neuen  albanischen  Auf-
            
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