Full text : Band 10 (102)

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Abb.  26:  Querschnitt  des  Rumpfes,  der  Herzskarabäus
  links  neben  der  Wirbelsäule.

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HM.  27/  Unterseite  des  Herzskarabäus
mit  Inschrift.

43  Müller-Winkler  1987  (zit.  Anm.  42),  212.
44  Derselbe  Typ  wie  Inv.-Nr.  ÄS  247  j,  Abb.  22.
45  Müller-Winkler  1987  (zit.  Anm.  42),  432.
46  Manfred  Bietak  -  Elfriede  Reiser-Haslauer,  Das  Grab
des  Anch-Hor  II  (Österreichische  Akademie  der  Wissenschaften, ­
  Denkschriften  Bd.  VII),  Wien  1982,
214-220.
l/  Christine  El  Mahdy,  Mummies.  Myth  and  Magic  in
Ancient  Egypt,  London  1989,  131.
48  Renate  Germer  -  Beatrix  Geßler-Löhr  -  Ulrich
Pietsch  —  Hans-Dieter  Weiss,  Die  Wiederentdeckung
der  Lübecker  Apotheken-Mumie,  in:  Antike  Welt.  Zeitschrift ­
  für  Archäologie  und  Kulturgeschichte  26/1,
1995,  32-35.
49  Länge  ca.  6  cm,  Breite  ca.  3,7  cm.
50  El  Mahdy  1989  (zit.  Anm.  47),  153;  Germer  1991
(zit.  Anm.  12),  113.
51  Mumie  des  Horemheb  in  London,  British  Museum,
Inv.-Nr.  6680;  in:  Dawson  -  Gray  1968  (zit.
Anm.  13),  24,  Taf.  XXXI  b,  Nr.  44.  Auf  der  linken
Seite  des  Brustkorbs  befinden  sich  zahlreiche  kleine
Amulette,  darunter  ein  Herzskarabäus.
52  Bietak  -  Reiser-Haslauer  1982  (zit.  Anm.  46),  220,
Reg.-Nr.  754  -  bei  dieser  Mumie  lag  der  große  Herzskarabäus ­
  im  Brustraum;  Germer  -  Geßler-Löhr  -
Pietsch  -  Weiss  1995  (zit.  Anm.  48),  39,  Abb.  37;
P.  H.K.  Gray  -  Dorothy  Slow  (Hgg.),  Egyptian
Mummies  in  the  City  of  Liverpool  Museums  (Liverpool
Bulletin  Museums  Number  Bd.  19),  Liverpool  1968,
52-55,  Mumie  Liverpool  No.  13  (Inv.-Nr.  1967.60)
-  der  Herzskarabäus  und  das  Zweifinger-Amulett
lagen  in  der  linken  Seite  des  Beckens.

Magie  an  der  Mumie  des  An-em-her
nebeneinander  über  dem  rechten  Schlüsselbein,  auf  dem  linken  Schlüsselbein ­
  liegt  ein  Rechter  Winkel,  die  Richtwaage  ist  seitlich  herabgerutscht. ­
  Diese  beiden  Amulette  sind  seit  der  26.  Dynastie  belegt 45 .  Sie  stehen ­
  für  die  gerade  Ausrichtung  der  Waagschalen  bei  der  Seelenwägung
und  für  die  Richtigkeit.  Eine  ähnlich  große  Anzahl  von  Amuletten  war  im
Brustbereich  innerhalb  der  Bindenschichten  an  der  Mumie  des  Anch-Hor
 46 ,  an  der  Mumie  des  Djedhor 47  und  an  der  Lübecker  Apotheken-Mumie
 48  angebracht.  Der  Balsamierungsschnitt  auf  der  linken  Bauchseite ­
  des  An-em-her  wird  durch  ein  großes  Zweifinger-Amulett  geschützt.
Es  stellt  die  heilenden  Finger  des  Gottes  Thot  dar.
Im  linken  Brustraum,  unweit  der  Wirbelsäule,  liegt  ein  großer  Herzskarabäus ­
 49  (Abb.  25  und  26).  Der  Skarabäus  ist  sehr  sorgfältig  geschnitten,
die  Beine  sind  separat  angegeben,  der  Clypeus  ist  gezackt,  die  Flügel  sind
ohne  Teilung,  der  Rücken  ist  schön  gewölbt.  Die  flache  Unterseite  ist
nicht  glatt,  sondern  offensichtlich  mit  gravierten  Schriftzeichen  versehen
-  dem  Herzspruch.
Großformatige  Skarabäen  werden  den  Mumien  stellvertretend  für  das
Herz  mitgegeben 50 .  Viele  haben  auf  der  Unterseite  eine  mehrzeilige  Inschrift, ­
  den  Herzspruch  aus  dem  Kapitel  30B  des  Totenbuches,  der  besagt, ­
  dass  das  Herz  beim  Totengericht  nicht  gegen  den  Verstorbenen  aussagen
  soll.  Diese  Skarabäen  werden  ebenso  wie  andere  Amulette  mit  den
Binden  mitgewickelt 51 ,  doch  kommt  es  in  ptolemäischer  Zeit  auch  vor,
dass  diese  Herzskarabäen  in  das  Innere  des  Körpers  gelegt  werden 52 .
Überraschend  ist  die  nachträgliche  Vergrößerung  der  Schriftseite  des
Herzskarabäus  in  der  Mumie  des  An-em-her.  Es  handelt  sich  eindeutig ­
  um  fünf  Zeilen  mit  Schriftzeichen,  doch  ergeben  sie  nicht  den  zu
erwartenden  Herzspruch,  sondern  eine  verballhornte  Wiedergabe  von
Hieroglyphen  (Abb.  27).  Der  Graveur  war  des  ‘Schreibens  und  Lesens
unkundig  und  hat  nach  eigenem  Ermessen  nach  Vorlagen  gearbeitet.  Es
entstanden  also  bereits  in  ptolemäischer  Zeit  nicht  nur  auf  Särgen,  sondern ­
  auch  auf  großformatigen  Skarabäen  „Texte“,  die  unlesbar  sind.

Summary
Magic  in  the  Mummy  of  An-em-her
The  decorated  corpse  was  to  be  a  guarantee  of  continued  life  in  the  hereafter
  not  only  because  of  embalming  but  also  because  of  the  magic  of
the  depictions  and  the  amulets.  A  lovely  example  of  a  richly  provided
mummy  from  the  Ptolemaic  period  is  that  of  An-em-her,  which  is  partly
covered  with  pieces  of  cartonnage.
A  mask  with  a  gilt  face  has  been  placed  over  the  head.  Pieces  of  cartonnage ­
  cover  part  of  the  body  in  front:  a  large  decorative  collar  with  a  pectoral,
  the  goddess  Nut  with  outspread  wings,  on  the  legs  a  Strip  with  an
inscription,  at  the  foot  end  a  pair  of  sandal  soles.  The  depictions  are  partially
  in  relief  and  gilt.  The  external  layers  of  the  mummy  bands  are  painted
  with  sayings  and  vignettes  from  the  Book  of  the  Dead.  X-ray  and  CT
images  show  that  a  large  number  of  amulets  are  lying  on  the  ehest  of  the
mummy.  The  embalming  incision  is  covered  with  a  two-fmger  amulet,
and  inside  the  ehest  a  large  heart  scarab  with  inscription  represents  the
heart  of  the  deceased.  Thus  there  is  magical  protection  from  the  innermost ­
  parts  of  the  body  to  the  outermost  covering.
            
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