Full text : Band 10 (102)

Elfriede  Haslauer

Magie  an  der  Mumie  des  An-em-her

1  Mumie:  Wien,  Kunsthistorisches  Museum,  Ägyptisch-Orientalische ­
  Sammlung,  Inv.-Nr.  ÄS  247  b;
Länge  169,5  cm,  Breite  35  ^m.  Da  der  Sargkasten
und  die  Mumie  unter  derselben  Nummer  inventarisiert ­
  sind,  werden  sie  durch  den  Zusatz  a  bzw.  b  voneinander ­
  unterschieden.
2  Sargkasten:  Inv.-Nr.  ÄS  247  a;  Länge  191  cm,  Breite
47-55,8  cm  (vom  Fußende  zum  Kopfende),  Höhe
36  cm.  Der  Sargkasten  verjüngt  sich  zum  Fußende
etwas.  Die  Wände  bestehen  aus  je  einem  dicken
Brett,  der  Boden  ist  aus  drei  Brettern  zusammengesetzt. ­
  Das  Holz  ist  naturbelassen  und  gut  geglättet.
3  Im  Inventar  von  1824:  Inv.-Nrn.  508  und  529.
Sargdeckel:  Inv.-Nr.  ÄS  230;  Länge  191  cm,  Breite
46-55  cm,  Dicke  5  cm.  Der  flache  Deckel  ist  aus
zwei  langen  Brettern  zusammengesetzt  und  war  mit
je  sechs  Dübelbrettchen  entlang  der  Langseiten  in
den  Oberkanten  des  Sargkastens  festgesteckt.  Auf  der
Außenseite  ist  eine  Inschrift  in  schwarzer  Tinte  angebracht ­
  (Breite  der  Hieroglyphen  5  cm).
Annie  Schweitzer,  Revolution  stylistique  et  iconographique
  des  parures  de  cartonnage  d’Akhmim  du  debut
de  l’epoque  ptolemaique  ä  l’epoque  romaine,  in:  Bulletin ­
  de  l’Institut  fran9ais  d’archeologie  orientale  98,
1998,  327,  340  f.
6  Schweitzer  1998  (zit.  Anm.  5),  340-344.
Inv.-Nr.  ÄS  247  c;  Höhe  43  cm,  Breite  ca.  28  cm,
Tiefe  ca.  28  cm.  Die  Bemalung  ist  stellenweise  abgerieben, ­
  die  Stuckauflage  vor  allem  auf  der  Perücke
großflächig  abgeplatzt.

Abb.  1:  Mumie  des  An-em-her  im  Sarg.
Ptolemäerzeit,  ca.  150  v.  Chr.  Wien,  Kunsthistorisches ­
  Museum,  Ägyptisch-Orientalische  Sammlung,
Inv.-Nrn.  ÄS  247a  und  b.

Sorgfältige  Mumifizierung  und  aufwendige  Schmückung  des  Leichnams
waren  Teil  des  Glaubens  an  die  Auferstehung  im  Alten  Ägypten.  Dazu
gehörten  die  Magie  von  Amuletten  in  verschiedener  Gestalt  und  aus
diversem  Material,  bemalte  und  beschriftete  Kartonagen,  die  Gesichtsmaske, ­
  das  Totenbuch,  mit  Totenbuchsprüchen  beschriftete  und  mit  Vignetten ­
  versehene  Mumienbinden  sowie  Perlennetze  aus  Fayence.
Ein  schönes  Beispiel  einer  reich  ausgestatteten  Mumie  aus  ptolemäischer
Zeit  befindet  sich  in  der  Ägyptisch-Orientalischen  Sammlung  des  Kunsthistorischen ­
  Museums  in  Wien.  Die  Mumie 1  ist  mit  Teilkartonage  bedeckt ­
  und  liegt  in  einem  kastenförmigen  Sarg  aus  Zedernholz 2  (Abb.  1).
Beide  gehören  zum  alten  Bestand,  der  am  Anfang  des  19.  Jahrhunderts
in  die  Sammlung  gelangte 3 .  Auf  dem  flachen  Deckel  sind  der  Name  des
Verstorbenen  An-em-her  und  die  Namen  seiner  Eltern  Flor-imhotep  und
Ta-chabes  aufgeschrieben 4  (Abb.  2).
Die  Mumie  präsentiert  sich  als  geschmückter  Leib.  Uber  den  Kopf  ist
eine  Stülpmaske  gezogen.  Daran  anschließend  liegen  auf  der  Vorderseite
des  Körpers  Teile  aus  Kartonage,  nämlich  der  große  Schmuckkragen  mit
einem  Pektorale,  die  Göttin  Nut  mit  ausgebreiteten  Flügeln  und  auf  den
Beinen  ein  Streifen  mit  einer  Inschrift,  auf  der  Unterseite  des  Fußendes
ein  Paar  Sandalensohlen.  Die  fünf  Teile  bestehen  aus  mehrschichtig  verklebter ­
  Leinwand  (Leinenbindung  26  x  16/cm 2 )  mit  sehr  dünnem  Stucküberzug, ­
  der  teilweise  reliefiert  und  vergoldet  ist,  die  schmalen  Binden,
welche  die  Kartonageteile  festhielten,  fehlen.
Aus  vier  bis  sechs  Elementen  bestehende  Mumienauflagen  aus  Kartonage
sind  typisch  für  ptolemäische  Bestattungen^,  vor  allem  für  solche  aus  der
Zeit  des  3.  und  2.  Jahrhunderts  v.  Chr.  Danach  werden  sie  dreiteilig;  in
römischer  Zeit  bedeckt  die  Kartonage  den  ganzen  Körper 6 .

Beschreibung  der  Mumienkartonage
Die  Stülpmaske 7  (Abb.  3)
Das  Gesicht  samt  Ohren  sowie  Flals  und  Brustteil  des  Schmuckkragens
zwischen  den  Perückensträhnen  und  unter  ihnen  sind  vergoldet.  Bemalung: ­
  Pupille/Iris  schwarz,  in  den  Augenwinkeln  rote  Punkte.  Die  Augenumrandung, ­
  die  Brauen  und  die  lang  ausgezogenen  Schminkstriche  sind
schwarz  gezeichnet.  Oberlid  und  Brauen  mit  den  Schminkstrichen  sind
innerhalb  der  schwarzen  Konturen  blau  ausgemalt.  Am  Oberlid  ist  die
Lidfalte  durch  eine  dünne  rote  Linie  angegeben,  die  den  Schminkstrich
bis  auf  die  Schläfen  begleitet.  Die  Kontur  der  Nasenflügel  und  die  Lippenspalte ­
  sind  ebenfalls  rot,  die  schwarze  Perücke  ist  mit  einem  weißen
            
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