Full text : Band 4/5 (=96/97)

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MARIO  DÖBERL
auf  der  Abdeckung  der  Krebsfedern  oder  bei  den  Wappenkartuschen  der
Paneelmalereien,  weist  der  Dekor  bereits  rocailleartige  Formen  auf,  was
für  Wien  zu  dieser  Zeit  noch  untypisch  erscheint.  Ebenso  könnten  die
französisch  anmutenden  Malereien  des  Wagenkastens  auf  einen  anderen
Fierkunftsort  als  die  kaiserliche  Residenzstadt  hindeuten.
Obwohl  die  beiden  Karossen  wahrscheinlich  etwa  zur  gleichen  Zeit  hergestellt ­
  wurden,  worauf  vor  allem  der  analoge  Kastentypus  hindeutet,
wirkt  der  kleinere  Wagen  durch  seine  beruhigten  und  vergleichsweise
strengen  Formen  wesentlich  kompakter  als  das  mit  überbordendem
Dekor  ausgestattete  größere  Fahrzeug.  Unterschiede  sind  auch  in  Details
wie  etwa  dem  Blattwerkdekor  auszumachen.  Während  an  K-38  an  mehreren ­
  Stellen  deutlich  ausgebildete,  naturalistische  Akanthusblätter  zu
sehen  sind,  ist  K-40  vorwiegend  mit  schlanken  Blattranken  geschmückt.
Ganz  verschieden  ist  die  plastisch-dekorative  Ausgestaltung  der  Fahrgestelle ­
  beider  Wägen.  Betrachtet  man  beispielsweise  die  rückwärtige
Gestellbrücke  der  Karossen  [Abb.  14  und  20),  so  ist  festzustellen,  daß  bei
K-40  unterhalb  des  nur  oberflächlich  applizierten  Dekors  der  konstruktive ­
  Aufbau  klar  erkennbar  bleibt,  während  bei  K-38  das  Ornament  organischer ­
  Bestandteil  der  Struktur  ist.  Die  Kipfstöcke  sind  hier  jeweils  aus
zwei  C-förmigen  Volutenrollen  bzw.  einem  langen  S-förmigen  Element
gebildet,  womit  ihre  tragende  Funktion  verschleiert  wird.  Die  untektonische ­
  Auffassung,  die  K-38  zugrundeliegt  und  die  auch  für  das  architektonische ­
  Schaffen  Beduzzis  charakteristisch  ist 112 ,  zeigt  sich  auch  an  den
Kipfstöcken  der  vorderen  Gestellbrücke  sowie  an  den  Eckpfosten  des
Wagenkastens,  die  vom  ornamentalen  und  skulpturalen  Dekor  so  überwuchert ­
  sind,  daß  ihre  Grundform  und  Funktion  völlig  verunklärt  werden. ­
  Es  ist  nur  schwer  vorstellbar,  daß  ein  und  derselbe  Künstler  zur  gleichen ­
  Zeit  zwei  in  ihrer  architektonischen  Durchgestaltung  so  unterschiedliche ­
  Fahrzeuge  wie  K-38  und  K-40  entwerfen  konnte,  selbst  wenn
es  sich  dabei  um  einen  vielseitigen  Mann  wie  Beduzzi  handelt,  der  über
ein  breites  Stilspektrum  verfügte,  das  von  barocken  bis  hin  zu  klassizistischen ­
  Entwürfen  wie  jenem  für  den  Portalvorbau  der  Michaelerkirche  in
Wien  reichte.
Trotz  der  aufgezeigten  Unterschiede  soll  für  K-40  eine  Wiener  Provenienz
vorläufig  nicht  ausgeschlossen  werden.  Ebenso  muß  vorerst  noch  offen
bleiben,  ob  es  sich  bei  K-38  um  den  kleineren  oder  den  größeren  der
1728  gelieferten  Wägen  handelt.  Es  bleibt  zu  hoffen,  daß  Forschungen  in
russischen  Archiven  neue  Quellen  zutage  fördern  werden,  die  helfen  können, ­
  die  noch  ungeklärten  Fragen  zu  beantworten.
Summary
„A  Nice  Pair  of  Coaches  in  the  Latest  Viennese  Style“.  The  History  of  a
Gift  to  the  Russian  Court  from  Emperor  Charles  VI
When  Russia  and  the  Flabsburg  Empire  concluded  an  alliance  in  1726
Czarina  Catherine  I  and  Prince  Alexander  Menshikov  ordered  three  carriages
  from  the  imperial  ambassador  to  be  built  in  Vienna.  The  order
shows  that  they  wished  to  have  constructed  a  four-seated  carriage  upholstered
  in  purple  velvet  as  well  as  two  coupes,  one  with  an  interior  decora-]<;
  ted  in  green  and  the  other  in  red  velvet.  Emperor  Charles  VI  decided  to
make  a  gilt  of  the  carriages  to  the  Czarina  and  Menshikov  and  instructed  m  Zum  Stil  Antonio  Beduzzis  siehe  vor  allem  Ri zzi
that  work  begin  on  the  vehicles.  The  Bolognese  artist  Antonio  Beduzzi,  1983  (zit.  Anm.  25-,  Antonio  Beduzzi[...]).
            
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