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MARIO DÖBERL
auf der Abdeckung der Krebsfedern oder bei den Wappenkartuschen der
Paneelmalereien, weist der Dekor bereits rocailleartige Formen auf, was
für Wien zu dieser Zeit noch untypisch erscheint. Ebenso könnten die
französisch anmutenden Malereien des Wagenkastens auf einen anderen
Fierkunftsort als die kaiserliche Residenzstadt hindeuten.
Obwohl die beiden Karossen wahrscheinlich etwa zur gleichen Zeit hergestellt
wurden, worauf vor allem der analoge Kastentypus hindeutet,
wirkt der kleinere Wagen durch seine beruhigten und vergleichsweise
strengen Formen wesentlich kompakter als das mit überbordendem
Dekor ausgestattete größere Fahrzeug. Unterschiede sind auch in Details
wie etwa dem Blattwerkdekor auszumachen. Während an K-38 an mehreren
Stellen deutlich ausgebildete, naturalistische Akanthusblätter zu
sehen sind, ist K-40 vorwiegend mit schlanken Blattranken geschmückt.
Ganz verschieden ist die plastisch-dekorative Ausgestaltung der Fahrgestelle
beider Wägen. Betrachtet man beispielsweise die rückwärtige
Gestellbrücke der Karossen [Abb. 14 und 20), so ist festzustellen, daß bei
K-40 unterhalb des nur oberflächlich applizierten Dekors der konstruktive
Aufbau klar erkennbar bleibt, während bei K-38 das Ornament organischer
Bestandteil der Struktur ist. Die Kipfstöcke sind hier jeweils aus
zwei C-förmigen Volutenrollen bzw. einem langen S-förmigen Element
gebildet, womit ihre tragende Funktion verschleiert wird. Die untektonische
Auffassung, die K-38 zugrundeliegt und die auch für das architektonische
Schaffen Beduzzis charakteristisch ist 112 , zeigt sich auch an den
Kipfstöcken der vorderen Gestellbrücke sowie an den Eckpfosten des
Wagenkastens, die vom ornamentalen und skulpturalen Dekor so überwuchert
sind, daß ihre Grundform und Funktion völlig verunklärt werden.
Es ist nur schwer vorstellbar, daß ein und derselbe Künstler zur gleichen
Zeit zwei in ihrer architektonischen Durchgestaltung so unterschiedliche
Fahrzeuge wie K-38 und K-40 entwerfen konnte, selbst wenn
es sich dabei um einen vielseitigen Mann wie Beduzzi handelt, der über
ein breites Stilspektrum verfügte, das von barocken bis hin zu klassizistischen
Entwürfen wie jenem für den Portalvorbau der Michaelerkirche in
Wien reichte.
Trotz der aufgezeigten Unterschiede soll für K-40 eine Wiener Provenienz
vorläufig nicht ausgeschlossen werden. Ebenso muß vorerst noch offen
bleiben, ob es sich bei K-38 um den kleineren oder den größeren der
1728 gelieferten Wägen handelt. Es bleibt zu hoffen, daß Forschungen in
russischen Archiven neue Quellen zutage fördern werden, die helfen können,
die noch ungeklärten Fragen zu beantworten.
Summary
„A Nice Pair of Coaches in the Latest Viennese Style“. The History of a
Gift to the Russian Court from Emperor Charles VI
When Russia and the Flabsburg Empire concluded an alliance in 1726
Czarina Catherine I and Prince Alexander Menshikov ordered three carriages
from the imperial ambassador to be built in Vienna. The order
shows that they wished to have constructed a four-seated carriage upholstered
in purple velvet as well as two coupes, one with an interior decora-]<;
ted in green and the other in red velvet. Emperor Charles VI decided to
make a gilt of the carriages to the Czarina and Menshikov and instructed m Zum Stil Antonio Beduzzis siehe vor allem Ri zzi
that work begin on the vehicles. The Bolognese artist Antonio Beduzzi, 1983 (zit. Anm. 25-, Antonio Beduzzi[...]).