Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 49/50 (N.F.) (XLIX/L=85/86)

Roelandt  Savery  und  die  niederländische  Landschaftsmalerei  am  Hofe  Rudolfs  II.

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30.  Bartholomäus  Spranger,  Dornenkrönung,  Federzeichnung.
Wien,  Graphische  Sammlung  Albertina

Landschaft  von  Joos  de  Momper  in  der  Schloßgalerie  in  Raitz 13 ,  1608  datiert,  kann  in  der  Anordnung  von  Vorderund
  Hintergrund  der  „einseitigen  Ausblickslandschaft“  herangezogen  werden,  ebenso  wie  Landschaften  von  Jan
Brueghel  im  Kunsthistorischen  Museum  in  Wien 14 .
Hier  wird  zugleich  sichtbar,  in  welchem  internationalen  Kontext  Savery  stand,  auf  welche  Quellen  seine  Kunst
zurückgeht.  Es  sind  die  bildnerischen  Formen,  die  die  niederländische  Landschaftsmalerei  in  den  letzten
Jahrzehnten  des  16.  Jahrhunderts  in  den  südlichen  Niederlanden,  in  Antwerpen  vor  allem,  ausgebildet  hat,  denen
Savery  folgt.
Hat  Savery  und  in  welchem  Maße  mit  der  Übersiedlung  nach  Prag  seinen  „Stil“  unter  dem  Eindruck  der  dort
bereits  ansässigen  Landschaftsmaler  geändert?  Und  hat  Rudolf  II.  und  in  welchem  Sinne  Einfluß  auf  die  Künstler
seines  Hofes  genommen?  Damit  stellt  sich  als  Frage  weiter  die  nach  dem  Verhältnis  der  Landschaftsmalerei  am
Hofe  Rudolfs  II.  zur  figuralen  Kunst  der  in  Prag  arbeitenden  Maler  und  Plastiker.  Haben  diese  einen  spezifisch
„rudolfinischen“  Prager  Stil  ausgebildet?  Besteht  unter  ihnen  überhaupt  ein  innerer  Zusammenhang  und
Zusammenhalt?  Oder  handelt  es  sich  bei  den  Künstlern  am  Hofe  Rudolfs  II.  nur  um  zufällig
zusammengekommene  und  nach  Prag  berufene  Künstler?  Es  sind  Fragen,  die  heute  wieder  mit  neuer  Intensität
gestellt  werden  müssen  mit  der  Kernfrage  nach  den  Quellen  und  Ursprüngen  des  rudolfinischen  Stiles  bzw.  des
Stiles  der  rudolfinischen  Hofkünstler.  In  der  Landschaftskunst  erweist  sich,  daß  sich  eine  mit  R.  Savery
vergleichbare  Darstellungsweise  und  verwandte  Bildstrukturen  auch  bei  den  anderen  in  Prag  tätigen
niederländischen  Landschaftskünstlern  finden.  Auf  der  „Ansicht  der  Prager  Karlsbrücke  mit  der  Moldau“  von
Pieter  Stevens  (Pinselzeichnung,  aquarelliert,  1604-1607  zu  datieren)  erscheint  die  Karlsbrücke  zurückgeschoben ­
  und  der  Vordergrund  von  den  kurviert  gekräuselten,  diagonal  in  die  Tiefe  führenden  Wellen  des
Flusses  beherrscht,  die  in  der  linken  unteren  Ecke  ansetzen  und  den  Blick  im  Bogenschwung  in  den  Raum  leiten 15 .
Paulus  van  Vianen  (um  1570—1613)  hat  in  der  ihm  zugeschriebenen  Federzeichnung  „Felswand  mit  Zeichner“  so
komponiert,  daß  von  rechts  sich  zwei  gestaffelte  Felswände  in  den  Bildraum  vorschieben,  vergleichbar  der
13 )  H.  G.  Franz,  1987  (zit.  Anm.  1),  S.  73,  Abb.  14.
14 )  H.  G.  FRANZ,  Meister  der  spätmanieristischen  Landschaftsmalerei  in  den  Niederlanden,  Jahrbuch  des  Kunsthistorischen  Institutes  der
Universität  Graz  3/4  (1968/69),  Abb.  65,  69,  71,  72.  -  K.  Ertz,  Jan  Brueghel,  Freren  1985.
15 )  „Prag  um  1600“,  Bd.  1  (zit.  Anm.  10),  S.  397,  Nr.  275,  farbige  Abb.  auf  S.  265.
            
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