Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 40 (N.F.) (XL=76)

32

Ch.  Becher  -  O.  Gamber  -  W.  Irtenkauf

Stechtartsche,  Stechhandschuh,  zwei  Brechscheiben  und  Roßstirn  in  Wien  (Waffensammlung,  Inv.  A  2222,  B  56,
B  73  a,  A  610  a,  b,  A  2236),  ferner  eine  dritte  Brechscheibe  in  Paris  (Musee  de  l’Armee,  Inv.  G  117).
Vom  Feldküriß  sind  überliefert  der  Mantelhelm  in  Leningrad  (Eremitage,  Inv.  Z.  O.  3947),  ein  halber  Bart  und
die  Visiersturmhaube  in  Paris  (Musee  de  l’Armee,  Inv.  H  302  und  H  265),  Fragmente  einer  offenen  Sturmhaube,
eines  Sturmhaubenbartes  sowie  die  Uberbrust  in  Baltimore  (Walters  Art  Gallery,  Inv.  51.1367  A-C),  der
Turnierhandschuh  in  London  (Wallace  Collection,  Inv.  A  270),  die  Armzeuge  samt  rechter  Verstärkung,  eine
halbe  Roßstirn  und  eine  Brechscheibe  in  Wien  (Waffensammlung,  Inv.  A.  610,  A  2260,  A  641).
Von  allen  überlieferten  Augsburger  Plattnerwerken  mit  Ätzdekor  von  Jörg  Sorg  stellt  die  Frauenpreiß-Garnitur
  das  am  besten  erhaltene  und  umfangreichste  Ensemble  dar.

Literatur  zum  Werk:
Kopialbuch  Maximilians  II.  von  1547-1551  in  Stift  Reun,  mitgeteilt  von  J.  LOSERT,  österreichische  Geschichtsquellen,  Bd.  48,  2.  Teil,  Wien
1896,  S.  457-475  (Brief  vom  27.  Februar  1549).
B.  THOMAS,  Die  Harnische  Maximilians  II.  von  1550,  in:  Zeitschrift  des  deutschen  Vereins  für  Kunstwissenschaft,  Bd.  9,  Berlin  1942,
S.  91-120.
O.  GAMBER,  Die  Harnischgarnitur,  in:  Livrustkammaren,  Bd.  7,  Stockholm  1955-1957,  S.  45-114  (II.  Teil,  S.  84  ff.).
A.  V.  B.  Norman,  Amendments  and  Additions  to  the  Catalogue  of  Armour  in  the  Wallace  Collection,  in:  The  Journal  of  the  Arms  &  Armour
Society,  Bd.  7,  1972,  S.  221  f.  (Nr.  A  270).

MATTHÄUS  FRAUENPREISS  DER  JÜNGERE
Er  wurde  zu  Ende  des  Jahres  1530  in  Augsburg  geboren,  als  Sohn  des  Plattners  Matthäus  Frauenpreiß  d.  Ä.
(t  1549)  und  der  Anna  Herzier  (Witwe  des  Briccius  Helmschmid).  Er  wuchs  im  ehemaligen  Helmschmidischen
Haus  an  der  Hornbruck  in  der  Schmiedgasse  auf,  erlernte  das  Plattnerhandwerk  in  der  Werkstatt  seiner  Mutter
und  bei  seinem  Vater.  Als  der  Vater  starb,  arbeitete  er  bereits  als  Geselle  und  könnte  möglicherweise  dessen
unvollendete  Arbeit  beendet  und  ausgeliefert  haben.  Seine  Mutter,  Anna  Herzier,  führte  den  Betrieb  bis  zu  ihrem
Tode  weiter  (t  1570).  Sie  steuerte  für  das  Jahr  1550  die  beachtliche  Summe  von  8  Gld.  15  Kr.  und  6  Pfg.  Matthäus
Frauenpreiß  „jung“  -  wie  er  laut  Steuerbuch  genannt  wurde  -  blieb  auch  als  Geselle  im  mütterlichen  Betrieb,
steuerte  jedoch  ab  1555  bereits  selbständig.
1550  heiratete  er  Anna  Lotter.
1551  wurde  seine  Tochter  Maria  geboren.  Jörg  Sorg  d.  J.  ätzte  für  ihn  den  ersten  Harnisch.
1555  erlangte  er  das  Meisterrecht.  Er  steuerte  bis  1557  gleichbleibend  30  Pfg.  3  Gld.  und  45  Kr.
1558-1562  betrug  seine  jährliche  Steuer  durchschnittlich  30  Pfg.  5  Gld.  und  6  Pfg.  Sein  Sohn  Matthäus  (IIL)
wurde  vor  1560  geboren.
1560  starb  seine  Frau.
1561  heiratete  er  das  zweite  Mal,  und  zwar  Maria  Schnitzer.
1562-1567  stieg  seine  Steuerleistung  auf  30  Pfg.  6  Gld.  und  6  Pfg.
1565  starb  seine  zweite  Frau.  Pfleger  für  seinen  Sohn  wurde  sein  Stiefbruder  Hanns  Helmschmid.
1566  heiratete  er  zum  dritten  Mal:  die  Jungfrau  Anna  Fuggerin.
1570  am  12.  April  starb  seine  Mutter.
1572  (31.  Mai)  In  einem  Brief  Hanns  Fuggers  an  Balthasar  Trautson  wurde  über  ihn  berichtet,  er  sei  in  Abfall
gekommen  und  habe  von  der  Werkstatt  lassen  müssen.  Es  ist  anzunehmen,  daß  dies  aus  gesundheitlichen
Gründen  geschah.
1573  wohnte  er  beim  „Sträffinger  Tor“,  hatte  also  auch  die  Werkstatt  an  der  Hornbruck  aufgegeben.
1574  steuerte  er  das  letzte  Mal.
1575  wurde  Jörg  Sorg  d.  J.  zum  Pfleger  für  seinen  Sohn  ernannt,  welcher  auch  im  Hause  Sorgs  (wahrscheinlich
bei  „Salta  ad.  S.  Crucis“)  lebte.  Man  kann  daraus  den  Schluß  ziehen,  daß  Matthäus  d.  J.  in  diesem  Jahre
starb.
Wappen:  s.  bei  Matthäus  Frauenpreiß  d.  Ä.
Seine  Arbeiten  im  Codex:
1551:  fol.  16  /  1552:  fol.  24  v  /  1553:  fol.  31  /  1556:  fol.  34,  35  /  1559:  fol.  41,  41  v  /  1563:  fol.  44  v.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.