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Hans Veieghe
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80. Peter Paul Rubens, Die „Reitschule“. Ehemals Berlin, Kaiser-Friedrich-Museum
bindung bringen 18 . Dieses mit einem von Marcus Sadeler radierten Stiche (Abb. 72) ikonographisch ver
gleichbare Porträt stellt die Kaiserin fast in ganzer Figur in einem schwarzseidenen Gewand dar, das
mit den weißen Manschetten, Kragen und Taschentüchlein stark kontrastiert. Die aus dem 16. Jahr
hundert überlieferte Pose 19 und der vor allem durch das linear aufgefaßte Granatapfelmuster des Hinter
grundbehanges hervorgerufene flach-dekorative Eindruck des Gemäldes ist für die ältere Zuschreibung
dieses schönen Porträts wohl nicht unwichtig gewesen. Diesen etwas linearen Eindruck wird man in
De Crayers Werken aus den zwanziger Jahren vermissen. Im übrigen kann der etwas puppenhaft aus
sehende Kopf der jungen Frau gut verglichen werden mit der Gestaltung des Salome-Gesichtes auf der
Mitteltafel des Brüsseler Sankt Johannis-Triptychons. Das Datum 1618, das Todesjahr der Kaiserin,
ist deshalb wohl als „terminus ante quem“ zu begreifen; andererseits sollte das Jahr ihrer Heirat,
1611, hier als „terminus post quem“ angenommen werden.
18 ) G. Glück war der Meinung, daß nicht Kaiserin Anna, sondern die im Jahre 1606 geborene Infantin Maria-Anna, eine der
Töchter Philipps IV., auf dem Stockholmer Bildnis dargestellt sei. Gegen diese Behauptung ist folgendes einzuwenden: 1. die
Buchstaben M und A, die im Fächer verarbeitet worden sind und von Glück als die Initialen der spanischen Infantin, statt
jener von Matthias und Anna, gedeutet wurden, stimmen nicht überein mit jenen auf dem vermutlichen Kinderbildnis der
Infantin Maria-Anna von Pantoja de la Cruz im Kunsthistorischen Museum zu Wien (Kat. 1928, Nr. 598; Abb. in G. Glück,
Das Rätsel..., a. a. ()., 1933, S. 176 und 178); 2. die Physiognomie der Dargestellten zeigt keinerlei Übereinstimmung mit den
von Glück zum Vergleich angeführten Bildnissen der Infantin von Rubens und Velazquez (Abb. in G. Glück, Das Rätsel...,
a. a. O., 1933, S. 179 und 180); 3. im Gegensatz zu Glücks Meinung bestand die Mode des emporstehenden Spitzenkragens schon
vor den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts, wie z. B. durch das berühmte frühe Bildnis der Jacqueline de Caestre von Van
Dyck im Brüsseler Museum bewiesen werden darf (Kat. 1959, Nr. 387, als „P. P. Rubens“; Abb. in G. Glück, Antoon Van
Dijck; des Meisters Gemälde, Stuttgart-Berlin 1931, S. 151).
19 ) Vgl. das mit Recht Pourbus zugeschriebene Bildnis einer Dame, versteigert am 24. Okt. 1946 auf der Auktion Lemle zu
New York (Parke-Bernet, Kat. Nr. 38 mit Abb.).