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Franz Unterkircher
er mit ähnlichen Bräuchen in Lyon und in Venedig 20 . Besonderen Wert haben die Berichte Gundlachs,
wenn er von festlichen Veranstaltungen erzählt, die er miterlebt hat, wie die Trauerfeierlichkeiten für
Philipp II. in Burgos 21 oder den Einzug Philipps III. in Madrid 22 .
Die Disposition des ganzen Werkes ist klar und übersichtlich. Seine Lektüre vermittelt tatsächlich
ein brauchbares Wissen über die Landeskunde von Spanien um 1600. Unschätzbar sind die Anweisungen
für eine Spanien- und Portugalreise, die er am Schluß des Werkes aufgezeichnet hat, zugleich mit einer
Karte der Halbinsel, auf der der vorgesch'agene Reiseweg genau eingezeichnet ist 23 .
Es ist ein gutes Zeugnis für die logische Gliederung und Einrichtung des Buches, daß der beigegebene
Index huius operis copiosissimus, der zehn doppelspaltige Seiten einnimmt, auch für den modernen
Benützer des Werkes durchaus brauchbar ist.
Die Sprache kann man als bequemes Gebrauchs-Latein bezeichnen, das nicht ungern die klassische
Bildung des Verfassers durchscheinen läßt. Es gibt aber innerhalb dieser internationalen Umgangssprache
manchmal Stellen, an denen seltene, oft nur bei einem sehr frühen Autor belegte - vielleicht auch erst
zu Gundlachs Zeit geprägte-Vokabeln geradezu gehäuft Vorkommen, wie etwa bei der Beschreibung des
Fischmarktes von Lissabon 24 . Auch sonst liebt es Gundlach, da und dort ein ungebräuchliches Wort
einzuflechten.
Gundlachs Spanienbuch ist auch nach seiner Rückkehr in die kaiserliche Bibliothek so verborgen
geblieben, daß nicht einmal ein so guter Kenner der gedruckten und geschriebenen Spanien-Literatur
wie Ludwig Pfandl etwas davon wußte. Pfandl hat 1920 das „Itinerarium Hispanicum“ des Hieronymus
Münzer publiziert 25 und berichtet in seinem Werk „Spanische Kultur und Sitte des 16. und 17. Jahrhunderts“
von verschiedenen Spanienreisen und -reisenden dieser Zeit 26 . Gundlach verdiente in der Reihe
der von Pfandl genannten Autoren einen bevorzugten Platz, auch wenn sein Werk nur Manuskript
geblieben ist.
Eine Publikation desselben in seinem ganzen Umfang ist nicht möglich, und an die Ausstattung des
Originals könnte sie nie heranreichen. Es muß zunächst genügen, den daran interessierten Kreisen die
Persönlichkeit Gundlachs und sein Werk in großen Umrissen vorzustellen. Das gilt sowohl für den Text
als auch für die Bilder. Bezüglich des Textes erscheint es überflüssig, die Quellen Gundlachs im einzelnen
nachzuweisen. Die Namen, die er selbst in seinem Quellenverzeichnis nennt, sind jedem Kenner der
Materie bekannt. Bei der Auswahl der Textstellen wurde besonderer Wert darauf gelegt, nur solche
Abschnitte auszusuchen, die Gundlach persönlich verfaßt hat und die in irgendeiner Hinsicht von
geschichtlicher, kunstgeschichtlicher oder kulturgeschichtlicher Bedeutung sind.
Von den zahllosen antiken und mittelalterlichen Inschriften, die teils nur im Text, vielfach aber auch
im Bild wiedergegeben sind, wird überhaupt keine Probe gegeben. Es ist Sache eines Archäologen,
einmal am Original zu überprüfen, ob sich darin Denkmäler festgehalten finden, die inzwischen verschwunden
sind.
Vom künstlerischen Schmuck des Werkes kann nur die eine oder andere Probe geboten werden.
Auf das wesentliche Element, die Farbe, muß leider verzichtet werden.
Es erscheint überflüssig, jene Stadtansichten Gundlachs zu reproduzieren, die er zur Gänze aus
Braun-Hogenberg übernommen hat. Nur um an einem Beispiel den Stammbaum Hoefnagel - Braun-Hogenberg
— Gundlach aufzuzeigen, wird diese Reihenfolge an der Darstellung von Conil demonstriert
(Abb. 198-200). Wichtiger ist es, die Ansichten wiederzugeben, die sich nicht bei Braun-Hogenberg
finden und daher wohl auf graphische Einzelblätter zurückgehen (Abb. 201-203, 205-211). Vielleicht
lassen sich in irgendeiner Sammlung die unmittelbaren Vorbilder entdecken - in Wien war es nicht
möglich, solche zu finden. Besonders überraschend ist es, daß bisher keine frühere Darstellung von Madrid
2n ) p. 437; vgl. unten S. 183.
21 ) p. 545-546; vgl. unten S. 185.
22 ) p. 592-594; vgl. unten S. 189.
23 ) p. 693-700; vgl. unten S. 193-195; Abb. 204.
u ) p. 669; vgl. unten S. 191.
25 ) Itinerarium Hispanicum Hieronymi Monetarii 1494—1495. Hrsg, von Ludwig Ufa ndl, New York, Paris 1920 (Extrait de la
Revue Hispanique, tome XLVIII).
20 ) Kempten 1924,