Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 20 (N.F.) (XX=56)

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Franz  Unterkircher

Mühe  gewesen  sein,  den  auch  auf  den  Bildseiten  und  -blättern  fortlaufenden  Text  so  zu  gliedern,  daß
sieh  für  die  Bilder  immer  der  richtige  Platz  ergab.
4.  Archäologische  Zeichnungen.  Gundlach  begnügt  sich  nicht  damit,  viele  Hunderte  von  antiken
Inschriften  aufzuzeichnen,  die  sich  an  den  verschiedenen  Orten  Spaniens  gefunden  haben,  sondern  er
deutet  häufig  auch  die  äußere  Form  des  Inschriftsteines  oder  -denkmals  an.  167  solche  archäologische
Zeichnungen,  mit  hellen  Aquarellfarben  vom  weißen  Blattgrund  herausgehohen,  hat  Gundlach  seinem
Werke  eingefügt.  In  den  meisten  Fällen  sind  es  einfache  Tafeln,  bei  denen  nur  die  Ränder  innerhalb
der  Federzeichnung  einen  leichten  farbigen  Saum  aufweisen.  Manchmal  ist  eine  unregelmäßige  Bruchstelle ­
  im  Stein  durch  die  Farben  hervorgehohen.  Unversehrte  Vorderseiten  von  Altären  oder  von  Stelen
sind  mit  allen  vor-  und  zurückspringenden  Simsen  in  Federzeichnung  ausgeführt  und  mit  Aquarellfarben ­
  schattiert,  Säulenstümpfe  oder  Rundaltäre  stehen  auf  einem  grünen  Boden,  aus  dem  noch
Grashüschel  wachsen.  Während  Gundlach  den  Quellenhinweis  für  seine  meist  von  Braun-Hogenberg
übernommenen  Städtebilder  darauf  beschränkt,  im  allgemeinen  Quellenverzeichnis  (auf  der  Rückseite
des  Titelblattes)  auch  den  Namen  Georgius  Braun  zu  nennen,  gibt  er  für  jede  einzelne  Inschrift  und
auch  für  jede  Inschriftzeichnung  die  Quelle  an,  aus  der  er  sie  übernommen  hat.  Die  häufige  Bemerkung
bei  diesen  Quellenangaben  e  schedis  („Gruteri“,  „Schotti“  u.  a.)  legt  die  Vermutung  nahe,  daß  Gundlach
außer  den  schon  gedruckt  vorliegenden  Werken  auch  die  Privatzeichnungen  einzelner  Gelehrter  benützen
konnte.
Die  Verschiedenartigkeit  der  Schmuckelemente  und  ihre  geschickte  Verteilung  über  den  ganzen
Text  bewirkt,  daß  dieses  Buch  als  Ganzes  ein  bedeutendes  Werk  der  Buchkunst  darstellt.  Wohl  wäre
es  seinerzeit  möglich  gewesen,  nach  dem  Wunsche  Lambecks  eine  Ausgabe  davon  zu  drucken.  Aber  der
eigenartige  Zauber,  der  von  der  Schrift  und  von  den  farbigen  Bildern  ausgeht,  ist  auf  den  handschriftlichen ­
  Band  selbst  beschränkt.  Auch  eine  Schwarz-Weiß-Reproduktion  aller  Karten  und  Bilder  hätte
den  besonderen  Charakter  verfälscht.  Das  mußte  schon  dem  Verfasser  bekannt  sein,  zu  dessen  Zeit
eine  farbige  Reproduktion  unmöglich  gewesen  wäre.  Es  ist  daher  wahrscheinlich,  daß  er  sein  Werk  zwar
mit  der  Hoffnung  geschrieben  hat,  es  einmal  gedruckt  zu  sehen,  daß  er  ihm  aber  die  vorliegende  farbige
Prachtausstattung  aus  einem  anderen  Grunde  mit  so  großer  Liebe  zuteil  werden  ließ  -  vielleicht  als
Widmungsexemplar  für  einen  hochstehenden  Gönner.

Der  Inhalt
Das  Werk  Gundlachs  ist  eine  großangelegte  Kompilation  aus  der  zu  seiner  Zeit  schon  sehr  umfangreichen ­
  Spanien-Literatur.  Er  kennt  und  exzerpiert  alle  großen  historischen  Werke,  einschließlich  der
antiken  Autoren.  Aus  den  geographischen  und  topographischen  Werken  benützt  er  sowohl  den  Text
als  auch  das  reiche  Abbildungsmaterial.  Diese  Quellen  seiner  Ausführungen  gibt  er  nicht  nur  in  der
reichhaltigen  Basis  huius  operis  am  Anfang  des  Buches  an,  sondern  er  verweist  auch  im  Text  häufig  auf
den  Autor,  dem  er  einen  bestimmten  Abschnitt  entnommen  hat.
Zu  diesen  aus  anderen  Büchern  geschöpften  Kenntnissen  gibt  der  Verfasser  an  vielen  Stellen,  besonders
bei  den  Beschreibungen  der  einzelnen  Städte  und  Sehenswürdigkeiten,  seine  eigenen  Beobachtungen.
Er  schildert  den  Eindruck,  den  die  berühmten  Bauwerke  auf  ihn  machen,  die  Pracht  der  großen  Kathedralen, ­
  den  Reichtum  in  der  Ausstattung  von  Schlössern,  ihre  Schatz-  und  Kunstsammlungen,  die
Park-  und  Gartenanlagen 14 .  Es  ist  nur  zu  bedauern,  daß  Gundlach  die  Namen  der  großen  Künstler
verschweigt,  deren  Werke  er  mit  solcher  Begeisterung  schildert.  Aber  es  geht  ihm  hier  offenbar  nicht  um
berühmte  Namen,  sondern  um  den  unmittelbaren  Eindruck,  den  diese  Werke  auf  ihn  -  und  wohl  auch
auf  seine  Zeitgenossen  —  ausübten,  sei  es  wegen  des  kostbaren  Materials  oder  wegen  des  Zusammenhangs
mit  berühmten  Persönlichkeiten.  So  wird  zum  Beispiel  zwar  berichtet,  daß  in  einem  Raum  des  Schlosses
von  Madrid  ein  Bild  hängt,  das  Karl  V.  und  den  Herzog  von  Sachsen  bei  der  Jagd  darstellt 15 ,  mit
keinem  Worte  aber  wird  der  Name  des  Künstlers  Cranach  genannt.  Dieses  interessierte  Eingehen  auf
das  Gegenständliche,  häufig  auch  auf  den  in  Golddukaten  angegebenen  Wert  eines  Schaustückes,  verrät

14 )  Vgl.  unten  die  ausgewählten  Abschnitte  des  Werkes!
15 )  Gundlach,  p.  586;  vgl.  unten  S.  186.
            
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