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Franz Unterkircher
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und 197. Titelvignetten des ersten und zweiten Hauptteiles (Cod. Vindob. 9481. pag. 191 und 351)
Gundlach mußte seine Vorbilder in den meisten Fällen in der Größe etwas reduzieren. Die Staffage-Figuren
übernimmt er nur selten, so daß seine Bilder in der Grundanlage ärmlicher sind als die Kupferstich-Vorlage.
Aber durch die Farbe macht er diesen Mangel mehr als wett.
Es ist nun reizvoll, beim Vergleich der Städtebilder Gundlachs nicht bei seiner unmittelbaren \ orlage
stehenzubleiben, sondern noch um einen Schritt weiter zu gehen. Die Vorlagen für die Kupferstiche bei
Braun-Hogenberg bilden die Federzeichnungen von Georg Hoefnagel, die in Cod. Min. 41 der Österreichischen
Nationalbibliothek auf bewahrt werden, zugleich mit den Bildern spanischer Städte von
Anton Wyngaerde 13 . Von den 45 Darstellungen, die Gundlach von Braun-Hogenberg übernommen hat,
finden sich 35 unter den Skizzen Hoefnagels. Diese Skizzen sind in klarer Zeichnung auf einem Papiei
festgehalten, das, wohl um die Übertragung dieser Vorzeichnung auf die Kupferplatte zu erleichtern,
mit einem Gradnetz überzogen ist. Die Kupferstiche halten sich bis in die kleinsten Einzelheiten an die
Vorlage, besonders auch in den Staffage-Figuren. Was der Kupferstich hinzufügt, das ist die 1 önung
und die dadurch auftretenden Schatten. Die weitere Übersetzung des Bildes in das Aquarell nimmt
alle Schatten fort und setzt an ihre Stelle das reiche Spiel der Farben.
Bei den Städtebildern Gundlachs darf auch nicht vergessen werden, daß sie nicht wie etwa bei Braun-Hogenberg
der eigentliche Inhalt des Buches sind, sondern daß sie sieb in den Text und in das Schriftbild
einfügen müssen. Das geschieht in den meisten Fällen so, daß auf einer der beiden Bildseiten oben
als Überschrift in großen Buchstaben der Name des Ortes steht, der auf dem Bilde dargestellt
wird. Die Bilder sind fast immer in der oberen Hälfte der Seite, lassen aber bis zum oberen Rand
noch Raum für einige Zeilen Text (Abb.205, 207, 208). Auf diese Weise wird ein gefälliges graphisches
Gesamtbild erzielt, das den Text in angenehmer Weise auflockert, ihm aber keineswegs den Vorrang
streitig macht.
Wie schon bemerkt wurde, sind alle Blätter, die Bilder tragen, eigens an Falze angeklebt und so in den
Lagenverband eingefügt. Es muß für den Autor, der zugleich sein eigener Schreiber war, keine kleine
13 ) Vgl. dazu E. Chmelarz, Georg und Jakob Hoefnagel, in Jb. 17 (1896), S. 276ff.