Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 20 (N.F.) (XX=56)

Dif.  Anfänge  des  Claude  Lorrain

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1  72.  Claude  Lorrain,  Hirtenlandschaft,  1629.  Gemälde.  Philadelphia,  Museum  of  Art

heimers  und  seines  Kreises  (Signiert:  CLA  VDIO  •  I  •  V  ROMA  1629.  Öl  auf  Leinwand,  106,7:148,6  cm;
Abb.  172).  Im  Sinne  Elsheimers  ist  die  intime  Geschlossenheit  der  waldigen  Szenerie  des  Vordergrundes,
die  durch  die  z-förmig  in  den  Raum  führende  Komposition  nicht  beeinträchtigt  wird,  weil  allenthalben
Baumgruppen  und  „boschetti“  die  Fernsicht  verstellen  oder  unterbrechen,  so  daß  der  Horizont  nur  in
einem  verhältnismäßig  schmalen  Ausschnitt  zu  sehen  ist.  So  hat  Elsheimer  die  Landschaften  in  den
Gemälden  des  Barmherzigen  Samariters  in  den  Museen  in  Leipzig  und  Nancy  oder  der  Büßenden  Magdalena ­
  im  Deutschen  Museum  in  Berlin  und  in  vielen  anderen  seiner  Bilder  komponiert 217 .  An  Elsheimer
erinnert  auf  dem  Gemälde  in  Philadelphia  auch  der  stimmungsmäßige  Gegensatz  zwischen  Nähe  und
Ferne,  dem  dunklen  Vordergrund  und  dem  lichten  Hintergrund,  die  Gestaltung  der  großen,  geschlossenen ­
  Baummassen,  die  den  tiefen  Schatten  hervorrufen  und  nur  vereinzelt  Licht  durchlassen.  Eine
ähnliche  Baummasse  hat  Claude,  wie  schon  erwähnt,  in  der  Radierung  „Sturm“  aus  dem  folgenden
Jahre,  1630,  dargestellt,  die  dort  allerdings  nicht  ganz  angebracht  erscheint  (Abb.  166).  Das  läßt  erkennen,
wie  Claude  in  diesen  Jahren,  als  sein  „Repertoire“  noch  klein  war,  an  den  bereits  erarbeiteten  Motiven
haftet.  An  Elsheimer  gemahnt  ferner  die  kleinmeisterliche,  minuziöse  Darstellung  der  Details,  vor  allem
des  Laubes,  die  dem  Kräuselstil  der  ersten  Radierungen  und  frühen  Federzeichnungen  Claudes  entspricht.
Auffallend  ist  nur,  daß  diese  kleinmeisterliche  Maltechnik  auf  einem  verhältnismäßig  großen  Bildformat
(106,7:148,6)  angewandt  ist.  Darin  war  wohl  Tassi  Claudes  Vorbild,  sein  Lehrer,  der  zuerst  Elsheimers
Stil  auf  große  Gemälde  und  sogar  in  die  Freskomalerei  übertragen  hatte.  Es  seien  sein  „Frühstück  im
Freien“  in  den  Uffizien,  „Diana  und  Aktäon“  in  der  Galerie  Pitti,  die  Paulusfresken  im  Quirinaispalast
und  die  Fresken  mit  Rinaldo  und  Armida  im  Palazzo  Lancellotti  genannt,  Werke,  die  auch  in  ihrer

2l7 )  Weizsäcker,  Elsheimer,  I,  Taf.  137,  138,  140.
            
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