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Eckhabt Knab
Die zuletzt erwähnten Radierungen sind alle in der „breiten Manier" ausgeführt, wie schon angedeutet
etwas trocken und ziemlich exakt. Die „feine Manier“ in der Art des „Bouvier zeigt die Radierung
„Tanz am Wasser“ („La Danse au bord de l’eau“, R. D. 6 - Blum 19; Abb.165), die schon gelegentlich
der Vorzeichnung im Ashmolean Museum genannt wurde (Abb. 164). Sie wiederholt ein Gemälde, das sich
in der Sammlung Edgar Kaufmann in New York befindet, ist diesem aber an Stimmung, vor allem in
der Art des Lichtes überlegen. W. G. Constable hat auf die Verwandtschaft mit der Bostoner „Mühle
von 1631 hingewiesen. Der Vergleich zeigt aber auch, wie Claude über das frühere Werk hinausgewachsen
ist. An den Stil der Frühzeit gemahnen besonders die hochragenden, etwas isolierten Baumkronen hinter
der Mühle, deren Umrisse fast kalligraphisch wirken. Sie verleihen dieser Komposition eine Note vornehmer
Verhaltenheit, die auch die Bauernszene im Vordergrund bestimmt. Diese stellt vielleicht die
früheste Fassung des bei Claude so häufig wiederkehrenden Themas des „Ländlichen Tanzes" dar, das
in der genannten Auffassung als sein Eigen zu betrachten ist. Zwei Generationen später, im Zeitalter
Watteaus, sollten auf ähnliche Weise Motive des niederländischen Naturalismus mit französischer Grazie
verbunden werden. Wesentlich derber, auch in der Ausführung, ist die gegenständlich verwandte
Radierung „Tanz unter Bäumen“ („La Danse sous les arbres“, R. D. 10 Blum 35), eine freie, stark
vereinfachte Wiederholung des für Urban VIII. gemalten „Ländlichen Tanzes“ (L. Y. 13) 2M .
Im gleichen Jahre hat Claude für den spanischen Gesandten in Rom, den Marchese de Castel Rodrigo,
eine Radierungenfolge von Feuerwerken geschaffen („Feux d’Artifice“, R. I). 28-40 - Blum 20-32),
die als Buchillustration gedacht waren und auch in zwei verschiedenen Publikationen erschienen
sind 215 . Die darin dargestellten Feuerwerke hat der Marchese anläßlich der Wahl des späteren Kaisers
Ferdinand III. zum Römischen König veranstaltet. Die Radierungen, die auch kulturhistorisch und
emblematisch interessant sind, zeigen Claudes Fähigkeit, luminaristische Effekte und Stadtansichten
darzustellen. Er schildert Plätze, Straßen und Gebäude seiner unmittelbaren Umgebung, die schon von
den „Stati delle Anime“ her geläufig sind, die Piazza di Spagna, die Vie Babuina, Due Maccelli, delle
Fratte, die Kirche S. Atanasio dei Greci, den Palazzo di Spagna, Palazzo Mignanelli und das Collegium
„Propaganda Fide“. Vergleichbar mit diesen Radierungen sind Vedutenzeichnungen derselben Zeit,
wie die Ansicht des Platzes von S. Maria Maggiore im Musee Conde in Chantilly 216 . In solchen Darstellungen
knüpft Claude wiederholt an das Schaffen seines Lehrers Tassi an und an dessen Florentiner
Vorgänger, Cantagallina vor allem. Die Verwandtschaft mit den Veduten Callots ist durch den Schulzusammenhang
zu erklären. Historisch wichtig ist die Tatsache, daß Claude schon 1637 von spanischer
Seite einen Auftrag erhielt, und zwar von demselben Mann, der Giovanni del Campo (Jean Ducamps),
das Haupt der „Bent Vueghels“, beschäftigte und im folgenden Jahre mit nach Madrid nahm. Hatte
dieser den Marchese auf Claude aufmerksam gemacht? Auch Pieter van Laer arbeitete für einen spanischen
Auftraggeber, Don Fernando Afan de Ribera, Herzog von Alcala, dem er die früher erwähnte
Folge von Radierungen aus dem Bauern- und Herdenleben gewidmet hat. Die Nähe der spanischen
Botschaft zum Künstlerviertel der Via Margutta mag dabei mitgespielt haben. Liegt aber nicht auch
die Vermutung nahe, daß der Marchese de Castel Rodrigo das Augenmerk seines Königs, Philipps IV.,
auf Claude Lorrain gelenkt habe, was zu dem großen Gemäldeauftrag geführt haben mag? Auch dies
spräche für eine frühere Datierung der im Prado befindlichen Bilder Claudes, um 1639, wie sie Kitson und
Röthlisberger vorgeschlagen haben 216 “.
Gemälde
Das früheste bekannte Gemälde des Claude Lorrain, die 1629 datierte Hirtenlandschaft im Philadelphia
Museum of Art, steht wie viele andere Frühwerke Claudes unter dem Einfluß der Kunst Els-214
) M. Kitson hat festgestellt, daß sieh die ursprüngliche Fassung dieses Bildes in der Sammlung des Earl of Yarborough befindet
und zum Unterschied von der späteren und vergrößerten Fassung des Louvre aus dem Jahre 1639 schon 1637 datiert ist. Dieses
Datum gilt somit auch für die übrigen für Urban VIII. gemalten Bilder Claudes. Siehe Kitson-Röthlisbergee, S. 328 ff.
215 ) F. DEL Tal, Le Livre des Feux d’Artifice de Claude Lorrain, in: Gazette des Beaux-Arts, Tome XI, Paris 1861, S. 225ff.
(Inhaltsangabe des Buchtextes und Beschreibung der dargestellten Stadtveduten). - Pattison, S. 172ff.
216 ) Friedlaender, Abb. S. 183. Auch die vedutenhafte Ansicht eines römischen Palastportales (Quirinal?) im Teyler Museum
(Schölten 75) ist in diesem Zusammenhänge anzuführen.
2i6a) j\ n thony Blunt schlägt dieses Datum auch für die von Poussin, Jan Both und Swanevelt für den Palast Buen Retiro in Madrid
gemalten Anachoretenbilder vor: A Series of Anachorite Subjects commissioned by Philip IV from Poussin, Claude and others
(Poussin Studies VIII), in: The Burlington Magazine, Vol. CI, London 1959, S. 389f. Siehe auch Waddingham (zit. Anm. 57).