Die Anfänge des Claude Lorrain
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Jan Both, Asselijn, Bereitem und ebenso Swanevelt, zum Vorbild wurde. „Campo Vaccino“ und ,,Le
Bouvier“ können nicht mehr als Früh werke im eigentlichen Sinne angesprochen werden. Sie fußen
zwar auf jenen, fassen aber deren Errungenschaften in eine Form, die für mehr als ein Jahrzehnt Claudes
weiteres Schaffen bestimmen sollte.
Die neue, plastischere Darstellung von Figuren, die deren Funktion in der Landschaft bewußt macht,
wie sie in der „Herde an der Tränke“ und im „Campo Vaccino“ auffällt, zeigen auch Radierungen,
deren Komposition noch altertümlich, diagonal und vielgliedrig ist, wie der „Aufbruch der Herde“
(„Le Depart pour les champs“, R. D. 16 - Blum 15; Friedlaender, Abb. S. 129) und der „Zeichner“
(„Le Dessinateur“, R. D. 9 - Blum 14) 208 . Sie sind als Übergangswerke zu bezeichnen. Im landschaftlichen
Aufbau erinnern sie an Bril, die zweite mit dem Hafen auch an Tassi. Bemerkenswert sind in
ihnen die betonten Gesten der Figuren, die den Beschauer auf einzelne Motive oder in den Raum, in die
Bewegungsrichtung weisen, ein von nun an häufig verwendetes Mittel Claudes, Aufmerksamkeit zu
erregen. Im „Zeichner“ ist es zu oft gebraucht, was auf neue Errungenschaft deutet. Allgemein ist festzustellen,
daß nun auch die menschlichen Figuren mit größerer Sicherheit gezeichnet sind.
Daß Altes neben Neuem fortlebt, zeigt auch die Radierung „Schiffbruch“ („Le Naufrage“ R. D. 7 -
Blum 12), die an den „Sturm“ von 1630 anknüpft und in ihrer hohen Bewegtheit an die „heroischen“
Meerlandschaften der Frühzeit Paul Brils erinnert. Zu dieser Radierung, die abermals ein im Liber
Veritatis (fol. 33) verzeichnetes Gemälde wiederholt, sind Studienzeichnungen bekannt, auf stürmischen
Wogen segelnde Schiffe, die den schwungvollen malerischen Stil der mittleren Dreißigerjahre zeigen 209 .
Kompositionsgedanken Elsheimers, besonders seiner Spätwerke wie der „Morgen im Gebirge“ im
Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig, leben in der „Flucht nach Ägypten“ (R. D. 1 - Blum 2;
Friedlaender, Abb. S. 128) fort. Die Heilige Familie zieht im Schutze einer geschlossenen Waldkulisse,
hinter der sich eine weit überschaubare Landschaft öffnet. Auf ähnliche Weise hat Elsheimer auch in
seinen zahlreichen Tobiasdarstellungen die Figuren mit Baumkulissen begleitet 210 . Wegen ihrer Verwandtschaft
mit Elsheimer wird diese Radierung allgemein früh datiert. Ihre weite Horizontalkomposition
und die entschiedenen Bewegungen der Figuren weisen aber auf die mittleren Dreißigerjahre.
Elsheimers Einfluß wirkt im Kompositionellen bei Claude lange nach, bis ins Alter 211 . Wichtig ist festzustellen,
daß Claude die Horizontalkomposition, die Annibale Carracci in die Landschaftskunst eingeführt
hatte, auch von Werken Elsheimers übernommen hat.
In der Art des „Hafens bei Sonnenaufgang“ von 1634 sind die Radierungen „Hafen mit großem
Turm“ („Le Port de mer ä la grosse tour“, R. D. 13 - Blum 16; Friedlaender, Abb. S. 130) und „Hafen
mit Leuchtturm“ („Le Port de mer au fanal“, R. D. 11 — Blum 13) komponiert. Die erste stimmt mit
dem auf Folio 17 des Liber Veritatis wiedergegebenen Bild überein, zu dem sich eine \ orzeichnung in
den Uffizien befindet 212 ; die zweite ist der Komposition auf Folio 4 des Liber Veritatis verwandt.
Gegenüber der Radierung von 1634 ist in diesen Hafendarstellungen mehr Gewicht auf das Konstruktive
der Komposition gelegt, auf technische Einzelheiten und die Figuren, die besonders artikuliert sind -
wohl auf Kosten der landschaftlichen Stimmung. Diese betont konstruktive Gestaltungsweise, in
welcher Claude sein perspektivisches Können, das er von Tassi erlernt hat, vor Augen führt, zeigen
mehrere der zahlreichen Hafenbilder, die er in diesen Jahren gemalt hat 213 .
2H8 ) Dio Radierung „Le Dessinateur" ist nach einem heute im Cincinnati Museum of Art befindlichen Gemälde (L. \ . 44) ausgeführt.
Eine friesartige, sehr trocken ausgearbeitete Zeichnung zu dieser Komposition, in der die in die Weite weisenden Gesten
sinnvoller wirken, besitzt das British Museum (Hind 198).
20 ») British Museum: Hind 4 (Abb.: Govvans, S. 16). Auf der Rückseite zwei Ansichten von Civitavecchia. Louvre: Demonts 12,
13. Ehern. Slg. Henry Oppenheimer, reproduziert in: The Vasari Society for the Reproduction of Drawings by Old Masters.
Second Series, Part I, 1920, Nr. 11 (heute im Museum in Chicago). Vgl. auch L. V. 72 und 74 und L. V. III, 44.
21 °) Weizsäcker, Elsheimer I, Taf. 135 (Nr. 154), 50ff.
m ) Vgl. Knab, Alte und Neue Kunst, 1953, S. 158 ff. und dort Anm. 52.
212 ) Das entsprechende Gemälde im Museum in Grenoble ist seitenrecht zur Radierung und vermutlich eine Wiederholung.
Vgl. den Ausstellungskatalog: „Le XVII” Siede frangais“, Petit Palais, Paris 1958, Nr. 46 (bearbeitet von M. Kitson). Die
Zeichnung der Uffizien ist locker und malerisch angelegt und zeigt Übertragungsspuren. Sie dürfte also auch für die Radierung
benützt worden sein (Inv. 1373 E; Photo Braun, Nr. 933).
2n ) Siehe L. V. 6. 14, 19, 28-31 ; ferner Vallery-Radot (zit. Anm. 180), PI. 64: in dieser Hafenzeichnung des British Museum
(Hind 257) schließt ähnlich wie in der Radierung „Le Port de mer au fanal“ ein Schiffsheck die offene Seite der Komposition
ab: eine frühe Form symmetrischer Kompositionsgestaltung bei Claude,