Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 20 (N.F.) (XX=56)

Die  Anfänge  des  Claude  Lobrain

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124.  Claude  Lorrain,  Straße  bei  Rom,  1627.  Zeichnung.  Florenz,  Museo  Horne,  Inv.  5815

DIE  FRÜ  H  WERKE  DES  CLAUDE  LORRAIN
Zeichnungen
Das  früheste  datierte  Werk  Claudes  ist  eine  Zeichnung.  Deshalb  sei  zuerst  von  Zeichnungen  gesprochen.
Das  bereits  erwähnte,  1627  datierte  Blatt  im  Museo  Horne  in  Florenz  stellt  eine  von  ummauerten  Gärten
gesäumte  Straße  der  Umgebung  von  Rom  dar,  die  von  einem  Reiter  und  einigen  Wanderern  belebt  ist,
ein  im  Schaffen  Claudes  häufig  wiederkehrendes  Thema  (Inv.  5815,  Feder,  130:190;  Abb.  124) 12S .  Die  oft
absetzende,  auf  Einzelheiten  eingehende  Federzeichnung  läßt  die  künstlerische  Herkunft  von  Tassi,
Wals,  Baratta  und  Bril  deutlich  erkennen.  Trotz  pittoresker  Reize  ist  dieses  Blatt  noch  ein  rechtes  Anfängerwerk ­
  ohne  ausgeprägte  persönliche  Note.  Erstaunlich  ist,  daß  Claude,  als  er  diese  Zeichnung  schuf,
bereits  siebenundzwanzig  Jahre  alt  war,  also  in  einem  Alter  stand,  in  dem  andere  seiner  Zeitgenossen  -
denken  wir  nur  an  Elsheimer,  Liss,  Feti  und  Saraceni  -  schon  die  Höhe  oder  das  Ziel  ihres  Schaffens
erreicht  hatten.
Denselben  Stil  wie  das  Blatt  des  Museo  Horne  zeigen  vier  weitere  Zeichnungen,  die  ebenfalls  vorwiegend ­
  mit  der  Feder  ausgeführt  und  untereinander  nahezu  gleich  groß  sind,  90:125  mm  im  Durchschnitt.
Dies  läßt  vermuten,  daß  sie  aus  demselben  Skizzenbuch  stammen.  Eine  von  diesen  Zeichnungen,  die
Studie  der  Cestius-Pyramide  im  Ashmolean  Museum  zu  Oxford,  ist  überdies  auf  der  Rückseite  von
Claude  eigenhändig  signiert,  wodurch  die  Zuschreibung  der  ganzen  Gruppe  gesichert  erscheint  (Charles
Emanuel  Gift  1950.  Feder,  90:126;  Abb.  125).  Von  den  übrigen  drei  Zeichnungen  befinden  sich  zwei  auf
Schloß  Windsor  und  eine  in  der  ßcole  des  Beaux-Arts  in  Paris.  Sie  stellen  Mauer  und  Park  einer  römischen ­
  Villa,  einen  auf  einem  Gerüst  sitzenden  Zeichner  vor  einem  Säulenporticus  mit  antiken  Statuen
und  eine  weitere  Ansicht  der  Cestius-Pyramide  dar  (Blunt  50,  59.  Feder  und  Feder  mit  Bister  laviert,
127  bzw.  128:93.  -  ß.  B.  A.,  Inv.  34.825  bis,  82:132) 129 .  Vergleicht  man  die  Darstellungen  der  Cestius-Pyramide
  mit  jenen  von  Wals  und  Baratta,  so  zeigt  sich  abermals,  wie  sehr  Claude  um  diese  Zeit  noch
vom  Schaffen  seiner  Lehrer  beeinflußt  ist.  Besonders  unbeholfen  wirkt  die  Zeichnung  der  Ecole  des
128 )  Links  eigenhändig  bezeichnet  und  datiert:  24  feto  1627.  Die  teilweise  ausgekratzte  und  nicht  mehr  zusammenhängend
lesbare  Aufschrift  rechts  unten  stammt  von  anderer  Hand,  vielleicht  einem  Sammler.
129 )  Die  Darstellung  des  Zeichners  ist  auch  gegenständlich  interessant,  besonders  im  Hinblick  auf  Sandrarts  Bericht  über  das
emsige,  aber  wenig  erfolgreiche  Figuren-  und  Statuenzeichnen  Claudes  und  die  ,,Galleria  Giustiniana“.
            
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