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Oben: 2. Relief aus dem Hateriergrab, Rom, Lateran, Museo profano
Unten: 3. Konstantinsbogen, Rom, Oratio
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Das gleiche gilt von zwei um etwa zwanzig Jahre jüngeren spätantiken Reliefs vom Konstantinsbogen:
der Schlacht an der Milvischen Brücke und der Eroberung von Verona 11 . Sicherlich besteht bei den
dort sparsam verwendeten architektonischen Teilen an den Reliefrändern ein gewisser topographischer
Zusammenhang mit der tatsächlichen Örtlichkeit und auch eine raumillusionistische Absicht; aber in der
Art ihrer Darstellung werden diese topographischen Details gegenüber jenen des 1. und 2. Jahrhunderts
von einer fortschreitenden Erstarrung und Schematisierung erfaßt. Mit dieser Erstarrung der einzelnen
Formen hängt auch die Zerteilung ihres hintergrundbildenden Zusammenhanges und die Isolierung einzelner
Teile zusammen.
Bei den Reliefs der Trajanssäule handelt es sich um einen Bild für Bild einheitlich komponierten Raum
mit architektonischem Hintergrund, in dem sich die Szene ahspielt. Auf der Markussäule wurden bereits
in einem Fall einzelne Architekturen dazu verwendet, um einen besonderen Rahmen für eine Personengruppe
zu bilden, wurden also in eine besondere, nicht rein topographische Beziehung zu den Figuren
gesetzt. Schließlich ist beim Galerius- und beim Konstantinsbogen der topographische Zusammenhang
dieser Architekturen nur mehr zu vermuten und der raumbildende Charakter kaum mehr vorhanden.
Das heißt: aus den ehemals geschlossenen Architekturdarstellungen sind Versatzstücke geworden.
Unter den Bildern der zweiten Gruppe sind vor allem jene, die thematisch als „Staatsaktbilder“
zusammengefaßt werden können, für die weitere Entwicklung der Raumdarstellung von Bedeutung.
Die wichtigsten Staatsaktbilder sind die Reliefs vom Trajansbogen in Benevent, die hadrianischen
sogenannten Plutei Trajani auf dem Forum Romanum und die Marc-Aurelischen Reliefs an der Attika
des Konstantinsbogens. Auf diesen Reliefs sind, wie gesagt, feierliche Staatsakte dargestellt, die auf
bekannten Plätzen - etwa dem Forum - und vor bekannten Gebäuden abgehalten werden. So spielen
sich z. B. die Szenen auf den Plutei auf dem Forum vor der Seitenfront der Basilica Aemilia und des
Vespasian -Tempels ab 12 . Es handelt sich hiebei also um topographische Treue.
Der Stil dieser Staatsaktbilder ist zwar auch zeichnerisch-flächig, aber hier herrscht eine ganz andere
Flächigkeit als die illusionistische der Trajanssäule: die Einzelkomposition ist in sich abgeschlossen,
nicht von der Lebendigkeit der Erzählung, sondern von formalen Beweggründen her bestimmt; nahezu
ohne Perspektive und ohne räumliche Illusion setzt sie einen einheitlich geschlossenen Hintergrund aus
Architekturen hinter die Szene. Schon durch den Hintergrund und die Umgebungsbehandlung haben
J1 ) Hans Peter L’Orange und Armin von Gerkan, Der spätantike Bildschmuck des Konstantinsbogens, Berlin 1939, Studien
zur spätantiken Kunstgeschichte, Bd. 10, Taf. 4.
la ) Ludwig Curtitjs, Das antike Rom, Wien 1944, S. 35f.