Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 19 (N.F.) (XIX=55)

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Gehhakt  Egger

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Oben:  2.  Relief  aus  dem  Hateriergrab,  Rom,  Lateran,  Museo  profano

Unten:  3.  Konstantinsbogen,  Rom,  Oratio

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Das  gleiche  gilt  von  zwei  um  etwa  zwanzig  Jahre  jüngeren  spätantiken  Reliefs  vom  Konstantinsbogen:
der  Schlacht  an  der  Milvischen  Brücke  und  der  Eroberung  von  Verona 11 .  Sicherlich  besteht  bei  den
dort  sparsam  verwendeten  architektonischen  Teilen  an  den  Reliefrändern  ein  gewisser  topographischer
Zusammenhang  mit  der  tatsächlichen  Örtlichkeit  und  auch  eine  raumillusionistische  Absicht;  aber  in  der
Art  ihrer  Darstellung  werden  diese  topographischen  Details  gegenüber  jenen  des  1.  und  2.  Jahrhunderts
von  einer  fortschreitenden  Erstarrung  und  Schematisierung  erfaßt.  Mit  dieser  Erstarrung  der  einzelnen
Formen  hängt  auch  die  Zerteilung  ihres  hintergrundbildenden  Zusammenhanges  und  die  Isolierung  einzelner ­
  Teile  zusammen.
Bei  den  Reliefs  der  Trajanssäule  handelt  es  sich  um  einen  Bild  für  Bild  einheitlich  komponierten  Raum
mit  architektonischem  Hintergrund,  in  dem  sich  die  Szene  ahspielt.  Auf  der  Markussäule  wurden  bereits
in  einem  Fall  einzelne  Architekturen  dazu  verwendet,  um  einen  besonderen  Rahmen  für  eine  Personengruppe ­
  zu  bilden,  wurden  also  in  eine  besondere,  nicht  rein  topographische  Beziehung  zu  den  Figuren
gesetzt.  Schließlich  ist  beim  Galerius-  und  beim  Konstantinsbogen  der  topographische  Zusammenhang
dieser  Architekturen  nur  mehr  zu  vermuten  und  der  raumbildende  Charakter  kaum  mehr  vorhanden.
Das  heißt:  aus  den  ehemals  geschlossenen  Architekturdarstellungen  sind  Versatzstücke  geworden.
Unter  den  Bildern  der  zweiten  Gruppe  sind  vor  allem  jene,  die  thematisch  als  „Staatsaktbilder“
zusammengefaßt  werden  können,  für  die  weitere  Entwicklung  der  Raumdarstellung  von  Bedeutung.
Die  wichtigsten  Staatsaktbilder  sind  die  Reliefs  vom  Trajansbogen  in  Benevent,  die  hadrianischen
sogenannten  Plutei  Trajani  auf  dem  Forum  Romanum  und  die  Marc-Aurelischen  Reliefs  an  der  Attika
des  Konstantinsbogens.  Auf  diesen  Reliefs  sind,  wie  gesagt,  feierliche  Staatsakte  dargestellt,  die  auf
bekannten  Plätzen  -  etwa  dem  Forum  -  und  vor  bekannten  Gebäuden  abgehalten  werden.  So  spielen
sich  z.  B.  die  Szenen  auf  den  Plutei  auf  dem  Forum  vor  der  Seitenfront  der  Basilica  Aemilia  und  des
Vespasian  -Tempels  ab 12 .  Es  handelt  sich  hiebei  also  um  topographische  Treue.
Der  Stil  dieser  Staatsaktbilder  ist  zwar  auch  zeichnerisch-flächig,  aber  hier  herrscht  eine  ganz  andere
Flächigkeit  als  die  illusionistische  der  Trajanssäule:  die  Einzelkomposition  ist  in  sich  abgeschlossen,
nicht  von  der  Lebendigkeit  der  Erzählung,  sondern  von  formalen  Beweggründen  her  bestimmt;  nahezu
ohne  Perspektive  und  ohne  räumliche  Illusion  setzt  sie  einen  einheitlich  geschlossenen  Hintergrund  aus
Architekturen  hinter  die  Szene.  Schon  durch  den  Hintergrund  und  die  Umgebungsbehandlung  haben
J1 )  Hans  Peter  L’Orange  und  Armin  von  Gerkan,  Der  spätantike  Bildschmuck  des  Konstantinsbogens,  Berlin  1939,  Studien
zur  spätantiken  Kunstgeschichte,  Bd.  10,  Taf.  4.
la )  Ludwig  Curtitjs,  Das  antike  Rom,  Wien  1944,  S.  35f.
            
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