Full text: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 17 (N.F.) (XVII=53)

ZU WOLF HUBERS FRÜHZEIT 
VON KARL OETTINGER 
Unsere Vorstellungen von Wolf Hubers Frühzeit, von seinem Geburtsalter, seinem Anfangsschaffen, 
seinen Stilquellen und seinem Verhältnis zu Altdorfer sind der Ergänzung und der Revision bedürftig. 
Für die herrschende Meinung von Riggenbach (1907) über Weinberger (1930) bis zu Heinzle (1954) 
gilt, daß des Meisters Geburtszeit um 1485 bis gegen 1490 angesetzt wird und seine Meisterniederlassung 
in Rassau in die Jahre nach 151Ö 1 . Altdorfer wäre demgemäß um fünf bis zehn Jahre älter und, wenn 
nicht der Lehrer, so doch der Gebende und Anregende in Hubers Frühzeit. Die Berliner Brückenzeichnung 
mit dem Datum 1505 (Abb. 130) gilt, wenn nicht —wie von W. Schmidt 2 — als echt abgelehnt , so doch 
als nur zögernd in Erwägung gezogenes Werk, das im Echtheitsfall eine noch ganz uncharakteristische 
Arbeit aus der Lehrlingszeit des Meisters sein müßte 3 . Das Mondseeblatt von 1510 in Nürnberg (Abb. 131) 
setzt man in die Wanderzeit und sieht es als knospenhaft schüchterne Jugendarbeit an, zaghaft im 
Zeichnerischen, naiv im Empfinden 4 . 
Dem widerspricht das Ergebnis einer Untersuchung des Autors über die Signaturen und Daten bei 
Huber, Altdorfer und ihren Schulen 5 . Es stellt für die Jahre 1509, 1510 und 1511 drei Kompositionen 
Hubers zur Diskussion, die ihn als Zeichner völlig ausgeprägt und auf meisterlicher Höhe zeigen. 
Die Berliner Kreuzigung von 1511 
Die mit J 1511 S beschriftete Kreuzigungszeichnung in Berlin (Abb. 116), die bisher für das Werk eines 
sonst unbekannten Monogrammisten J S gehalten wurde 6 , hat, was diese Beschriftung betrifft, das folgende 
Resultat ergeben 7 : 
Datum und Buchstaben sind nach der Schriftanordnung im Blatt wie nach Schriftbild, Formniveau 
und Einzelformen eindeutig eine Schrifterfindung Wolf Hubers. Sie sind aufs engste verwandt mit dem 
Datum 1510 des Mondseeblattes und des im folgenden behandelten Jüngsten Gerichts in London. Dabei 
q Erwin Heinzle, Wolf Huber, Innsbruck o. J. (1954): Dort (S. 40) Literaturverzeichnis. Grundlegend ferner: R. Riggenbach, 
Der Maler und Zeichner W. Huber, Diss., Basel 1907; H. Voss, Der Ursprung des Donaustils, Leipzig 1907; ders., Albrecht 
Altdorfer und Wolf Huber, Meister der Graphik III, Leipzig 1910; Martin Weinberger, Wolfgang Huber (Deutsche Meister), 
Leipzig 1930; P. Halm, Die Landsehaftszeichnungen des Wolfgang Huber, Münchner Jb. d.b. K., NF. VII, 1930, S. 1—107. 
2 ) W. Schmidt, Rep. f. Kunstwiss. Bd. 31, 1908, S. 451. 
3) Weinberger, a. a. O., S. 47; Halm, a. a. O., S. 4, Anm. 3, S. 97, Nr. 88; Heinzle, a. a. O., S. 14, Anm. 15, S. 41, Nr. 1. Am 
positivsten urteilt F. Winkler, Die Sammlung Ehlers, Jb. d. Preuß. Kslgn. 1939, S. 30, Kat.-Nr. 20. 
4) Weinberger, a. a. O., S. 16: „Ausdrucksmittel noch schüchtern und vorsichtig tastend gebraucht, die Arbeit eines Zwanzig 
jährigen etwa.“ Halm, a. a. O., S. 7: „Die beiden Landschaften“ (Mondsee und Urfahrlandschaft, Budapest) „geben sich in ihren 
ungewohnten Ansichten und in der klaren Einfachheit ihres Stils als Frühwerke. Ihr dünner, zarter Strich hat oft etwas Zaghaftes, 
Stockendes, Tastendes. Und doch sind die Linien mit einer erstaunlichen Sicherheit und fast ohne Vorzeichnung gezogen. 
Heinzle, a. a. O., S. 14: „ ... ist in dem fast schüchternen Duktus der Feder das Knospenhafte der Jugendarbeit noch spürbar. 
Ferner S. 41, Nr. 2. 
*) Karl Oettinger, Datum und Signatur bei Wolf Huber und Albrecht Altdorfer. Zur Beschriftungskritik der Donauschul- 
Zeichnungen, Erlangen 1957 (Erl. Forschungen, Reihe A, Bd. V, 8, II). 
6) F . Winzinger, Albrecht Altdorfer. Zeichnungen, München 1952, Nr. 127; dort die ältere Literatur. Hanna Becker, Die 
Handzeichnungen Albrecht Altdorfers, Münchener Beiträge z. Kunstgesch., Bd. I, München 1938. Nr. 95; Zusammenstellung 
der 5 Repliken bei Betty Kurth, Zwei verschollene Werke Altdorfers, Die graph. Künste, NB. III, 1938, S. 2. 
7 ) Oettinger, a. a. O., S. 39, Nr. 5,
	        
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