Florentiner Mosaik aus Prag
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27. Landschaft (Abb. 208). 29.6:20.9 cm.
Links eine Mühle, im Mittelgrund zwei Felsen mit Burgen
bzw. Häusern, verbunden durch eine Brücke, rechts ein hoher
Baum.
Wien, Kunsthistorisches Museum, Sammlungen für Plastik
und Kunstgewerbe, Inv. 2999.
28. Landschaft mit zweibogiger Brücke und Obelisk
(Abb. 204). 18.7:14.6 cm.
Links und rechts Felsen mit Häusern, verbunden durch eine
zweibogige Brücke, auf dieser steht ein Obelisk; nebenan
ein Baum.
Wien, Kunsthistorisches Museum, Sammlungen für Plastik
und Kunstgewerbe, Inv.-Nr. 3003.
29. Landschaft (Abb. 215). 31.1:25.6cm.
Links Obelisk auf einer Brücke, dahinter ein Gewässer mit
einem Segel- und einem Ruderboot, dahinter »Stadt und
Berge, rechts ein großer Baum, dahinter eine nicht näher
bestimmbare Architektur.
Die tragende Schiefertafel durch einen Sprung beschädigt.
Wien, Kunsthistorisches Museum, Sammlungen für Plastik
und Kunstgewerbe, Inv.-Nr. 3032.
30. Landschaft (Abb. 211). 27:21.2 cm.
Felsen, eine Stadt, Berge, rechts vorne ein sitzender Mann.
Wien, Kunsthistorisches Museum, Sammlungen für Plastik
und Kunstgewerbe, Inv.-Nr. 3035.
31. Kabinettschrank aus verschiedenen Hölzern
mit 34 pietra dura-Einlagen (Abb. 216, 218. 219). 96.8 cm
breit, 68.4 cm hoch, 41 cm tief.
An der Vorderseite in der Mittelachse unten eine Landschaft
(etwa 28:18 cm): links Felsen mit zwei Bäumen, rechts ein
Haus, in der Mitte im Mittelgrund einige Häuser mit einer
Gruppe von drei Pappeln. Diese Landschaft stimmt stilistisch
vollkommen überein mit den Kat.-Nummern i. 3,4und 17 bis
30, ist also mit Sicherheit der Prager Castrucci-Werkstatt zu
zuweisen. Außerdem befinden sich an diesem Kabinettschrank
noch 33 Tableaus mit Blumenstücken und Ornamenten
(darunter drei große rechteckige und zwei etwas kleinere
ovale Blumenstücke) und 25 einfache Steineinlagen.
Es fehlen vorderhand noch die Kriterien, um vom Stile
naturalistischer Landschaftsdarstellungen auf den Stil orna
mentaler commessi zu schließen, die in ihrer Gestaltung
anderen und jedenfalls strengeren Gesetzen folgen. Es er
mangelt der Gattung des Florentiner Mosaiks zufolge der
ihr eigentümlichen materiellen und technischen Gegeben
heiten jene Freiheit der künstlerischen Handschrift, die ein
rasches und sicheres Unterscheiden der ausführenden Hände
ermöglichen könnte. Ornamentale pietra dura-Platten (es
seien dies abstrakte Ornamente oder auch naturalistisch
aufgefaßte Blumen- und Vogeldarstellungen) können daher
nur auf Grund umfassender Materialvergleiche beurteilt wer
den, zu denen vorderhand noch nicht die Möglichkeit gegeben
ist. Immerhin wird man bis zum Auftreten eines Gegenbe
weises annehmen dürfen, daß dieser Kabinettschrank ein Er
zeugnis der Prager Hofwerkstatt um 1600 ist. Das genannte
Landschafts-Tableau stammt sicher aus den Händen oder aus
der Werkstatt der Castrucci, vielleicht sind aber auch die ande
ren ornamentalen Tafeln dieses Kabinettschrankes in dieser
Werkstatt entstanden. Wenn sich das erweisen ließe, so wäre
ein wichtiges Vergleichsstück für zahlreiche weitere mit Stein
einlegearbeiten versehene Möbel des frühen 17. Jahrhunderts
gewonnen, die sich vorläufig nur ganz vermutungsweise in
diese Zusammenhänge einbeziehen lassen.
Wien, Kunsthistorisches Museum, Sammlungen für Plastik
und Kunstgewerbe, Inv.-Nr. 3392.
32. Kabinettschrank mit 24 pietra dura-Einlagen
(Abb. 217). Etwa 88 cm breit, 61 cm hoch, 48 cm tief.
Der Kabinettschrank trägt 24 pietra dura-Einlagen: an den
beiden Seiten je drei Landschaften, an der Vorderseite sieben
Landschaften sowie ein Tableau mit dem Wappen und eines
mit dem Monogramm des Fürsten Karl I. von Liechtenstein,
an der Oberseite 8 Landschaften und ein Blumenstück.
Die landschaftlichen Tableaus stimmen hinsichtlich des
Charakters ihrer Darstellungen und hinsichtlich ihrer stilisti
schen Haltung vollkommen mit jenen der Castrucci-Werk-
statt überein. Wir wissen, daß Karl I. von Liechtenstein fast
alle Künstler der rudolfinischen Hofwerkstatt für sich be
schäftigthat (vor allem nach 1612, nach dem Tode Rudolfs II.,
der in seinen letzten Lebensjahren mit Karl I. von Liechten
stein in einem ein bißchen gespannten Verhältnis gestanden
zu sein scheint; zu den Beziehungen Karls I. von Liechten
stein zu den rudolfinischen Hofkünstlern vgl. Victor
Fleischer : Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein als Bau
herr und Kunstsammler, Wien-Leipzig 1910, S. 2ff). Es ist
daher die Annahme erlaubt, daß er auch die beiden Castrucci
bzw. deren Werkstätte für sich beschäftigt hat. Aus dem
Wappen, das den Khuenringschen Rautenschlid, die Schilde
von Liechtenstein und Troppau und den schlesischen Adler
zeigt, ergibt sich eine Datierung jedenfalls nach 1614 (das
Fürstentum Troppau wurde von Karl. I. von Liechtenstein
am 28. Dezember 1613 bzw. am 4. Januar 1614 erworben),
nach einer Angabe von Dr. Gustav Wilhelm zwischen 1620
und 1623. Diese Datierung ist insoferne von besonderer
Wichtigkeit, als wir Giovanni Castrucci, in dem wir wohl
den Verfertiger der in diesem Schranke eingelassenen pietra
dura-Tableaus erblicken dürfen, archivalisch nur bis zum
Jahre 1611 verfolgen können. Es ist allerdings auch durchaus
denkbar, daß bereits vorhandene Platten später zu diesem
Schrank verarbeitet wurden oder aber daß die Prager
Werkstätte für die Erzeugung von Florentiner Mosaik auch
nach dem Abgänge der Castrucci weitergeführt wurde (die
Nachricht, daß Giovanni Castrucci noch „um 1650“ gelebt
habe, läßt sich vorläufig noch nicht verifizieren). Jedenfalls
müssen die an diesem Schranke angebrachten Tableaus
zwischen 1614 (dem Jahre der Erwerbung des Fürstentums
Troppau durch Fürst Karl I. von Liechtenstein) und 1627
(dem Todesjahre des Fürsten) entstanden sein. Leider ver
sagen die sonst so aufschlußreichen Bestände des Liechten
steinischen Archivs in Hinblick auf dieses Kästchen und
auf die zu vermutende Beziehung zwischen Fürst Karl I. und
Giovanni Castrucci völlig. Auf den hier in Frage stehenden
Kabinettschrank könnte unter Umständen folgende Ein
tragung im Rechnungsbuche des Liechtensteinischen Hof
zahlamtes vom Jahre 1623 bezogen werden, die mir Doktor
Gustav Wilhelm freundlichst zur Verfügung gestellt hat:
„Item wierd in Ausgab gestelt- so unterschiedlichen Hand
werksleuten und Künstlern wegen Ihr f. G. 1 rüheiss, laut
bevliegender Quittung Herrn Ottavy Mesuron Attestation
neben den Quittungen bezahlt worden ... 1134 fl 15 x .
Die genannten Detailquittungen fehlen leider, so daß wir
nicht in der Lage sind, die Anteile der einzelnen Künstler und
Handwerker festzustellen, die an diesem „Triihel“ gearbeitet
haben und für welche Ottavio Miseroni in seiner Eigenschaft