Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 17 (N.F.) (XVII=53)

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Zu  Wolf  Hubers  Frühzeit

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Links:  138.  Albrecht
Altdorfer,  Sebastiansmarter, ­
  1511.  Braunschweig,
  Herzog  Anton-Ulri’h-Museum


13!).  Passau  (?),  Kreuzigung. ­
  uni  1505—1510.
St.  Florian,  Stiftsgalerie

den  Geäst  offensichtlich  angeregt  sclieint.  Die  Beschriftung  auf  dem  Täfelchen  des  Baumstammes 78
ergab  Berührungen  mit  den  Beschriftungen  von  Blättern,  die  Erhard  Altdorfer  zuzuweisen  sind.
Hubers  Vorbild  verrät  ferner  eine  Beweinung  Christi  in  Frankfurt 79 .  Winzinger  hat  sie  mit  Recht  der
Berliner  Kreuzigung  von  1511  (Abb.116) 80  zur  Seite  gestellt,  doch  gibt  er  irrtümlich  beide  Erfindungen
Altdorfer.  Zweifellos  aber-  hat  hier  ein  Zeichner  aus  dem  Altdorfer-Kreis  ein  Motiv  Hubers  in  seine  lichte
Helldunkelmanier  umgesetzt.  Br  hat  dabei  offenbar  Hubers  Raumdisposition  mißverstanden  und  die
kleine  Gruppe  links  aus  dem  Hintergrund  (wo  sie  ähnlich  dem  Hirten  der  Joachimsverkündigung  Hubers
von  1514  ihren  Platz  gehabt  haben  muß)  gegen  alle  Perspektive  nach  vorn  gezogen.
Aber  auch  die  Landschaftskonzeption  Hubers,  wie  sie  1505mit  der  Brückenlandschaft  in  Berlin  schon
gegeben  ist,  geht  Altdorfers  Landschaften  als  Typus  voraus.  Denn  erst  1511  lernen  wir  diesen  in  den
beiden  Federzeichnungen  der  Österreichfahrt  in  Budapest  und  Wien 81  als  Schöpfer  reiner  Landschaften
kennen,  wie  er  sie  als  Maler  und  Radierer  in  den  Zwanzigerjahren  zum  Gipfel  führt.
Aus  all  diesen  Gründen  halten  wir  dafür,  daß  von  1509  an  und  in  den  folgenden  Jahren  bis  1511
besonders  stark  -  eine  Befruchtung  Altdorfers  durch  Wolf  Huber  stattgefunden  hat,  die  bei  dem  Berliner
Ölberg  von  1509  zum  ersten  Mal  sicher  erkennbar  wird.  Sie  erstreckt  sich  auch  auf  Altdorfers  Umkreis.
Eine  Gegenwirkung  Altdorfers  auf  Huber  bei  dem  Parisblatt  von  1509  läßt  sich  nicht  ausschließen.
Doch  ergibt  sich  weder  künstlerisch  noch  technisch  ein  sicheres  Argument  dafür.  Zu  Altdorfers  Zeichenstil ­
  von  1508 82  zeigt  sich  keinerlei  Berührung.  Beckers  Hinweis  auf  Altdorfers  anfängerhaften  Florastich
ist  nicht  überzeugend.  Cranachs  Holzschnitt  und  Mantegnas  Einwirkung  erklären  das  Motivische  hinreichend ­
  und  die  entschiedene  Linienabstraktion  von  Hubers  Zeichnung  weicht  sowohl  in  der  Kontrastierung
  der  Weißstriche  als  in  ihrer  Schraffurverwendung  von  Altdorfers  malerisch-rundender  Weißmodellierung ­
  um  1506/08  scharf  ab.  Sie  ähnelt  vielmehr  oberrheinisch-schweizerischen  Zeichnungen.  Erst
recht  nicht  kommt  Altdorfer  als  Vorbild  für  die  reine  Linienprägung  der  schattenlosen  Federzeichnung
von  1510  in  Betracht:  für  Hubers  Mondsee  und  sein  Jüngstes  Gericht  in  London.  Stets  ist  sein  wärmeres
,s )  Oettinger,  a.  a.  O.,  S.  62,  Nr.  111.
79 )  Winzinger,  Nr.  14.
sn )  Winzinger,  Nr.  127.
81 )  Winzinger,  Nr.  28,  29.
82 )  Vgl.  die  Helldunkelblätter,  Winzinger,  Nr.  5—7,  in  Oxford,  London  und  Kopenhagen.
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