Zu Wolf Hubers Frühzeit
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136. Lucas Cranach, Martinslegende, 1504.
München, Staatl. Graph. Sammlung
137. Nach Andrea Mantegna, Kreuzabnahme, Kupferstich
sames hat: zumal wenn man die Umsetzung in den Holzschnitt berücksichtigt. Auch die Landschaft
des Hieronymusholzschnittes Cranachs von 1509 59 war später vielleicht für Huber anregend. Daß er den
Holzschnitt gekannt hat, legt ja schon die Wiener Hieronymuskopie von 1512 nahe.
Diese Beziehungen, die uns schon bei der Brückenzeichnung Hubers von 1505 gegeben erscheinen, lassen
jedoch offen, ob Huber auch persönlich mit Cranach in Kontakt gekommen ist, oder ob er nur durch
Werke des Meisters angeregt wurde. Denn auch bei diesem Blatt ist im Zeichnerischen selbst, in der
Führung des Striches und der Formbildung, keinerlei Verwandtschaft zu den bisher bekannten frühen
Zeichnungen Cranachs gegeben. Es fehlt uns ohne Zweifel noch die erste Quelle von Hubers Zeichnerstil.
Weder Cranach noch Altdorfer noch Dürer kommen für die Herkunft dieser Zeichenweise in Betracht.
Ferner erlauben das Parisurteil von 1509 und die Berliner Kreuzigung von 1511, das Verhältnis Hubers
zu Mantegna näher zu bestimmen. Es ist in beiden Fällen an der entscheidenden Einwirkung diese Meisters
nicht zu zweifeln. Für die Mariengruppe der Kreuzigung ist schon von Weinberger auf den mantegnesken
Stich der Kreuzabnahme 60 hingewiesen worden. Von ihm stammt die Bühne mit den aufgelockert in
die Tiefe gestaffelten Figuren und das Motiv der sitzenden Frau, die die liegende Maria im Schoß hält;
von hier auch das Bewegungsmotiv des Johannes mit den aufgehobenen Händen, welche Huber analog
den beiden Rückenfiguren Mantegnas um 90 Grade in die Rückenansicht dreht. Für das Jüngste Gericht
von 1510 kann dieses Blatt in der Raumdisposition des unteren Teiles ebenfalls anregend gewirkt haben.
Sein Felsplattenboden rührt auch da von Mantegna her. Das Schrittmotiv des Hermes bei dem Parisurteil
wie des Johannes der Kreuzigung hat ebenso bei dem Grablegungskupferstich der Mantegna-Werkstatt 61
ein Analogon. Die Verkürzung des Hermes mit gekrümmtem Rücken in die Tiefe hinein mag die Kenntnis
des Vorhöllenstiches 62 nahelegen. Die Kreisanordnung der Figuren bei freier Mitte, wie sie die Auferstehenden
des Jüngsten Gerichts von 1510 und die Kreuzigung von 1511 zeigen, könnte Huber aus dem
M ) Jahn, Taf. 3!).
60 ) Bartsch 4; Tietze-Conrat, Mantegna, Phaidon-Verlag 1956, Anhang, Abb. 47.
01 ) Bartsch 2; Tietze-Conrat, Anhang, Abb. 46.
° 2 ) Tietze-Conrat, Anhang, Abb. 48.