Harnischstudien VI. Stilgeschichte des Plattenharnisches von 1440—1510
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Generation, aber noch ins 16. Jahrhundert hinüberragend (geb. um 1440, gest. 1516). ihm folgt an
Bedeutung sein Sohn Kolman, wie Dürer um 1470 geboren (1471-1532). Für die dritte große Erzeugungsstätte
Deutschlands, Landshut in Niederbayern, war bisher nur der Vorklassiker Matthes Deutsch
(erwähnt 1487—1496) in Werken greifbar 68 , für das vierte Zentrum Nürnberg niemand Bestimmter.
Da das Potential der deutschen Kleinbetriebe natürlich gering war, obwohl sich diese für Großaufträge
zusammenschlossen, legte Kaiser Maximilian zuerst in Arbois (1494) unter der Leitung der Mailänder
Francesco und Gabriele Merate 69 und dann in Innsbruck (ab 1504) unter der Leitung Konrad Seusenhofers
staatliche Großplattnereien an.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der Harnisch getreu den künstlerischen Bewegungen der
zweiten Jahrhunderthälfte folgt. Um 1440 schien es, als hätte die herbe italienische Kunst dieser Zeit
alles Gotische abgestreift. Aber der Einfluß der auf blühenden Macht und Kunst Burgunds, d. h. der
Niederlande, trägt erneut die Gotik nach Italien. Das Linienspiel und die lange Proportion dringen
in die Quattrocento-Kunst ein, machen sie reicher, aber um 1470 auch dürrer und spröder. Die Entwicklung,
die um 1440 der Klassik näher war als später, scheint dadurch gebremst, anderseits kommt
im Gefolge der Gotik Ausdruckshaftes — vom Sentimentalen bis zum Pathetischen — hinzu und
mildert die frühere Starre. Nach einer barocken Synthese um 1480 erfolgt in den beiden letzten vorklassischen
Jahrzehnten die künstlerische Klärung und Auslese, die um 1500 zur Klassik führt. Mensch
und Raum sind damit in einer zwar noch immer idealistischen Kunst der Wirklichkeit so nahe gekommen
wie nie zuvor.
Diese in Italien heimische Entwicklung nimmt dem Harnisch um 1450 die übertriebene Schwere
der Vierzigerjahre, fügt ihm reiche, graphische Dekoration gotischer Art bei, reduziert diese seit 1480
wieder, vereinfacht die Form bis zur Reife zwischen 1500 und 1510. Der deutsche Harnisch folgt diesen
Bewegungen unter Beibehaltung gotischer oder schließlich gotisierender Formen und Dekorationsgrundsätze,
der westeuropäische Harnisch nimmt eine Mittelstellung zwischen deutscher und italienischer
Art ein. Um 1510 ist die Grundlage für die kommenden reichsten Schöpfungen der Plattnerei gelegt.
Eine plastische Kunst aus dem Werkstoff Eisen ist festbegründet und durch ein weiteres Jahrhundert
entwicklungsfähig und schöpferisch.
6S ) C. GurI,[TT, Die Kunst unter Kurfürst Friedrich dem Weisen, Archivalische Forschungen 2, Dresden 1897, S. 88f. -
15 Thomas Deutsche Plattnerkunst, S. 65. — A. Reitzenstein, Die Landshuter Plattner Wolfgang und Franz Grosschedel,
Münchner Jahrb. der bildenden Kunst, Bd. 5, München 1954, S. 144. Das Hauptwerk des Meisters mit der Lindenblattmarke in
Wien (Waffensammlung, Rennzeug B 171, datiert 1498).
69) Boeheim, Meister, S. 133f. Stempel ARBOIS in Schriftbändchen unter Krone auf dem Wiener Kempfküriß B 71. Boeheim
teilt ihnen auch die Marke „mer“ unter Krone am Wiener Kempfküriß des Claude de Vaudrey (B 33) zu.
Literaturverzeichnis
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185- 195 (zit. Werke ital. Plattnerkunst)
Fortsetzung auf Seite 102