Jost Burgis Beitrag zur Formentwicklung der Uhren
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ANMERKUNGEN
(Zu \bb. 161) Die drei Zifferblätter der Wiener Bergkristalluhr zeigen von oben nach unten Sekunden, Minuten, Stunden an.
Darüber eingebauter Himmelsglobus aus Bergkristall unter aufklappbarem, kuppelförmigem Deckel. Sockel aus Bronze, graviert,
ausgesägt und vergoldet; eigenartige Frucht- und Blütenornamente; an den Ecken geflügelte Karyatiden aus Silberguß. Bergkristall-Mittelteil
achteckig geschält, enthält mehrere kreisrunde Bohrungen für die Aufzüge und die Regulierung. Die Bohrungen
an der Vorderseite dienen zur Nachstellung des Zeigerwerkes und des Himmelsglobus. Entstanden in Prag, nach 1604,
Höhe 19 cm; größte Sockelweite 11.8 cm, Inv. Nr. 1116.
2 ) Alhard von Drach, Jost Burgi, Kammeruhrmacher Kaiser Rudolphs II.; Beiträge zu seiner Lebensgeschichte und Nachrichten
über Arbeiten desselben, Jb. d. Kunsthist. Sign. d. ah. Kaiserhauses. Bd. XV., Wien 1894.
3 ) (Zu Abb. 162.) Bei der älteren Kasseler Globusuhr rotiert die Himmelskugel um vertikale Achse; Himmelsnordpol unter der auf
Ziffertrommeln aufgesetzten Figur zu denken. Horizontaler Reifen des Stativs symbolisiert den Himmelsäquator; dieser enthält
einen einmal im Jahr umlaufenden Kalender, dessen Indikationen in den links ersichtlichen rechteckigen Ausschnitten abzulesen
sind. Das Tagesdatum wird durch eine kleine Eidechse angezeigt, deren Standort der jeweiligen Monatslänge entspricht und
überdies auch einer Schaltjahreskorrektur unterworfen ist. Das links oben am Meridian befestigte Zifferblatt ist indirekt angetrieben.
Die Globuskugel ist längs des Tierkreises gehälftet; in der Trennfuge bewegt sich ein kleines Sonnenbild. Antrieb des
gesamten Systems durch ein Uhrwerk innerhalb des Globus. Ebenholzplatte des reich verzierten Stativs enthält eine Bussole.
Angefertigt um 1582 in Kassel. Inv. Nr. B III, 9.1.
i) p_ 4 Kirchvogel, Astronomisch-mechanische Kunstwerke in Kassel aus der Zeit der Spätrenaissance, Hessenland 50, S. 69/78,
1938.
ä ) P. Mesnage, Un chef d'Oeuvre de Jost Burgi au Conservatoire des Arts et Metiers de Paris, Journal Suisse d’Horlogerie, Mai
und Juni 1949.
«) H. von Bertele, Precision Timelceeping in the pre-Huygens Era, The Horological Journal, London, Dezember 1953.
7)E. von Bassermann-Jordan, Alte Uhren und ihre Meister, W. Diebener GmbH. Leipzig 1926, Kapitel „Karl V. und sein
letzter Uhrmacher“, S. 55.
») Skizzenbuch von Leonardo da Vinci (MS in der Biblioteca Ambrosiana in Mailand), Fig. 377 von 1488.
9 ) A. von Drach, Die zu Marburg befindliche Globusuhr Wilhelms IV., Marburg 1894, S. 12.
10 ) (Zu Abb. 163.) Das Uhrwerk der Globusuhr Abb. 163 ist in zweiEtagen angeordnet; oben Gehwerk, unten Schlagwerk, Antrieb
der Sonnenbewegung vom Zahnkranz der Mittelplatine. Unterseite trägt die Einstellorgane. Der obere Verstellzeiger mit den
Positionen 6. 12 und 24 erlaubt die Stunden-Schlagzahl zu verändern, und zwar entweder den Tag in vier Gruppen zu eins bis
sechs Schlägen, oder zwei Gruppen zu eins bis zwölf und schließlich nur eins bis vierundzwanzig einzustellen. Der untere Zeiger
_ über der langen, feingeteilten Skala - dient für die Regulierung der Ganggeschwindigkeit. Äußerst sachliche, technisch ausgereifte
Werkdisposition; hervorragend gleichmäßiger, für Burgi kennzeichnender Schnitt der Zahnräder.
ii) (Zu Ab b. 164.) Erste Kasseler Experimentier- und Observationsuhr. Die Vorderseite ist durch eine reich gravierte und vergoldete
Messingplatte gebildet (zweimal I-XII geteilt) mit rotierender Kalender- und Tierkreisscheibe im Zentrum. Gehäuserahmen
und -deckel Ebenholz. Schmiedeeisener Zeiger mit Gegenschwung. Uhrkörper auf Sockel schwenkbar. Seitenwände durch
Glastüren gebildet. Entstanden bald nach 1586 in Kassel. Inv. Nr. B III, 37.
i«) (Zu Abb. 165.) Die Seitenansicht gibt Einblick in das eiserne Dreimonatswerk mit Gewichtsremontoir. Eingebaut in die Rückseite
des Kastens ist eine Sonnenuhrplatte, die hier aufgeklappt ist und die horizontale Sonnenuhr zeigt,
> 3 ) (Zu Abb. 166.) Die Rückansicht Abb. 166 zeigt die Sonnenuhrplatte geschlossen, Zeiger der hier eingebauten Vertikal-Sonnenuhr
in Arbeitslage gebracht, Die zwei im unteren Teil der Rückseite angebrachten Hilfsblätter geben den jeweiligen Wochentag
und die Anzahl der vollzogenen Remontoir-Operationen an.
») (Zu Abb. 167.) Die Seitenteile der viereckigen Kasseler Dosenuhr sind durch gegossene, reich figurale, gravierte und ziselierte
Silberauflagen, angefertigt vom Kasseler Silberschmied Hans Jakob Emk, verziert. Linkes Zifferblatt mit Scheibe zur Einstellung
des Weckers und Zifferring, auf dem ein mit einem Handgriff versehener Zeiger die Stunden angibt. Dieser kurbelartige Zeiger
ermöglicht die verschiedenen Indikationen der Uhr von Hand aus zu bewegen, wenn durch Drehung eines kleinen, auf der
Rückseite angebrachten Zeigers das Uhrwerk ausgekuppelt worden ist. Das rechte Zifferblatt enthält Stundenzeiger mit zwei
Zifferringen; der äußere trägt die Teilung zweimal von I-XII, der innere von 1-24. Innerhalb des inneren Ringes ist eine Ringscheibe
mit verschiebbaren Segmenten zur Angabe von Tages- und Nachtlänge sowie von Sonnenauf- und -Untergang. Die silbernen
Reliefs Stellen Euklid und Archimedes sowie Hipparchos und Ptolemäus vor (von links nach rechts). Die Figuren an den Ecken
(ebenfalls von links nach rechts) symbolisieren die vier Kardinaltugenden: Klugheit, Stärke, Mäßigkeit und Gerechtigkeit, die
rückwärts liegt, aber auf Abb. 168 erkennbar ist, Auf der Außenfläche des horizontalen Deckels befindet sich innerhalb des in
zweimal zwölf Stunden geteilten Ziffernringes ein auf die Polhöhe von Kassel (51« 19') ausgelegtes Astrolabium planisphaericum
mit zwei Zeigern für die Sonne und den Mond. Angefertigt in Kassel und vollendet 1591. Höhe 110 mm, Grundfläche 144-154 mm.
Inv. Nr. B III, 24.
15 ) (Zu Abb. 168.) Die Reliefs rechts stellen Alphonsus (von Kastilien) undKopermkus dar. Rückwärts sind die drei Patriarchen und
Thaies von Milet, abgebildet. Das Zifferblatt rechts ist eine Drehscheibe mit Angabe der Wochentage und den entsprechenden
Tagesgottheiten. Auf der Rückseite ist ein Zifferblatt mit einem Viertelstundenzeiger vorgesehen, der mit dem Uhrwerk immer in
fester Verbindung bleibt.
16 ) (Zu Abb. 169.) Deckelunterseite trägt Positionstafel zur Bestimmung der Lage von Sonnen-, Mond- und Drachenkopf-Lage für
die Zeit nach 1500. Deckeloberseite enthält gravierte, horizontale Sonnenuhr und eingebaute Bussole.
171 (Zu Abb 171 ) Das horizontale Hauptblatt enthält ein automatisches Astrolabium mit Sonnen- und Mondzeiger; der letztere
trägt eine kleine rotierende Mondkugel, die das Mondalter angibt. Unter der durchbrochenen, einmal im Jahr umlaufenden Scheibe