Zur Analyse des spätantiken Porträts
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3, Zweites Kaiserpaar vom Tetrarchen-Denkmal in der Vatikanischen Bibliothek
eine Ausdrucksweise, die sich nun durch das ganze 4. Jahrhundert hinzieht und an verschiedenen
Stellen mehr oder weniger stark auftritt. So werden wir bis gegen Ende des 4. Jahrhunderts, etwa bis
zum Koloß von Barletta, um nur ein hervorragendes Beispiel zu nennen, gewisse Verwandtschaften zu
diesen beiden Tetrarchen-Denkmälern feststellen können. Gewisse Vorbereitungen zu diesem Stilausdruck
liegen, ganz abgesehen von der Barbarisierung, freilich auch im Römischen selbst, wie uns
die Trajanssäule, die Markussäule oder die Decennalienbasis und schließlich jedes provinzielle Denkmal
des 2. und 3. Jahrhunderts beweisen. Curtius findet bei einem von ihm publizierten Porträt der
Tetrarchenzeit mit Recht sogar eine „bewußte Anlehnung an republikanische Porträts“ 10 .
Das extreme Gegenteil zu dieser barbarischen Form der tetrarchischen Denkmäler bilden die
beiden klassizistischen Statuen Konstantins, deren eine jetzt am Kapitol, die andere im Lateran
(Abb. 4) aufgestellt ist 11 . Die beiden Statuen gehören mit der ebenfalls klassizistischen Figur Konstantins
II. am Kapitol 12 und einer verlorenen Konstantinsfigur zu einer Gruppe, die wohl ursprünglich
in den Konstantinsthermen aufgestellt war 13 . Der Kaiser erscheint in diesen beiden Figuren als
Augustus in der alten römischen Tradition. Kleidung und Haltung wie auch der Gesamteindruck
weisen auf die Form römischer Imperatorenstatuen hin, wie sie seit dem Augustus von Primaporta
für die Kaiserstatuen die übliche war 14 . Das Gesicht selbst zeigt ein einwandfreies Porträt mit Hervor-10)
Curtius, Ein Porträt der Tetrarchenzeit, Journal of Hellen. Studies 71 (1951), p. 48 -57, S. 52.
u ) Delbrueck, a. a. O. Taf. 30 — 34.
12 ) Delbrueck, a. a. O. Taf. 46, 47.
13 ) Delbrueck, a. a. O. S. 117.
11) L’Orange, a. a. O. S. 55ff., Abb. 155, 157, 158, S. 56: „nach augusteischen Vorbildern orientierter Klassizismus“.