Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 15 (N.F.) (XV=51)

Zur  Analyse  des  spätantiken  Porträts

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3,  Zweites  Kaiserpaar  vom  Tetrarchen-Denkmal  in  der  Vatikanischen  Bibliothek

eine  Ausdrucksweise,  die  sich  nun  durch  das  ganze  4.  Jahrhundert  hinzieht  und  an  verschiedenen
Stellen  mehr  oder  weniger  stark  auftritt.  So  werden  wir  bis  gegen  Ende  des  4.  Jahrhunderts,  etwa  bis
zum  Koloß  von  Barletta,  um  nur  ein  hervorragendes  Beispiel  zu  nennen,  gewisse  Verwandtschaften  zu
diesen  beiden  Tetrarchen-Denkmälern  feststellen  können.  Gewisse  Vorbereitungen  zu  diesem  Stilausdruck ­
  liegen,  ganz  abgesehen  von  der  Barbarisierung,  freilich  auch  im  Römischen  selbst,  wie  uns
die  Trajanssäule,  die  Markussäule  oder  die  Decennalienbasis  und  schließlich  jedes  provinzielle  Denkmal
des  2.  und  3.  Jahrhunderts  beweisen.  Curtius  findet  bei  einem  von  ihm  publizierten  Porträt  der
Tetrarchenzeit  mit  Recht  sogar  eine  „bewußte  Anlehnung  an  republikanische  Porträts“ 10 .
Das  extreme  Gegenteil  zu  dieser  barbarischen  Form  der  tetrarchischen  Denkmäler  bilden  die
beiden  klassizistischen  Statuen  Konstantins,  deren  eine  jetzt  am  Kapitol,  die  andere  im  Lateran
(Abb.  4)  aufgestellt  ist 11 .  Die  beiden  Statuen  gehören  mit  der  ebenfalls  klassizistischen  Figur  Konstantins ­
  II.  am  Kapitol 12  und  einer  verlorenen  Konstantinsfigur  zu  einer  Gruppe,  die  wohl  ursprünglich
in  den  Konstantinsthermen  aufgestellt  war 13 .  Der  Kaiser  erscheint  in  diesen  beiden  Figuren  als
Augustus  in  der  alten  römischen  Tradition.  Kleidung  und  Haltung  wie  auch  der  Gesamteindruck
weisen  auf  die  Form  römischer  Imperatorenstatuen  hin,  wie  sie  seit  dem  Augustus  von  Primaporta
für  die  Kaiserstatuen  die  übliche  war 14 .  Das  Gesicht  selbst  zeigt  ein  einwandfreies  Porträt  mit  Hervor-10)
  Curtius,  Ein  Porträt  der  Tetrarchenzeit,  Journal  of  Hellen.  Studies  71  (1951),  p.  48  -57,  S.  52.
u )  Delbrueck,  a.  a.  O.  Taf.  30  —  34.
12 )  Delbrueck,  a.  a.  O.  Taf.  46,  47.
13 )  Delbrueck,  a.  a.  O.  S.  117.
11)  L’Orange,  a.  a.  O.  S.  55ff.,  Abb.  155,  157,  158,  S.  56:  „nach  augusteischen  Vorbildern  orientierter  Klassizismus“.
            
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