Die Tat des Giorgione
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132. Schule des Carpaccio. Arion. Oxford
wichtig. In dieser lyrischen Kunst sollte das Psychische nicht durch Symbole ausgedrückt werden,
sondern allein durch Haltung und Mienen der Menschen und durch die Gefühle, die bestimmte
landschaftliche Stimmungen im Beschauer hervorrufen.
VT. GIORGIONES NEUER MALVORGANG
Als Jan van Eyck sich zur Aufgabe gestellt hatte, das Sichtbare der Schöpfung so getreu und objektiv
als möglich wiederzugeben, vervollkommnete er die von seinen unmittelbaren Vorgängern geübte
Maltechnik, um sie instand zu setzen, die stofflichen Erscheinungen der Oberfläche durch die Farbe
zu charakterisieren. Es ist die Tat des Giorgione, daß er das objektive Weltbild des Quattrocento durch
ein subjektives ersetzte und im Gemälde lediglich seine persönliche Auffassung von der Erscheinung
der Dinge und ihrer Wertung zum Ausdruck bringen wollte. Da dieses Ziel weder mit den Mitteln der alten
Temperamalerei, die vor Antonellos Auftreten allgemein in Italien geübt wurde mit ihr brach erst der
junge Leonardo —, noch mit der altniederländischen Malkunst, die Antonello nach Venedig brachte
und Giovanni Bellini umwandelte, erreichbar war, erarbeitete sich Giorgione einen neuen Malvorgang.
Bei Betrachtung der „Laura“ (Abb. 99) war uns die Farbgebung und mehr noch der absichtlich
sichtbar gelassene Farbenauftrag aufgefallen. Das Sichtbarwerden der Pinselführung tritt überall dort
zutagd, wo die Modellierung vor allem mit zeichnerischen Mitteln, also durch einzelne Pinselstriche,
erfolgt. Bei Leonardo finden wir es bezeichnenderweise zuerst bei einer Grisaille (der Rückseite des
Ginevraporträts) und dann bei den Pflanzen im Vordergrund der Altarbilder. Ebenso ist es gelegentlich
bei Carpaccio und seiner Gefolgschaft zu beobachten. Ich verweise auf ein kleines „Staffeleibild“ mit
dem delphinreitenden „Arion“ {Abb. 132) im Ashmolean Museum zu Oxford, auf dem, wie dies auch bei
Werken von Carpaccio selbst beobachtet werden kann, die Wellen noch durchaus mit graphischen
Linien angedeutet worden sind. Es handelt sich hier um Reminiszenzen an einen überwundenen Stil,
der an die Temperatechnik des Tre- und Quattrocento gebunden war. Antonello da Messina und der
reife Giovanni Bellini hatten bewegtes Gewässer bereits mit der Farbe wiedergegeben. Carpaccio und