Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 15 (N.F.) (XV=51)

Die  Tat  des  Giorgione

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118.  Carpaccio.  Das  Konzert,  lavierte  Federzeichnung,  London
hingebungsvollen  Lauschens.  Die  lyrisch-sentimentale  Wirkung  der  verschiedenen  in  Giorgiones
Gefolgschaft  entstandenen  Konzertbilder  wird  hier  von  einem  älteren  Zeitgenossen  vorweggenommen.
ln  der  Komposition  und  dem  Figurenstil  Giorgiones  bestehen  die  Einflüsse  der  Kunst  Giovanni
Bellinis  und  Carpaccios  nebeneinander.  Der  Umstand,  daß  bei  der  „Laura“  von  1506  ein  Stilzusammenhang ­
  mit  Carpaccios  Kunst  offensichtlich,  bei  dem  später  entstandenen  Berliner  Jünglingsporträt
aber  die  Weiterführung  bellinesker  Porträtgestaltung  feststellbar  ist,  kann  auf  die  jeweilige  Aufgabe
zurückgeführt  werden  und  darf  nicht  so  gedeutet  werden,  als  müsse  die  Einflußsphäre  Carpaccios  in
Giorgiones  Entwicklung  die  frühere  gewesen  sein.
Für  Giorgiones  neuen  Landschaftsstil  ist  die  venezianische  Kunst  um  1500  der  Ausgangspunkt.
Giovanni  Bellinis  kleinfigurige  Darstellungen  vor  weiten  Landschaften  beginnen  schon  in  seiner  frühen
Zeit.  Sie  sind  der  Kunstgestaltung  des  Quattrocento  durchaus  gemäß  und  gehen  auf  die  Kunst
Mantegnas  und  die  des  alten  Jacopo  Bellini  zurück.  Um  1490  malte  Bellini  auch  kleinfigurige  Landschaftsbilder ­
  profaner  Natur,  wie  die  fünf  allegorischen  Szenen  der  Akademie  in  Venedig  oder  die
Allegorie  der  Uffizien.  Es  sind  Staffeleibilder  (Basel  Pictures).  Mit  diesem  Terminus  B.  Berensons 28
sind  die  nun  immer  mehr  und  mehr  in  Mode  kommenden  Kabinettsbilder  kleineren  Umfangs  gemeint,
die  zum  Schmuck  von  Wohnräumen  gedacht  sind.  Sie  stehen  nicht  mit  der  architektonischen  Gestaltung
der  Innenräume,  sondern  höchstens  zuweilen  mit  bestimmten  Möbeln  in  Zusammenhang.  Nach  Lust
und  Laune  des  Besitzers  können  sie  hier  oder  dorthin  gehängt  oder  auf  eine  Staffelei  bzw.  ein  Möbelstück ­
  gestellt  werden.  Sie  sind  nicht  mehr  Teile  einer  Dekoration,  sondern  bestehen  für  sich  allein.
Ganz  abgesehen  von  der  von  Grund  auf  veränderten  malerischen  Durchbildung  sind  die  Unterschiede
zwischen  den  „Staffeleibildern“  Giorgiones  und  denen  Bellinis  beträchtlich.  An  Stelle  einer  meist  rein
additiven  Darstellungsart,  die  übrigens  bei  Carpaccio  fast  noch  stärker  zu  beobachten  ist,  sehen  v  ii  nun
eine  höchst  konzentrierte  Gestaltungsweise,  so  daß  eigentlich  nur  das  Verhältnis  der  Figurengröße
,8 )  The  Venetian  Painters  of  the  Renaissance,  I.  edition,  London  1894.  Der  Terminus  findet  sich  schon  bei  Crowe  und
Cavalcaselle,  Tizian.

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