Die Tat des Giorgione
127
* I
<£»
■as=ag=.
5
ßk
m.
:
Y\
KB
TT"
v >
A
&
M
«ar.-nif,-: -
~T !
V» iS* «*<* V<2
~ b,'. .; WU,
t
118. Carpaccio. Das Konzert, lavierte Federzeichnung, London
hingebungsvollen Lauschens. Die lyrisch-sentimentale Wirkung der verschiedenen in Giorgiones
Gefolgschaft entstandenen Konzertbilder wird hier von einem älteren Zeitgenossen vorweggenommen.
ln der Komposition und dem Figurenstil Giorgiones bestehen die Einflüsse der Kunst Giovanni
Bellinis und Carpaccios nebeneinander. Der Umstand, daß bei der „Laura“ von 1506 ein Stilzusammenhang
mit Carpaccios Kunst offensichtlich, bei dem später entstandenen Berliner Jünglingsporträt
aber die Weiterführung bellinesker Porträtgestaltung feststellbar ist, kann auf die jeweilige Aufgabe
zurückgeführt werden und darf nicht so gedeutet werden, als müsse die Einflußsphäre Carpaccios in
Giorgiones Entwicklung die frühere gewesen sein.
Für Giorgiones neuen Landschaftsstil ist die venezianische Kunst um 1500 der Ausgangspunkt.
Giovanni Bellinis kleinfigurige Darstellungen vor weiten Landschaften beginnen schon in seiner frühen
Zeit. Sie sind der Kunstgestaltung des Quattrocento durchaus gemäß und gehen auf die Kunst
Mantegnas und die des alten Jacopo Bellini zurück. Um 1490 malte Bellini auch kleinfigurige Landschaftsbilder
profaner Natur, wie die fünf allegorischen Szenen der Akademie in Venedig oder die
Allegorie der Uffizien. Es sind Staffeleibilder (Basel Pictures). Mit diesem Terminus B. Berensons 28
sind die nun immer mehr und mehr in Mode kommenden Kabinettsbilder kleineren Umfangs gemeint,
die zum Schmuck von Wohnräumen gedacht sind. Sie stehen nicht mit der architektonischen Gestaltung
der Innenräume, sondern höchstens zuweilen mit bestimmten Möbeln in Zusammenhang. Nach Lust
und Laune des Besitzers können sie hier oder dorthin gehängt oder auf eine Staffelei bzw. ein Möbelstück
gestellt werden. Sie sind nicht mehr Teile einer Dekoration, sondern bestehen für sich allein.
Ganz abgesehen von der von Grund auf veränderten malerischen Durchbildung sind die Unterschiede
zwischen den „Staffeleibildern“ Giorgiones und denen Bellinis beträchtlich. An Stelle einer meist rein
additiven Darstellungsart, die übrigens bei Carpaccio fast noch stärker zu beobachten ist, sehen v ii nun
eine höchst konzentrierte Gestaltungsweise, so daß eigentlich nur das Verhältnis der Figurengröße
,8 ) The Venetian Painters of the Renaissance, I. edition, London 1894. Der Terminus findet sich schon bei Crowe und
Cavalcaselle, Tizian.
1