Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 15 (N.F.) (XV=51)

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Ludwig  Baldass

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116.  Carpaccio,  die  linke  Hälfte  des  Begegnungsbildes,
London

117.  Giovanni  Bcllini,  Die  Barke  des  Glücks,
Venedig

an  den  Hirten  des  Parisbildes  beobachten  und  stärker  an  der  Figur  des  Soldaten  der  „Tempesta“,  ja
auch  am  Turbanträger  des  Philosophenbildes  (Abb.  115),  der  mit  dem  vordersten  Tubabläser  (Abb.  114)
auf  dem  etwa  gleichzeitigen  Bilde  des  taufenden  heiligen  Georg  in  der  Scuola  di  San  Giorgio  degli
Schiavoni  in  Venedig  zu  vergleichen  ist.  Alle  diese  Gestalten  verraten  noch  kein  Zugrundelegen  von
Aktstudien.
Carpaccio  gehört  zu  den  Malern  der  Jahrhundertwende,  die  ihrem  um  1490  voll  ausgebildeten  Stil
bis  an  ihr  Lebensende  treu  geblieben  sind,  ohne  Einflüssen  jüngerer  Kunstströmungen  zugänglich  zu  sein.
Abgesehen  von  der  Farbe  sind  es  drei  Stileigentümlichkeiten,  die  der  Kunst  Carpaccios  ihr  originelles
Gepräge  verleihen.  Der  Maler  gibt  erstens  in  seinen  erzählenden  Werken  dem  quattrocentesken  Realismus ­
  eine  besonders  gegenwartsnahe  Note.  Er  legt  zweitens  auf  den  Schauplatz,  auf  Architektur  und
Landschaft,  den  größten  Wert  und  ordnet  ihm  die  Figuren  unter.  So  setzt  er  auf  dem  gegenständlich
noch  nicht  einwandfrei  gedeuteten  Bilde  der  Londoner  National  Gallery  mit  einer  Begrüßung  am
Meeresgestade 27  (Abb.  116)  alle  Figuren  in  die  rechte  Ecke,  so  daß  über  die  Hälfte  der  Bildfläche  lediglich
von  der  nur  durch  Nebenfiguren  belebten  Landschaft  eingenommen  wird.  Freilich  ist  diese  Landschaft
noch  konventionell  gebildet,  so  daß  keine  direkte  Brücke  sie  mit  den  reifen  Schöpfungen  Giorgiones
verbindet.  Carpaccio  versucht  drittens  die  Farbstimmung  des  Bildes  zu  vereinfachen,  so  ist  sie  auf  dem
genannten  Bild  auf  Rot  und  Grün  abgestuft,  bei  dem  höchst  reizvollen  Fragment  (einer  Kreuzigung?)
dei  Uffizien,  das  römische  Soldaten  in  einer  Landschaft  darstellt,  aber  ganz  auf  warme  föne  abgestimmt.
Der  Farbauftrag,  von  dem  noch  die  Rede  sein  wird,  ist.  oft  flüchtig  und  ungenau,  die  Lichtführung
wird  namentlich  im  Innenraum  scharf  beobachtet.  Auf  lavierten  Federzeichnungen,  wie  auf  der  mit
den  musizierenden  krauen  im  British  Museum  (Abb.  118),  erhöhen  Lichtwirkungen  den  Ausdruck
«)  Für  die  Problemstellung  ist  es  belanglos,  ob  (nach  Fiocco)  eine  Beteiligung  der  Werkstatt  stattgefunden  hat,  umsomehr,  als
M.  Davies,  National  Gallery  Catalogues,  The  earlier  Italian  Schools,  London,  1951,  S.  104,  mit  Recht  darauf  hinwies,  daß  «lies
bei  Carpaccio  sehr  oft  anzunehmen  ist.  Für  diese  Annahme  spricht  weiter  die  Tatsache,  daß  Carpaccio  eigene  Motive  -  wie  z.  B.
die  oben  erwähnten  Tubabläser  (Abb.  114)  -  sehr  ähnlich  in  anderen  Bildern  wiederholt  hat.

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