Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 15 (N.F.) (XV=51)

Die  Tat  ües  Giorgione

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113.  Quirin  Boel,  Kupferstich  nach  Giorgione,  Der  Überfall

ein  Werk,  das  den  persönlichen  Stil  des  Künstlers  aber  schon  voll  entwickelt  zeigt.  Die  Stilnähe  zu  der
1506  datierten  ,Laura“  (Wien)  läßt  mutmaßen,  daß  das  Altarbild  um  1505  gemalt  worden  ist,  Etwa
gleichzeitig  dürfte  das  verschollene  Original  der  Auffindung  des  Parisknaben  entstanden  sein.  Wie
wir  noch  sehen  werden,  ist  diesen  Werken  die  Verbindung  mit  der  venezianischen  Tradition,  die  m  der
Laura“  und  der  gleichfalls  nach  der  Pala  entstandenen  „Judith“  (Leningrad)  sich  bereits  lockert,
am  stärksten.  .
Wenn  die  „Laura“  kompositioneil  noch  der  ersten  Gruppe  anzurechnen  ist,  zeigt  sie  doch  bereits
malerische  Qualitäten,  die  sie  mit  den  Hauptwerken  der  zweiten  Periode,  der  „Tempesta"  und  den
Drei  Philosophen“  verbindet,  In  den  beiden  letztgenannten  Werken,  denen  der  verschollene„Uberfall"
kompositionell  aufs  engste  verbunden  ist,  ist  der  Stil  des  Meisters  bereits  vollkommen  selbständig.
Die  Erfindung  ist  frei  und  unkonventionell,  die  technische  Ausführung  auf  der  Höhe  der  Meisterschaft,
Alle  übrigen  hier  besprochenen  Werke  gehören  der  letzten  Periode  des  Künstlers  an,  die  mit  den  1508
vollendeten  Fondaco-Fresken  beginnt.  Eine  Florentiner  Reise  ist  dazwischen  anzunehmen.  Für  die
Periode  bezeichnend  ist  die  neue  Auffassung  der  Figur  und  die  stärkere  Betonung  der  Bewegung,  wie
sie  in  der  Davidkomposition  und  der  Madrider  „Santa  Conversazione“  sich  geltend  macht,  Ferner  ist
einerseits  eine  idealisierende  Darstellung  des  Menschen  („Fondaco-Fresken“,  „Venus“,  „Knabe  mit
Pfeil“)  andrerseits  aber  ein  starker  Verismus  („Vanitas“,  „Kreuztragung“  in  San  Rocco)  zu  beobachten’ ­
  Im  Bildnisfach  sehen  wir  das  Wagnis  der  Porträtskizze  (Budapest)  und  eine  persönliche
Interpretation  der  dargestellten  Individualität.  Wie  bei  Leonardo  erhält  im  Berliner  Bild  der  Porträtierte ­
  durch  das  Sfumato  in  der  malerischen  Wiedergabe  des  Gesichtes  und  durch  den  fest  auf  den
Beschauer  gerichteten  dunklen  Blick  eine  geheimnisvolle  Note 26 .
»)  Fs  läßt  sich  „och  nicht,  mit  Sicherheit  feststellen,  wie  Giorgione  zu  malen  begonnen  hat,  Nur  drei  Beispiele  greife  ich  heraus,
um  die  Schwierigkeiten  anzudeuten,  die  sich  einem  lückenlosen  Anschluß  der  von  mir  im  Text  nicht  behandelten,  von  vielen
Forschern  aber  als  .Tugendwerke  Giorgiones  angesehenen  Bilder  an  seine  gutbeglaubigten  Werke  noch  entgegenstellen.
            
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