Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 12 (N.F.) (XII=48)

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Abb.  52.  Hugo  van  der  Goes,  Monforte-Altar.  Berlin,  Deutsches  Museum.

DAS  RÄTSEL  DER  KUNST  DES  HUGO  VAN  DER  GOES.
*  VON  KARL  OETTINGER.
N icht  vorlaute  Einbildung  des  Autors  ist  daran  schuld,  wenn  der  Titel  dieser  Arbeit  an  die  berühmte
Eyck-Darstellung  Max  Dvofaks  erinnert,  die  vor  Jahrzehnten  an  gleicher  Stelle  erschienen  ist.  Es  soll
vielmehr  damit  möglichst  drastisch  zum  Ausdruck  gebracht  werden,  daß  wir  auch  von  dem  zweiten  Hauptmeister ­
  der  altniederländischen  Malerei  nicht  Herkunft  und  Entwicklung,  nicht  Eigen-  und
Schulwerk  kennen  und  daß  an  die  Riesengestalt  des  Center  Meisters  sich  noch  weitere,  allgemeinere  Probleme
knüpfen,  die,  für  die  Gesamtgeschichte  der  Epoche  aufschlußreich,  wenigstens  einmal  gestellt  werden  sollen.
Das  kleine  Wiener  Diptychon  (Taf  VII—IX)  ist  nach  der  hier  vertretenen  These  der  unschuldige
Anlaß  für  die  kritische  Lage  der  Van-der-Goes-Forschung  geworden.  Indem  es  nach  außen  hin  in  allen
Diskussionen  zugunsten  seiner  großen  Geschwister  in  Berlin,  Florenz  und  Brügge  bescheiden  abseits  stand,
hielt  es  in  Wahrheit  die  streitenden  Gelehrten  allesamt  am  Narrenseil.  Gerade  daß  sie  bei  ihm  einhellig
waren  und  es  als  Frühwerk  ihren  Ordnungen  zugrunde  legten 1 ,  als  ob  das  irgendwie  gesichert  wäre,  hat
die  Verwirrung  gebracht,  der  hier  ein  Ende  gemacht  werden  will.
Die  Haupttatsachen  vom  Leben  des  Meisters  stellen  wir  voran:  1467  gelegentlich  seiner  Aufnahme  in
die  Genter  Malergilde  begegnen  wir  zuerst  seinem  Namen.  Einer  der  Zeugen  ist  Justus  von  Gent,  der  später
1  Grundlegend  als  Materialsammlungen  die  Monographien  von  M.J.  Friedländer  (Altniederländische  Malerei  IV,  1926),
und  J.  Destrée  (Hugo  van  der  Goes,  van  Oest,  1914),  im  folgenden  kurz  Friedländer  und  Destrée  zitiert,  sowie  ein  Aufsatz
von  A.  Goldschmidt  (Der  Monfortealtar  des  Hugo  van  der  Goes,  Zeitschr.  f.  bild.  Kunst  N.  F.  26,  19:5,  S.  221).  Ferner  die
Handbuchdarstellungen  von  F.  Winkler  (Altniederländische  Malerei,  1924,  S.  100),  Fierens-Gevaert  (Histoire  de  la  peinture
flamande,  T.  2,  1929,  S.  35),  Friedländer  (Von  Eyck  bis  Brueghel,  2.  Aufl.  1921,  S.  43),  Thieme-Becker  (Künstlerlexikon,  Bd.  14,
1921)  und  E.  G.  Troche  (Niederländische  Malerei,  Berlin,  K.  Wolf-Verlag,  1935,  S.  12).  Die  urkundlichen  Nachrichten,  vor  allem
der  Bericht  des  Bruders  Ofhuys,  bei  H.  Sander,  Beiträge  zur  Biographie  des  Hugo  van  der  Goes  und  zur  Chronologie  seiner
Werke,  Repertorium  für  Kunstw.  XXXV,  1912,  S.  519.
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