Full text: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 12 (N.F.) (XII=48)

Ein Salzburger Bildwerk im Prager Landesmuseum 
aufweisen. Sie sind in späterer Zeit mehr 
um die Ellbogen gerundet. Wir haben es 
hier also mit einem verhältnismäßig frühen 
Renaissanceharnischtypus zu tun, demzufolge 
das Relief keinesfalls vor dem zweiten Jahr 
zehnt und entsprechend dem Zeitgeschmack 
wahrscheinlich nicht nach 1525—1530 ent 
standen ist. 
Die Provenienz des Reliefs ist bekannt, 
es stammt aus der Pfarrkirche von Zlichov 
bei Prag. Angeblich war es dort ursprüng 
lich an der Wand unter der Orgelempore 
links vom Eingang angebracht. Später soll 
es als Aufsatz der Orgel verwendet worden 
sein. 3 Irgendwelche archivalische Nachrichten, 
die zur Ermittlung des Künstlers oder auch 
nur des dargestellten Ritters führen könnten, 
liegen bis jetzt nicht vor. Auch aus den 
Patronatsverhältnissen der Kirche lassen sich 
keine Schlüsse auf die Person des Ritters 
ziehen, da Zlichov zwischen 1449 und 1547 
Eigentum der Prager Altstadt war. Überdies 
ist es fraglich, ob sich das Relief tatsächlich 
seit jeher in Zlichov befand, denn die Kirche 
wurde im 18. Jahrhundert von den Jesuiten 
vollkommen umgebaut. 4 
Aus der gleichen Kirche besitzt das 
Prager Landesmuseum noch vier zusammen 
gehörige Flachreliefs aus Lindenholz, die der 
zeit im Depot aufbewahrt werden (Abb.iâS 
bis 1J1)} Die Tafeln waren ursprünglich in 
Rahmen eingelassen und dienten offenbar als 
Flügel eines Schreines. Wie dies bei Flügel 
reliefs der Zeit üblich ist, besitzen sie an 
ihrer oberen Seite als ornamentalen Abschluß 
eine Girlande aus Blättern und Früchten. Ob 
die Reliefs gefaßt waren, läßt sich nicht mehr erkennen. Fis finden sich heute nur mehr die Spuren einer 
weißen Tünche, die oberflächlich entfernt wurde. 
Dargestellt sind. Chiistus und die Frauen, Christus am Ölberg, die Stigmatisation des heiligen Franz 
und der heilige Hieronymus. 6 Wahrscheinlich handelt es sich um Teile des Epitaphs, welches nach Art eines 
Altai es F lügeli eliefs besessen haben könnte. Bei Berücksichtigung der Rahmen würden die Breitenmaße 
übereinstimmen. Der Schrein müßte allerdings um etwa 55—60 cm höher gewesen sein als das Mittelrelief, doch 
Abb 169. 
Christus am Ölberg. Relief im Prager Landesmuseum. 
ist es ohneweiters denkbar, daß dieser Raum mit geschnitzten Wolken oder Ornamenten ausgefüllt war. 
Stilistisch schließen sich diese vier Flachreliefs durchaus dem Epitaph an. Sie sind zwar flüchtiger, 
fast skizzenhaft geschnitten, die sorgsame Bearbeitung der Oberfläche fehlt. Dabei wird der Eindruck des 
wenig Geglätteten durch den schlechten Erhaltungszustand noch verstärkt. DieF'iguren sind in den Proportionen 
3 Stech; Umelecke poklady Cech, I, S. 24. 
4 K. B. Madl; Pamatky archeologicke XIV, 1889, S. 235fr. 
5 Inv.-Nr. Dep. 1141 — 1144. 
6 Den Breitenmaßen zu Folge dürften in dem einen Flügel Ölberg (44-3 x 74-3 cm) und Hieronymus (44 x 74 cm), im 
anderen Christus und die Frauen (45-2 x 74 cm) und Stigmatisation des heiligen Franz (45-3 x 74 2 cm) vereinigt gewesen sein. 
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