Ein Salzburger Bildwerk im Prager Landesmuseum
aufweisen. Sie sind in späterer Zeit mehr
um die Ellbogen gerundet. Wir haben es
hier also mit einem verhältnismäßig frühen
Renaissanceharnischtypus zu tun, demzufolge
das Relief keinesfalls vor dem zweiten Jahr
zehnt und entsprechend dem Zeitgeschmack
wahrscheinlich nicht nach 1525—1530 ent
standen ist.
Die Provenienz des Reliefs ist bekannt,
es stammt aus der Pfarrkirche von Zlichov
bei Prag. Angeblich war es dort ursprüng
lich an der Wand unter der Orgelempore
links vom Eingang angebracht. Später soll
es als Aufsatz der Orgel verwendet worden
sein. 3 Irgendwelche archivalische Nachrichten,
die zur Ermittlung des Künstlers oder auch
nur des dargestellten Ritters führen könnten,
liegen bis jetzt nicht vor. Auch aus den
Patronatsverhältnissen der Kirche lassen sich
keine Schlüsse auf die Person des Ritters
ziehen, da Zlichov zwischen 1449 und 1547
Eigentum der Prager Altstadt war. Überdies
ist es fraglich, ob sich das Relief tatsächlich
seit jeher in Zlichov befand, denn die Kirche
wurde im 18. Jahrhundert von den Jesuiten
vollkommen umgebaut. 4
Aus der gleichen Kirche besitzt das
Prager Landesmuseum noch vier zusammen
gehörige Flachreliefs aus Lindenholz, die der
zeit im Depot aufbewahrt werden (Abb.iâS
bis 1J1)} Die Tafeln waren ursprünglich in
Rahmen eingelassen und dienten offenbar als
Flügel eines Schreines. Wie dies bei Flügel
reliefs der Zeit üblich ist, besitzen sie an
ihrer oberen Seite als ornamentalen Abschluß
eine Girlande aus Blättern und Früchten. Ob
die Reliefs gefaßt waren, läßt sich nicht mehr erkennen. Fis finden sich heute nur mehr die Spuren einer
weißen Tünche, die oberflächlich entfernt wurde.
Dargestellt sind. Chiistus und die Frauen, Christus am Ölberg, die Stigmatisation des heiligen Franz
und der heilige Hieronymus. 6 Wahrscheinlich handelt es sich um Teile des Epitaphs, welches nach Art eines
Altai es F lügeli eliefs besessen haben könnte. Bei Berücksichtigung der Rahmen würden die Breitenmaße
übereinstimmen. Der Schrein müßte allerdings um etwa 55—60 cm höher gewesen sein als das Mittelrelief, doch
Abb 169.
Christus am Ölberg. Relief im Prager Landesmuseum.
ist es ohneweiters denkbar, daß dieser Raum mit geschnitzten Wolken oder Ornamenten ausgefüllt war.
Stilistisch schließen sich diese vier Flachreliefs durchaus dem Epitaph an. Sie sind zwar flüchtiger,
fast skizzenhaft geschnitten, die sorgsame Bearbeitung der Oberfläche fehlt. Dabei wird der Eindruck des
wenig Geglätteten durch den schlechten Erhaltungszustand noch verstärkt. DieF'iguren sind in den Proportionen
3 Stech; Umelecke poklady Cech, I, S. 24.
4 K. B. Madl; Pamatky archeologicke XIV, 1889, S. 235fr.
5 Inv.-Nr. Dep. 1141 — 1144.
6 Den Breitenmaßen zu Folge dürften in dem einen Flügel Ölberg (44-3 x 74-3 cm) und Hieronymus (44 x 74 cm), im
anderen Christus und die Frauen (45-2 x 74 cm) und Stigmatisation des heiligen Franz (45-3 x 74 2 cm) vereinigt gewesen sein.
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