Ludwig von Baldass
standenen Bildnissen Cranachs, in denen zuerst die Porträtauffassung der Donauschule niedergelegt worden
war. Hubers letzte Landschaftszeichnungen zeigen eine Ausdruckskraft der Linie, die hier noch mehr den
Blatteindruck beherrscht als auf Altdorfers Donaulandschaften von 1511.
Während zahlreiche Fäden die Kunst des Wolf Huber mit der Altdorfers verbinden, sind die Beziehungen,
die den Landshuter Hofmaler Hans Wertinger mit dem großen Regensburger Meister verbinden, so locker,
daß sie nicht mehr mit Sicherheit feststellbar sind. In seinem Frühwerk von 1498 (Abb.128) in Freising, steht
er noch ganz im Banne der Kunst des Mair von Landshut. Auch Wertingers 1517 datierte Tafel im Prager
Rudolfinum mit einer noch ungedeuteten Szene im Zeitkostüm, die sich um einen Fürsten am Krankenlager
abspielt, ist stilistisch noch immer aus der Nachfolge des Mair von Landshut heraus erklärbar. Als Bildnis
maler gehört Wertinger der typischen Donauschule, das heißt in diesem Falle der Nachfolge des frühen Bildnis
stiles Cranachs an. Wichtig als Vorläufer einer weltlichen Kunst sind die Monatsbilder im Germanischen Museum
zu Nürnberg. 70 Der stilistische Zusammenhang mit den niederländischen Kalenderminiaturen der Stundenbücher
ist noch durchaus gewahrt. Ein Innenraum wie der der Tenne auf dem Augustbild (Abb. 166) erinnert auch
in der Drastik der Figuren an den Meister der vita Friderici et Maximiliani. In der heiteren Festlichkeit, mit
der auf dem Bildchen des Mai (Abb.iöj) eine vornehme Gesellschaft sich im Freien um einen Brunnen und um
eine offene Halle ergötzt, liegt eine inhaltliche Verwandtschaft mit Altdorfers Breitbild von 1531 in Berlin.
Nur in lockerer und gelegentlicher Beziehung zu Altdorfer stehen Künstler wie der Münchner Nikolaus
Kirberger, der seit 1523 in Leipzig tätige Georg Lemberger, der Passauer Hans Pruckendorfer, der in München
tätige Ludwig Refinger. Ganz der Gefolgschaft Wolf Hubers und nicht der Altdorfers dürfte der Münchner
Abraham Schöpfer 71 angehört haben. Auch bei den anderen anonymen Künstlern der Donauschule scheint
sich eine Beziehung zu Altdorfer nicht sicher feststellen zu lassen. Eine wirkliche Weiterführung der Alt-
dorferschen Kunsttendenzen finden wir eigentlich nur in der Graphik, und zwar nur auf einem Gebiete, dem
der Landschaftsradierung. Die Weite des Altdorferschen Raumgefühls, die Romantik seiner Naturauffassung
lebt in den Radierungen eines Augustin Hirschvogel, der auch von Zeichnungen Wolf Hubers an
geregt ist und eines Sebald Lautensack weiter. Die Brücken, die von hier zur niederländischen Landschafts
malerei führen, harren noch der Untersuchung.
70 Büchner, Zeitschr. f. bild. Kunst 61, S. 106 ft. 71 Büchner, Beiträge, I, S. 250 fr.
Abb. 167. Hans Wertinger, Der Monat Mai. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum.
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