Full text: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 12 (N.F.) (XII=48)

Ludwig von Baldass 
standenen Bildnissen Cranachs, in denen zuerst die Porträtauffassung der Donauschule niedergelegt worden 
war. Hubers letzte Landschaftszeichnungen zeigen eine Ausdruckskraft der Linie, die hier noch mehr den 
Blatteindruck beherrscht als auf Altdorfers Donaulandschaften von 1511. 
Während zahlreiche Fäden die Kunst des Wolf Huber mit der Altdorfers verbinden, sind die Beziehungen, 
die den Landshuter Hofmaler Hans Wertinger mit dem großen Regensburger Meister verbinden, so locker, 
daß sie nicht mehr mit Sicherheit feststellbar sind. In seinem Frühwerk von 1498 (Abb.128) in Freising, steht 
er noch ganz im Banne der Kunst des Mair von Landshut. Auch Wertingers 1517 datierte Tafel im Prager 
Rudolfinum mit einer noch ungedeuteten Szene im Zeitkostüm, die sich um einen Fürsten am Krankenlager 
abspielt, ist stilistisch noch immer aus der Nachfolge des Mair von Landshut heraus erklärbar. Als Bildnis 
maler gehört Wertinger der typischen Donauschule, das heißt in diesem Falle der Nachfolge des frühen Bildnis 
stiles Cranachs an. Wichtig als Vorläufer einer weltlichen Kunst sind die Monatsbilder im Germanischen Museum 
zu Nürnberg. 70 Der stilistische Zusammenhang mit den niederländischen Kalenderminiaturen der Stundenbücher 
ist noch durchaus gewahrt. Ein Innenraum wie der der Tenne auf dem Augustbild (Abb. 166) erinnert auch 
in der Drastik der Figuren an den Meister der vita Friderici et Maximiliani. In der heiteren Festlichkeit, mit 
der auf dem Bildchen des Mai (Abb.iöj) eine vornehme Gesellschaft sich im Freien um einen Brunnen und um 
eine offene Halle ergötzt, liegt eine inhaltliche Verwandtschaft mit Altdorfers Breitbild von 1531 in Berlin. 
Nur in lockerer und gelegentlicher Beziehung zu Altdorfer stehen Künstler wie der Münchner Nikolaus 
Kirberger, der seit 1523 in Leipzig tätige Georg Lemberger, der Passauer Hans Pruckendorfer, der in München 
tätige Ludwig Refinger. Ganz der Gefolgschaft Wolf Hubers und nicht der Altdorfers dürfte der Münchner 
Abraham Schöpfer 71 angehört haben. Auch bei den anderen anonymen Künstlern der Donauschule scheint 
sich eine Beziehung zu Altdorfer nicht sicher feststellen zu lassen. Eine wirkliche Weiterführung der Alt- 
dorferschen Kunsttendenzen finden wir eigentlich nur in der Graphik, und zwar nur auf einem Gebiete, dem 
der Landschaftsradierung. Die Weite des Altdorferschen Raumgefühls, die Romantik seiner Naturauffassung 
lebt in den Radierungen eines Augustin Hirschvogel, der auch von Zeichnungen Wolf Hubers an 
geregt ist und eines Sebald Lautensack weiter. Die Brücken, die von hier zur niederländischen Landschafts 
malerei führen, harren noch der Untersuchung. 
70 Büchner, Zeitschr. f. bild. Kunst 61, S. 106 ft. 71 Büchner, Beiträge, I, S. 250 fr. 
Abb. 167. Hans Wertinger, Der Monat Mai. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum. 
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