Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 12 (N.F.) (XII=48)

in  der  graphischen  Landschaftsauffassung  ein  Einwirken  der  Landschaftszeichnungen  Hubers  mutmaßen  dürfen.
Es  ist  ferner  auffallend,  daß  wir  aus  dem  Jahr  1522,  aus  dem  wir  (in  Berlin)  das  erste  datierte  Landschaftsaquarell ­
  Altdorfers  besitzen,  auch  drei  Aquarelle  von  Wolf  Huber  kennen.  Die  Priorität  ist  hier  aber  nicht
feststellbar.  Der  Aufbau  der  Blätter  ist  namentlich,  wenn  wir  Hubers  Hochblatt  in  der  Sammlung  Koenigs
(Abb.  164)  mit  Altdorfers  Hochblättern  in  der  gleichen  Sammlung,  in  Erlangen  (Abb.  i6ß)  und  Berlin  vergleichen, ­
  sehr  ähnlich.  Hubers  Arbeit  wirkt  stärker  zeichnerisch,  die  Farbe  ist  bei  ihm  weniger  wesentlich
für  die  Wirkung  als  bei  Altdorfer.
Der  Hauptunterschied,  der  Hubers  Landschaftszeichnungen  von  denen  Altdorfers  unterscheidet,  die  größere
Sachlichkeit  und  Naturhaftigkeit,  die  der  romantisch-poesievollen  Auffassung  des  Regensburgers  gegenübersteht, ­
  offenbart  sich  auch  in  der  Raumgestaltung.  Im  Gegensatz  zu  Altdorfer  bevorzugt  Huber  durchwegs
zwar  tiefe  aber  einfache  und  geschlossene  Innenräume.  Der  Raum  ist  für  ihn  hauptsächlich  Schauplatz,  er
sieht  ihn  immer  als  Maler,  nie  als  Architekt.  Wohl  malt  auch  er  gelegentlich,  zum  Beispiel  in  den  St.  Florianer
Passionstafeln,  Beleuchtungsmotive,  aber  in  viel  realistischerer  Weise  als  Altdorfer.  Diese  Beleuchtungseffekte
sollen  die  Wirkung  steigern,  nicht  eine  eigene  Raumpoesie  hervorzaubern.
Etwa  um  die  Mitte  der  Zwanzigerjahre,  und  zwar  sogar  wahrscheinlich  erst  nach  1525  beginnt  Hubers
Zeit  der  großen  Gemälde,  in  der  der  Meister  sich  am  weitesten  von  Altdorfer  entfernt.  Eine  monumentale
Gesinnung  macht  sich  in  diesen  Tafeln  in  Wien,  Berlin,  München  und  St.  Florian  und  in  den  vorbereitenden
Zeichnungen  mit  Kopfstudien  geltend,  obwohl  die  Figurengröße  durchwegs  weit  unter  der  Lebensgröße  zurückbleibt. ­
  Immerhin  gibt  es  auch  im  späteren  Werk  Hubers  Schöpfungen  wie  die  schöne  1530  datierte  Zeichnung
der  Allegorie  der  Musik  in  Budapest,  die  zumindest  als  Parallelen  zu  Altdorfers  Spätstil  aufzufassen  sind.
In  seinen  letzten  Werken,  in  den  Badestubenfresken  und  im  Lotbild  von  1537,  hat  Altdorfer  den  Donaustil
überwunden,  Huber  aber  bleibt  diesem  Stil  bis  an  sein  Lebensende,  also  bis  über  die  Jahrhundertmitte  hinaus,
treu.  Noch  in  seinen  späten  Bildnissen  zeigt  sich  deutlich  ein  Zusammenhang  mit  den  1502  und  I5°3  ent-
            
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