Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 12 (N.F.) (XII=48)

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Abb.  92.
Treffling,

Pfarrkirche;
Flügelaltärchen.

DER  MEISTER  VON  GERLAMOOS.*
VON  OTTO  DEMUS.

DIE  TAFELN.
D ie  Fresken  des  Gerlamoosers  gaben  vor  allem  Auskunft  über  eine  bestimmte  Seite  seiner  Entwicklung:  an
dieser  Reihe  war  der  Wandel  in  seinem  Verhalten  zur  monumentalen  Form  festzustellen,  das  Werden  der
übergreifenden,  makrokosmischen  Stilformen.  Mehr  im  Dunkel  blieb,  vor  allem  angesichts  der  geringen  Zahl
der  Denkmäler,  die  Entwicklung  der  stilistischen  Einzelheiten,  der  mikrokosmischen  Form.  Dafür  sind  die
Tafelbilder  des  Meisters  aufschlußreicher.  Zugleich  wird  aber  aus  dem  Studium  seiner  Tafelmalereien  klar,
daß  der  Schwerpunkt  der  Entwicklung  doch  in  seiner  Tätigkeit  als  Freskomaler  liegt.  Die  Tafeln  wären  ohne
die  Fresken  künstlerisch  nicht  verständlich.  Auch  wenn  kein  Wandgemälde  des  Malers  erhalten  wäre,  müßte
man  ihn  —  nach  Ausweis  der  Form  seiner  Tafeln  —  für  einen  Freskanten  halten.
TREFFLING.
Das  an  der  inneren  Nordwand  der  Pfarrkirche  von  Treffling 115  hängende  Flügelaltärchen  (Maße  bei
geöffneten  Flügeln:  l'48  m  hoch  und  i'8i  m  breit;  jedes  der  Bildchen  der  Innenflügel  mißt  66:33  cm;
Abb.  Q2—Q4-)  ist  seiner  ursprünglichen  Schreinfüllung  beraubt 116  und  hat  auch  sonst  Veränderungen  erlitten:
die  Flügelaußenseiten  tragen  gemalte  Pleiligengestalten  (St.  Stephan,  St.  Andreas,  St.  Simon  und  St.  Nikolaus),
die  erst  dem  Ende  des  1  5.  Jahrhunderts  angehören  können.  Von  einigen  Beschädigungen  (Abreibungen,  Kratzer)
abgesehen,  sind  aber  die  Malereien  der  Innenflügel  des  Altärchens  gut  erhalten.  Am  linken  Flügel  sind  (von
oben  nach  unten)  Dornenkrönung  und  Vorführung  Christi  vor  Pilatus,  am  rechten  Geißelung  und  Kreuzigung
dargestellt.  Zwei  Wappen  im  linken  oberen  Gemälde  gestatten  es,  den  Stifter  zu  bestimmen.  Das  Doppelwappen ­
  findet  sich  in  der  gleichen  Form  auf  dem  in  der  Vorhalle  der  Kirche  eingemauerten  Grabstein  des
*  Schluß  der  Abhandlung.  Vgl.  Jb.  d.  kh.  Sign,  in  Wien,  N.  F.  XI,  1937,  S.  49fr.  Insoweit  Abbildungen  aus  dem  ersten  Teil
der  Abhandlung  in  dem  vorliegenden  Schluß  zitiert  werden,  sind  diese  durch  die  Bandzahl  XI  und  die  entsprechende  Abbildungsnummer
  gekennzeichnet.
115  K.  Ginhart,  Die  Kunstdenkmäler  Kärntens,  I/2  (F.  Novotny),  S.  92  f.  P.  Hauser,  Oberkärntnerische  Malereien
aus  der  Mitte  des  15.  Jahrhunderts,  Klagenfurt  1905,  S.  21  ff.
116  Im  Schrein  steht  heute  ein  barockes  Vesperbild.

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