Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 4 (N.F.) (IV=40)

Abb.  38.
Nicolö  di  Piero  Lamberti  (?),  Bekrönung  des  mittleren  Bogens
von  S.  Marco,  Venedig.
DIE  BILDHAUER  VENEDIGS
IN  DER  ERSTEN  HÄLFTE  DES  QUATTROCENTO.
(NICOLÖ  LAMBERTI,  PIERO  UI  NICOLÖ  LAMBERTI,  NANNI  DI  BARTOLO,
DIE  WERKSTATT  DER  BUON,  DER  »MEISTER  DES  MAS  CO  LI-ALT  ARS«.)
VON  LEO  PLANISCIG.
I.  EINLEITUNG.
Aus  Piero  di  Nicolö  Lamberti  —  der  früher  stets  vor  dem  großem  Rufe  seines  Vaters  in  den  Schatten
XA_  zurückgetreten  war  —  hat  die  allerneueste  Forschung  einen  Heros  gemacht  und  seine  Haupttätigkeit  nach
Venedig  verlegt,  wohin  er,  dem  Vater  folgend,  aus  Florenz  gewandert  war.  So  vermeinte  man  das  Entwicklungsproblem ­
  der  venezianischen  Skulptur  im  Beginn  des  Quattrocento  gelöst  zu  haben:  ex  Florentia  lux,
und  zwar  durch  Vermittlung  Piero  di  Nicolö  Lambertis.
Trotz  Paolettis  so  wertvoller  Forschung  blieb  unser  Wissen  über  die  merkwürdige,  für  Venedig  so
charakteristische  Periode  der  letzten  »aufflammenden«  Gotik  lange  Zeit  fragmentarisch;  der  von  Cicognara
formulierten,  von  Selvatico  und  Mothes  kaum  merklich  erweiterten  Ansicht  wurde  kaum  etwas  hinzugefügt:
man  betrachtete  die  Masegne  als  Übergangsmeister  und  die  Buon  als  Fortsetzer  ihres  gotischen  Ingeniums
im  Quattrocento.  Es  ist  nun  schon  ein  Jahrzehnt  verstrichen,  seit  ich  es  wagte,  diese  von  trägen  Kompilatoren
fast  als  Dogma  angesehene  und  verkündete  Meinung,  so  wie  manches  traditionelle  Urteil,  namentlich  was

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