Full text : Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 4 (N.F.) (IV=40)

Der  Meister  des  Grazer  Dombildes  und  seine  kunstgeschichtliche  Stellung.

Abb.  205.  Salzburgisch  um  1425,  Kreuzigung  in  Altmühldorf.
DER  MEISTER  DES  GRAZER  DOMBILDES
UND  SEINE  KUNSTGESCHICHTLICHE  STELLUNG.
EIN  BEITRAG  ZUR  LÖSUNG  DER  PFENNING-LAIB-FRAGE.
VON  LUDWIG  BALDASS.
W enn  wir  die  deutsche  Kunst  des  1  5.  Jahrhunderts  in  ihrer  Gesamtheit  betrachten  und  sie  an  der  Gleichzeitigen ­
  niederländisch-französischen  oder  der  italienischen  messen,  so  sehen  wir  das  merkwürdige
Schauspiel  einer  sehr  reichen  Kunstübung,  die  gleichzeitig  in  zahlreichen  miteinander  meist  nur  locker
verbundenen  Kunstprovinzen  auftritt  und  die  auf  der  einen  Seite  verhältnismäßig  arm  ist  an  ganz  großen
führenden  Künstlern,  auf  der  anderen  aber  besonders  reich  an  eigenartigen  Individualitäten.  Auch  die  italienische
Kunst  des  Quattrocento  zerfällt  in  zahlreiche  Lokalschulen.  Diese  greifen  aber  durch  den  häufigen  Ortswechsel
der  Künstler  viel  öfter  über,  man  denke  nur  an  die  Bedeutung,  die  die  Kunst  eines  Gentile  da  Fabriano
für  ganz  Ober-  und  Mittelitalien  von  Venedig  bis  Siena  gewonnen  hat,  oder  an  die  Wirkungen  von  Donatellos
paduanischem  und  mehr  noch  von  Lionardos  mailändischem  Aufenthalt.  Auch  die  deutschen  Künstler  der

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