Full text: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 1 (N.F.) (I=37)

Die weltliche Schatzkammer in Wien. 
f Kreuz der Kaiserkrone aufzählt, während Falke ungenau die Kaiserkrone nennt, an deren eigentlichem Körper 
sich aber die Spiralkegelchen ebensowenig finden wie am Bogen. 
Kleine Kegelchen aus glattem Golddraht kommen am Stamm und an beiden Armen des Reichskreuzes 
vor, und zwar begleiten sie da zu beiden Seiten die Edelsteinreihen an den Außenrändern. Ebenfalls kleine, 
aber aus Goldblech gepreßte Spiralkegelchen, wie sie z. B. auch an der Kunigundenkrone in München Vor 
kommen 251 , gibt es außerdem noch am Rande der Mittelscheibe des linken Quadrates. An entsprechender 
Stelle sitzen auf dem rechten Quadrat Kegelchen aus gekörntem Golddraht. Am Rand der Mittelscheibe 
des unteren Quadrates sind die Zwickel zwischen Perlen und Edelsteinen mit kleinen Häuflein aus Goldkügel 
chen gefüllt, wie sie sich z. B. auch auf dem Einband des Bamberger Evangeliars in der Münchener Staats 
bibliothek (Cim. 58) finden 252 . Auf dem obersten und dem mittleren Quadrat ist nichts derartiges zu sehen. 
Die Türmchen mit den (größeren) Spiralkegelchen als Dächern gibt es nur auf den fünf Quadraten 
des Reichskreuzes. Es sollen immer acht vorhanden sein, doch fehlen bereits etliche. Auf dem oberen {Taf. X), 
dem unteren und dem linken Quadrat ist der Draht der Kegelchen glatt, auf dem unteren fehlen von den acht 
Kegelchen drei. Das Mittelquadrat hat seine acht Turmdächlein aus gekörntem Draht vollständig, auf dem 
rechten Quadrat wechseln Kegelchen aus glattem Draht mit solchen aus gekörntem ab, doch fehlt ein 
glattes und ein gekörntes, so daß im ganzen nur sechs vorhanden sind. 
Andere Goldtürmchen, die oben als Abschluß die bekannte Pyramide aus vier Kügelchen tragen, 
aber, wie schon oben bemerkt, zum Unterschiede von denen auf der Krone, nicht aus einem einzelnen 
Röhrchen, sondern aus drei solchen bestehen, kommen nur auf dem Vierungsquadrat vor. 
Unmittelbar an den Boden angelötete Goldpyramiden aus vier Kügelchen finden sich nur auf dem 
Quadrat des rechten Armes. 
Alle die hier vermerkten Besonderheiten der Goldschmiedearbeit des Reichskreuzes kommen am 
eigentlichen Körper der deutschen Kaiserkrone nicht vor. 
Auch der Steinschliff an Krone und Kreuz ist nicht ganz derselbe, wenn man auch gerade bei der 
Beurteilung dieses Punktes wegen der Möglichkeit der Verwendung alter, schon gebrauchter Steine vor 
sichtig sein muß. Wie die Steine am Reichskreuz regelmäßiger verteilt sind als an der Krone, so sind sie 
auch, alles in allem genommen, regelmäßiger geschliffen. Kreisrunde und ovale Grundrisse herrschen vor 
viereckige und herzförmige Steine sind nahezu gänzlich vermieden. 
Vergleicht man auf Grund der eben besprochenen Verschiedenheiten die Arbeit am Kronenkörper 
mit der am Reichskreuz, so wird man mit Sicherheit behaupten dürfen, daß jene derber, diese feiner ist, 
und daß beide Stücke unmöglich zur selben Zeit in derselben Werkstatt entstanden sein können. 
Einzelheiten der Goldschmiedearbeit am angesteckten Kreuz und am Bügel der Krone. 
Werden nun aber auch die Besonderheiten der Goldschmiedearbeit und des Steinschliffes am angesteckten 
kleinen Kreuz der Krone (Taf. VIII\ links) ins Auge gefaßt, so läßt sich feststellen, daß sich hier zwar die die 
Steine haltenden dreizehigen Krallen des Kronenkörpers, dafür aber auch die kleinen Arkaden, auf denen 
► die Steine aufruhen, die Kugelhäuflein und vor allem die Spiralkegelchen des Reichskreuzes finden. Die 
Perlfassung sieht wie ein Kompromiß zwischen Krone und Kreuz aus. Die Perlen werden nämlich nicht 
wie am Kreuz durch den Zargenrand festgehalten, sondern wie am Kronenkörper durch Draht, dafür ist 
der Zylindermantel, der die Perle trägt, ähnlich wie am Reichskreuz, kreisförmig durchlocht. Von den fünf 
großen Steinen ist einer viereckig. 
Erinnern wir uns schließlich aber, daß die Gravierung auf der Rückseite des angesteckten kleinen 
Kronenkreuzes mit der hinten auf dem Reichskreuz so eng verwandt ist, daß man sie derselben Werkstatt, 
wenn nicht gar derselben Hand, die die letztere geschaffen hat, zuweisen muß, so kann darüber, ob das 
angesteckte Kreuz der Krone aus derselben Werkstatt, die den Kronenkörper, oder aus jener, die das 
Reichskreuz anfertigte, hervorgegangen ist, natürlich um so weniger mehr ein Zweifel bestehen, als es, auch 
abgesehen von der Gravierung hinten, unverständlich wäre, daß der Meister des Kronenkörpers, hätte er 
auch das angesteckte kleine Kreuz hergestellt, auf dessen Vorderseite die so charakteristischen Ziermotive 
der winzigen Bogenreihen und der Spiralkegelchen anbrachte, die er auf der eigentlichen Krone vermieden 
251 Bassermann-Jordan und Schmid, 1. c., S. 12, Nr. 16, Taf. Xlb. 
252 Wolfg. M. Schmid, Deutsches Kunstgewerbe um das Jahr 1000. S. 51, Abb. 66. 
7 Jahrbuch N. F. I. 4-9 
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