PORTRÄTKOPF DER HEILIGEN HELENA.
VON IUL1US BANKÖ.
D er auf Taf. II und Abb. 6 und 7 abgebildete Kopf kam im Jahre 1924 in die Antikensammlung des Kunst
historischen Museums (Inv.-Nr. I 1497). Sein Fundort ist nicht bekannt, da er im Kunsthandel erworben
wurde. Ebensowenig läßt sich über die Herkunft des weißen, grobkörnigen, mit großen Kristallen durchsetzten Mar
mors etwas sagen. Die Oberfläche ist stark verwittert. Gewaltsamer Zerstörung sind die Nase (besonders ihre rechte
Hälfte), die beiden Ohrmuscheln, der Hals, der Nacken und das Haarnest am Hinterkopfe zum Opfer gefallen. Die
erhaltene Höhe beträgt 24 cm, die Gesichtslänge 16 cm, die Pupillendistanz 5'4 cm. Es ist ein geradeaus blickender
Kopf einer Frau in vorgerückten Jahren mit vollen, fleischigen Wangen, kräftigem Kinn und kleinem, dünnlippigem
Mund, dessen Winkel herabgehen. Die Augensterne sind Umrissen, die Pupillen durch eine kreisförmige Vertiefung
in ihrem oberen Teile angegeben. Die Haare weisen eine künstliche Behandlung auf: zunächst gescheitelt und in
zwölf—nur über der Stirne — undulierten Wellen rückwärts genommen, waren sie am Hinterkopfe zu einem run
den, scheitelzopfartigen Neste zusammengefaßt; außerdem ist ein breiter Zopf diademartig über den Stirnwellen
aufgelegt, der von einem zum andern Ohre reicht. Diese Masse ist schwerlich aus dem eigenen Haare gebildet son
dern aus falschem hergestellt zu denken 1 . Da der Kopf nur für die Vorderansicht berechnet war, ist die Undulie-
rung auf den sichtbaren Teil über der Stirne beschränkt und das Haar hinter dem Zopfe bloß wellig angelegt 2 .
' Vgl. Maurice, Portraits d’ Impératrices de l’époque Constantinienne in: Numismatic Chronicle 1914, p. 320.
3 Eine ähnliche Haarteilung nur mit tiefer sitzendem Haarneste und nicht diademartig gestecktem Kranzzopfe erkennt
man deutlich an dem allseitig ausgearbeiteten Kopfe der jüngern Faustina in Rom (Thermenmuseum; abg. Arndt, Griechische
und römische Porträts, Taf. 756, 757; Delbrueck, Antike Porträts, Taf. 47; Hehler, Die Bildniskunst der Griechen und Römer,
Taf. 284 B). Aus derselben Zeit stammt, wie schon der Katalog von 1907 richtig bemerkt, die Statue der Eubulion in Kopen
hagen (Glyptothek Ny Carlsberg, Billedtavler 552 — größer abgebildet in den Römischen Mitteilungen 1913, S. 314 —), deren
Kopf wenigstens in seinen erkennbaren vorderen Teilen eine dem unsern sehr ähnliche Haartracht zeigt. Bei einem Kopfe aus
der Zeit und mit der Frisur der Julia Mamäa im Vatikan (Sala de’busti 369; vgl. Amelung, Die Sculpturen des vatican. Museums II,
S. 555, Taf. 69) ist eine ähnliche Kranzflechte quer über den Kopf gelegt.
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