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Das Wiener Gemälde im Vergleich mit anderen
Christusdarstellungen Tizians
Unser Christus präsentiert sich als Halbfigur vor dunklem Hintergrund. Es ist
nicht klar zu erkennen, ob er steht oder sitzt. Die traditionelle Salvator Mundi-Ikonographie
zeigt ihn
stehend9
‒ so auch Tizian in seiner Salvator Mundi-Darstellung
in St. Petersburg
(Abb.
2). Das Haupt des Wiener Christus umgibt ein
angedeuteter Kreuznimbus. Sein Kopf und Körper sind leicht nach links gewandt,
sein Blick nach rechts. Er trägt ein rotes Gewand, das im Schulterbereich ein
goldenes Band mit einer hebräischen Inschrift aufweist. Ein blauer Mantel fällt
von seiner linken Schulter auf seinen rechten Unterarm herab. Seine ausgestreckte
Rechte ruht auf einer transparenten Kugel, die, da vom unteren Bildrand
angeschnitten, nur mit der oberen Hälfte zu sehen ist. Auf ihr spiegelt sich ein
( zweiteiliger) Lichtreflex, vergleichbar einem einfachen Fenstermotiv.
Tizian hat diesen Christustypus, der mit seinen zarten, jungen Gesichtszügen
und dem melancholischen, zur Seite gerichteten Blick lyrischen Männerporträts
der Zeit nahesteht, früh, bereits im Zinsgroschen (Dresden, Gemäldegalerie Alter
Meister; Abb. 4), entstanden um 1516, entwickelt. Immer wieder kehrt er zu ihm
zurück. Beispielsweise in Christus und die Ehebrecherin (Wien, Kunsthistorisches
Museum; Abb. 5), das um 1520 entstanden sein
könnte,10
im Christus in
Halbfigur aus Florenz (Palazzo Pitti; Abb. 6), 1534 für Francesco Maria della Rovere,
Herzog von Urbino, vollendet, im Christus in Emmaus (Paris, Louvre), um
1535, und in weiteren Salvator Mundi-Darstellungen, die im Zusammenhang mit
dem Wiener Christus diskutiert
werden11:
dem bereits erwähnten in St. Petersburg,
einem Spätwerk der sechziger bzw. siebziger
Jahre12
und einem jüngst wiederentdeckten
Christus mit der Weltkugel in einer englischen Privatsammlung
(ehemals Sammlung Lord Darnley; Abb. 7). Dessen Zuschreibung ist aufgrund
des Zustandes umstritten; er wird um 1535
datiert.13
Abb. 4
Tizian, Zinsgroschen,
1516, Öl auf Holz,
75 × 56 cm. Dresden,
Gemäldegalerie, Staatliche Kunstsammlungen